«Diese Triebe wären sonst nur halb so lang, der Stamm nie so dick. Das ist der Pflanzenkohle zu verdanken.»
Claude Chiquet steht mitten in einer Parzelle, die er neu bepflanzt hat. Im trockenen Sommer 2022 hat er hier in Ormalingen Reben herangezogen, die vermutlich schon in diesem Jahr Ertrag abwerfen. Das sei der Fähigkeit von Pflanzenkohle zu verdanken, Stoffe zu binden, so Chiquet. Einerseits hält sie Nährstoffe im Boden, andererseits Wasser. «Ich habe vor den Ferien noch sicherheitshalber gewässert. 15 Liter pro Pflanze haben gereicht.»
Pflanzenkohle aufladen, junge Pflanzen aufziehen
Damit die neu gepflanzten Reben voll von der Pflanzenkohle profitieren konnten, musste Chiquet sie zuerst «aktivieren». Er hat sie mit dem Hofkompost vermischt, den er aus altem Trester und Stengeln gewinnt. Reine Pflanzenkohle ist sehr porös. Sie muss deshalb mit Nährstoffen aufgeladen werden, damit die Pflanzen von ihr profitieren. «Wir haben den Kompost mit der Pflanzenkohle vorbereitet. Kurz vor dem Stecken hat es geregnet. Das hat die Pflanzenkohle noch einmal mit Wasser gefüllt. Davon haben die jungen Pflanzen bis im Herbst profitiert.»
Inspiration von Bio-Winzern
Auf die Idee, seine Böden mit Pflanzenkohle anzureichern, ist Claude Chiquet durch Inspiration im Wallis gekommen. Bio-Winzer Hans-Peter Schmidt setzt dort schon lange Pflanzenkohle ein und forscht an den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. «Was ich hier mache, ist keine Wissenschaft», sagt Chiquet und lacht. Manche Dinge müsse man eben ausprobieren, um Resultate zu sehen. Und diese sprächen für sich. «Ich will dem Boden nicht mehr nehmen, als ich ihm gebe», sagt Chiquet. Spritzmittel setzt er deshalb viel weniger ein, als er könnte. Möglich machen es pilzresistente Sorten. Auch der Sauvignon Soyhières gehört dazu, den Chiquet gepflanzt hat.
Die Zukunft in Ormalingen
Aus dem Hobby, das der Weinbau ursprünglich sein sollte, ist für Claude Chiquet längst ein professioneller Betrieb geworden. Die Nachfrage ist hoch; er will schon bald weitere Parzellen pachten. Dass dabei wiederum Pflanzenkohle zum Einsatz kommt, ist für Chiquet klar. «Dass ich sie bisher nicht verwendet habe, liegt an der Verfügbarkeit. Es gab zwar Produkte, aber keine aus der Region.» Mit IWB als Anbieterin sei das nun anders, meint Claude Chiquet. Regionale Pflanzenkohle passt zum Bio-Ethos seines Weinguts.
Mehr Wasser oder mehr Pflanzenkohle
Inzwischen habe Claude Chiquet Rotweine, die es mit solchen aus Südfrankreich aufnehmen, meint er. Seine Erklärung:
«Für mich war schon lange klar, dass die Klimaerwärmung real ist. Und auch, dass sie zu- und nicht abnimmt. Das kann ich mir als Winzer zunutze machen.»
Die klimatische Veränderung bringe natürlich auch Probleme: «Von drei Sommern ist inzwischen einer sehr trocken.» Darauf liesse sich eigentlich nur auf zwei Arten reagieren: Entweder, indem man mehr bewässere, oder die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens mit Pflanzenkohle verbessere. Welchen Weg Claude Chiquet wählt, ist klar.

