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Schweinefleisch: «Der Importanteil ist verhältnismässig gering»

Die Importzahlen von Schweinefleisch aus Deutschland sind begründet. Über die jeweiligen Produktionsunterschiede sollte der Konsument dennoch Bescheid wissen. Ein Überblick.

Stefan Flückiger, Geschäftsführer Agrarpolitik Schweizer Tierschutz (STS), sieht das Problem des Imports von Schweinefleisch aus Deutschland nicht primär in der Import-­Menge, sondern in der Produktionsweise. «Das fast ausschliesslich konventionelle Schweinefleisch stammt aus einem Land, wo industrielle Produktionsbedingungen herrschen, die als tierquälerisch bezeichnet werden müssen», so Flückiger. Die BauernZeitung hat die wichtigsten Parameter der Schweinehaltung von Deutschland und der Schweiz einander gegenübergestellt, um die Unterschiede aufzuzeigen (siehe Details in der Tabelle).

Schweiz

Deutschland

Betäubungslose
Kastration

Verboten.

Ab Januar 2021 verboten.

Schwanzkupieren

Verboten.

Die Massnahme darf bis zum dritten Lebenstag betäubungslos durchgeführt werden, wenn auf dem Betrieb Schwanzbeissen auftritt und alle anderen Massnahmen des Landwirts, das Schwanzbeissen zu verhindern, bislang erfolglos blieben. In der konventionellen Praxis wird diese Ausnahmemöglichkeit jedoch flächendeckend genutzt.

Zähne kürzen

Das Abkneifen der Eckzähne ist verboten. Abschleifen ist zwar erlaubt, aber nicht empfohlen.

Abschleifen der Eckzähne zur Verletzungsprävention der Wurfgeschwister bzw. des Gesäuges der Sau ist erlaubt. Das Abkneifen mit einer Zange ist verboten.

Liegebereich

Liegebereich muss weitgehend unperforiert sein.

Vollspaltenboden ist erlaubt.

Beschäftigungs-
material

Schweine müssen sich zu jeder Zeit mit Stroh oder Raufutter beschäftigen können.

Vorgeschriebenes Beschäftigungsmaterial muss kau-, untersuch- und bewegbar sein. Etabliert haben sich dabei Metallketten oder Jutesäcke. Kein Stroh oder Raufutter vorgeschrieben.

Kastenstände

Verboten.

In Deutschland wird die Sau etwa eine Woche vor dem Abferkeln im Kastenstand eingestallt. Dort bleibt sie während der gesamten Säugezeit (21–28 Tage). Im Juli 2020 beschloss der Deutsche Bundesrat eine Änderung der Nutztier-Tierschutzhaltungsverordnung. Somit soll die Fixationsdauer auf fünf Tage rund um den Geburtszeitraum verkürzt werden. Die Übergangsfrist liegt bei 15 Jahren.


Die Lage in Deutschland

In der Schweiz sank nach einer neunmonatigen Preisstabilität der Preis von Fr. 4.60 pro kg Schlachtgewicht (SG) auf Fr. 4.10 pro kg SG. Auch in Deutschland befinden sich die Schweinepreise auf einem Tiefpunkt. Grund dafür ist unter anderem das Exportverbot, welches China gegenüber Deutschland aufgrund des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verhängt hat. Ein weiterer Grund des Rekord-Tiefpreises von 1,19 Euro pro kg SG ist der sehr hohe Selbstversorgungsgrad von 115 %, erklärt Raphael Helfenstein von Suisseporcs. «Die Kombination der ASP und der Pandemie sind für den deutschen Schweinemarkt äusserst ungesund», beobachtet Helfenstein. Im Agrarbericht 2020 wird erklärt, dass für einen funktionierenden Markt eine gewisse Importkapazität vorhanden sein sollte. Diese fehle bei einem Selbstversorgungsgrad von über 100 % natürlich, so Helfenstein. Somit haben in dieser Situation auch kleine Änderungen bei Produktion und Verbrauch eine grosse Bedeutung. Auch die Reaktionsfähigkeit des Marktes ist aufgrund der hohen Marktsättigung stark eingeschränkt und so kommt es, dass der Preis stark absackt.

Das sagen Migros und Coop dazu

«Die Migros deckt den Bedarf an Schweizer Schweinefrischfleisch zu fast 100% mit Schweizer Tieren ab und wird weiter auf Schweizer Schweinefleisch setzen, so lange die Verfügbarkeit gewährleistet ist», heisst es beim Detailhändler. Die Migros greife nur in Ausnahmesituationen und bei besonders hoher Nachfrage auf Importware zurück. Dies sei dieses Jahr aufgrund von Corona geschehen. Gemäss der Migros mussten dieses Jahr alle Detailhändler auf Importware zurückgreifen. Aktuell habe sich die Situation wieder normalisiert. In den Vorjahren belief sich der Importanteil bei der Migros zwischen 0.2 bis 0.5 Prozent. Auch Coop äussert sich gegenüber der Thematik: «Schweizer Fleisch hat für Coop einen hohen Stellenwert und beträgt beim Schweinefleisch unserer Eigenmarken im Normalfall nahezu 100%. Die marginale und kurzzeitige Ergänzung unseres Sortiments mit 2% importiertem Schweinefleisch war lediglich der hohen Nachfrage während der Pandemie geschuldet, die das Schweizer Angebot überstieg. Aktuell erholt sich die Situation und wir können bald wieder vollumfänglich auf Schweizer Schweinefleisch setzen». Gemäss der Proviande importiert niemand in grossen Mengen billiges ausländisches Fleisch für den Detailhandel. In der Charcuterie und den Wurstwaren verarbeitetes ausländisches Fleisch sei aber nicht quantifizierbar, so die Proviande.

In Zahlen...

4,59 Fr./kg SG ist der Durchschnittspreis für Schweizer QM-Schweine 2020. Die Produktionskosten sind laut Agridea gleich hoch.

1,29 Fr./kg SG beträgt der Preis in Deutschland (1,19 Euro) bei 1,60 Euro Produktionskosten.

10,91 Franken bezahlt man beim Discounter Lidl für 700 g Schweinskotelett in der Schweiz.

4,32 Franken (3,99 Euro) kosten 700 g Schweinskotelett bei Lidl in Deutschland.

1,94 Franken (pro 100 g) kostet Bratspeck deutscher Herkunft in der Schweiz (2,53 Schweizer-Speck).

Hier finden Sie das Interview mit dem Suisseporcs Präsident Meinrad Pfister über Schweinefleisch-Importe aus Deutschland und die Gründe dahinter.

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