Im Informationsteil der Veranstaltung, die am 4. November im Wülflingen stattfand, ergriff zuerst Hanspeter Kern, Präsident des Dachverbands Schweizer Milchproduzenten (SMP), das Wort. Er stellte fest, dass Butterimporte bei einer etwas tieferen Milchproduktion und höheren Absätzen nötig und sogar unerlässlich sind und waren.
Umstrittene Kennzeichnung von Importbutter
Seit Anfang Jahr wurden 1300 Tonnen Butter weniger produziert. Gleichzeitig wurden die Exporte gegenüber dem Vorjahr um 40,9 Prozent gesteigert, das sind 241 Tonnen. Um den gesamten Inlandbedarf an Butter von jährlich 45'000 Tonnen zu decken, sind deshalb – inklusive der Zollkontingente – bis anhin rund 3300 Tonnen Butter importiert worden. Diese Situation ist für Kern wegen der Ausrichtung der Milchverarbeitung in der Schweiz keine Überraschung. «Butter ist im Prinzip ein Abfallprodukt», sagte Kern. Erfreut zeigte er sich darüber, dass ein Teilziel der SMP erreicht wurde: Die Butterpreise konnten Mitte Jahr an der Ladenfront angehoben werden, was auch zu einem Mehrwert in der Produktion führte.
Zu heftigen Diskussionen führte aber die Kennzeichnung der importierten Butter, die ebenfalls Interventionen nötig machte. Kern machte deutlich, dass über Importbutter keine Verwässerung der inländischen Koch- und Tafelbutter erfolgen darf. Zudem legte er dar, was die Branchenorganisation Milch (BOM) unternimmt, um mehr Fett im Inland zu behalten. Dieses Ziel soll mit einem Umbau des Fonds für die Rohstoffverbilligung erreicht werden.
SMP macht auf sozialen Medien mobil
Während des Lockdowns haben die SMP mit grossem Erfolg in die Sozialen Medien investiert. Mit der Kampagne «Küche statt Sofa» sind während des Lockdowns wertvolle und zahlenmässig sehr hohe Kontakte entstanden. «Unser Zielpublikum sind bei einer solchen Kampagne nicht die Bergler, sondern die Bewohner in den urbanen Zentren wie Zürich, Bern, Basel oder Genf», sagte Hanspeter Kern. Mit dieser Antwort reagierte er auf die teilweise geäusserte bäuerliche Kritik an dieser Kampagne.
Erfreuliche Entwicklung im Käsemarkt
VMMO-Geschäftsführer Markus Berner wies mit Blick auf die tiefen und immer noch sinkenden Butterlager darauf hin, dass aktuell 392 Tonnen Butter an Lager liegen und wöchentlich 450 Tonnen produziert werden. Die Milchproduktion im konventionellen Kanal liegt etwa auf dem Vorjahresniveau, während die Biomilchproduktion ein Wachstum zeigt. Sie liegt aktuell mit einem Plus von 6221 Tonnen rund 3,5 Prozent über dem Vorjahreswert.
Laut Berner entwickelt sich auch die Käseproduktion sehr erfreulich. Im laufenden Jahr konnte die Produktion von Sortenkäse um 1488 Tonnen gesteigert werden. Bei den übrigen Käsen wurde ein Wachstum von 6,5 Prozent verzeichnet. Insgesamt stieg die Käseproduktion in den ersten acht Monaten dieses Jahres um ein Prozent.
Die von Berner präsentierten Importzahlen lassen aufhorchen. Gesamthaft wurden seit Anfang Jahr 48'608 Tonnen Käse importiert. Das entspricht einem Plus von 13,1 Prozent. Zugleich stiegen die Einfuhren beim Frischkäse und Quark um zwölf Prozent an. Dies begründet Berner damit, dass viele Schweizer Detaillisten diese im Einkaufstourismus beliebten Käsearten während des Lockdowns mit geschlossenen Grenzen bewusst in den eigenen Regalen angeboten haben.
Politische Arbeit wird anspruchsvoller
«Wir werden auch weiterhin die Interessen unserer Mitglieder konsequent vertreten», versicherte Hanspeter Egli, Präsident der VMMO. Dazu gehören die Pflege von intensiven Kontakten und die sehr wichtige Medienarbeit. Nach den letzten eidgenössischen Wahlen ist die Politik im Parlament grüner und ökologischer geworden. Entsprechend funktionieren laut Egli bewährte frühere Seilschaften weniger gut. Die Interessenvertretung werde auch mit Blick auf die anstehende aber vorerst verschobene AP 22+ anspruchsvoller.
Mit Blick auf die anstehenden Abstimmungen rund um den Pflanzenschutz müssten Lehren aus dem Abstimmungskampf zum Jagdgesetz gezogen werden, sagte Egli weiter. Vor allem in den urbanen Gebieten müsse Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden. «Betroffen von diesen Initiativen sind all jene Bauern, welche in den besten Futterbaugebieten Milchproduzenten sind», so Eglis mahnende Worte.
Neubau in Elgg ist auf Kurs
Auf Kurs sind hingegen die Bauarbeiten im zürcherischen Elgg. Dort erstellt der VMMO das Gewerbe- und Wohnhaus Ziger-stock. Hanspeter Egli wies darauf hin, dass der VMMO auch dem Betriebs- und Familienhelferdienst finanzielle Unterstützung gewährt. Im laufenden Jahr sind für 116 Einsätze 67 950 Franken gesprochen worden.

