Neue Landbaumethoden, vor allem Regenerative Landwirtschaft, aber auch Agroforst, sind aktuell in aller Munde. Nicht, dass ich etwas gegen diese neuen Produktionssysteme habe, im Gegenteil, ich begrüsse diese sehr! Doch frage ich mich, wie viel daran wirklich so grundsätzlich neu ist.
Bei all dem geht es um biologische Prozesse. Bäume erhöhen das Photosynthese-Potenzial von Flächen in die dritte Dimension (in die Höhe), tragen durch ihr Holz zur CO2-Senke bei und beeinflussen das Mikroklima. Anders im Boden: Die Bodenorganismen möchten gefüttert werden, was wiederum durch die Photosynthese via Pflanze und Wurzelexsudat in Form von Zucker an den Boden und die Bodenlebewesen geht. Diese Leistung kann nur durch eine möglichst durchgehende Begrünung erbracht werden. Der Grundsatz, dass nur eine grüne und somit im Wachstum stehende Pflanze diese Leistung erfüllen kann, leuchtet ein. Auch Untersaaten, Mischkulturen und angepasste Bodenbearbeitung können diese positive Funktion erfüllen und tragen zum Wohle der Bodenorganismen bei.
Grundlage und Technik aufeinander abstimmen
Es handelt sich somit nicht um neuen Hokuspokus, sondern um bekannte Prozesse, welche Inhalt einer guten Agrarpraxis sein sollten. Davon sind leider viele in Vergessenheit geraten oder wurden aus Gründen der Effizienz weggelassen. Aktuell bestehen die Aufgaben darin, diese biologischen Prozesse und unsere Produktionssysteme mit der Technik, von der Saat bis zur Ernte und zur allfälligen Trennung in der Annahmestelle, wieder aufeinander abzustimmen.
Dies im Bewusstsein, dass sich Bewirtschaftungssysteme schon immer der aktuellen Zeit angepasst haben. Als Grünlandbetrieb mit Milchwirtschaft und Mostobstanbau betreibe ich den Obstbau in einem althergebrachten Agroforstsystem, dem klassischen Obstgarten. Auch dieses System hat sich verändert und schlussendlich muss es für den Betrieb passen.
Es gibt nie nur das eine oder das andere
Es ist eine machbare Aufgabe, welche wir anpacken müssen. Wichtig ist jedoch, dass wir nicht von einem Extrem ins andere fallen. Sobald neue Produktionssysteme so quasi als «alleinige Wahrheit» daherkommen, ist meines Erachtens Vorsicht geboten, damit wir das Ganze nicht einfach mit neuen Scheuklappen starten. Es gibt nie nur das eine oder das andere. Wenn die natürlichen Prozesse, welche dahinterstecken, verstanden worden sind, werden die Bewirtschafter(innen) im richtigen Moment die agronomisch richtigen Entscheidungen treffen, welche Elemente aus verschiedenen Systemen enthalten können. Von Regenerativer Landwirtschaft über Direktsaat bis hin zum altbewährten Pflug.
Im richtigen Moment das Richtige mit dem richtigen Gerät und den richtigen Einstellungen tun. Die Grundlage dazu bilden Wissensvermittlung, Bildung und vor allem der Erfahrungsaustausch. Das System Boden verstehen und «mit dem Boden denken» bringt uns weiter.
Zur Person
Peter Schweizer aus Hosenruck SG ist Landwirt und Co-Präsident von Bio Ostschweiz. Er schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

