Am vergangenen Sonntag wurden auf dem Weingut Saxer im thurgauischen Nussbaumen die drei im Frühsommer 2021 vergrabenen Barrique-Fässer, gefüllt mit Nussbaumer Blauburgunder, ausgegraben. Dies bereits zum 15. Mal.
Auch Corona spielte eine Rolle
An jenen Tag, als die Idee für diese Prozedur geboren wurde, erinnert sich der Weinmacher Jimmy (Alfred) Saxer gerne zurück: «Nach einer langen Nacht mit Degustation war die Idee geboren, ein mit Blauburgunder gefülltes Barrique-Fass während eines Jahres zu vergraben.» Vom Jahrgang 2008 wurde so der erste Erdwein produziert. Im Frühsommer 2020 jedoch konnte der Erdwein wegen Corona nicht ausgegraben werden und musste schliesslich während 23 Monaten im Boden bleiben.

Dabei zeigte sich, dass sich der zweijährige spezielle Lagerungsprozess in einer Tiefe von zwei Metern und bei konstanten 11,5 bis 12°C in allen Bereichen positiv auf den Wein auswirkte. Dies bewog Saxers dazu, künftig auf zwei Jahre Lagerdauer im Boden zu setzen.
Wie sich der Wein wohl entwickelt hat?
«Für diesen Wein haben wir Blauburgundertrauben von 2020 verwendet, die von der Rebparzelle direkt neben dem Vergrabungsort stammen», sagte Jimmy Saxer. Dem Ausgrabungsritual wohnten einige Dutzend Weinfreunde bei, welche diesen Akt mit einem Glas weissem Merlot nicht verpassen wollten. Sorgfältig und mit viel Fingerspitzengefühl legte Jakob Hausheer mit seinem Kleinbagger die drei Barrique-Fässer in einer Tiefe von zwei Metern frei. Dann war es so weit, die Spunden der Fässer wurden sichtbar. Die Spannung stieg. Fragen hingen in der Luft: Wie sich die Barrique in diesen zwei Jahren im Boden entwickelt hatten? Oder waren sie gar beschädigt worden? Nun kam die Schaufel mit Werner Meier zum Einsatz, indem er die einzelnen Fässer etwas mehr freilegte. So liessen sich die Drahtseile anbringen, um die Fässer zu bergen. Langsam hob Hausheer eine der Barriques an. Der erste Eindruck beim Verladen war vielversprechend, Schäden waren keine sichtbar.

Weintaufe als gutes Omen
Die Fässer wurden verladen und kamen zurück auf das Weingut in Nussbaumen, wo bereits eine grosse Fangemeinde auf den neuen Erdwein wartete. Sorgfältig entfernte Jimmy Saxer den Spund von der ersten Barrique. Bei der zweiten war es etwas schwieriger. Er bekam auf seinem gelben Hemd eine gut sichtbare Weintaufe ab, was jedoch als gutes Omen bezeichnet werden konnte. Weinmacher Jimmy Saxer kam beim ersten Schluck ins Schwärmen, weil der Wein wiederum die geschätzten, ganz besonderen Noten aufwies.
Normalerweise verzeichnet man bei einem Barrique dank des durch das Holz ermöglichten Gasaustausches einen Schwund von 3 bis 4 Prozent pro Jahr. Diese Entwicklung wird im Erdreich auf ein Minimum unterbunden und liegt noch bei 0,5 bis 0,75 Prozent. Die Beurteilung der anwesenden Gäste fiel hervorragend aus.
Es ist zur Tradition geworden, dass jeder Erdwein eine Patenschaft erhält. So auch der von 2020. Nadine Läderach aus Pfyn als Gotte und Beat Meili aus Dettighofen als Götti haben diese Rolle übernommen. Zudem wird Jimmy Saxer wiederum drei Barrique-Fässer vergraben, wo sie bis 2025 tief unter Erde schlummern werden.

