Es klopft an der Rückwand des Marktstandes. Aus dem Inneren ruft eine fröhliche Stimme: «Ich weiss schon, wer da ist! Zeigt euch!» Die Stimme gehört Maja Nefzger von Rickenbach SO. Sie unterstützt seit vielen Jahren Ursula und Walter Salathé vom Neuhof in Rickenbach SO am Backwarenstand. Diese Episode zeigt die Atmosphäre, die am «Gälterkinder Samschtigsmärt» herrscht: Der Markt ist klein und fein, dafür die Stammkundschaft gross.
Gründung erfolgte vor neun Jahren
Texas-Longhorn-Züchter Urs Weiss aus Buus BL fährt seit der Gründung vor neun Jahren jeden Samstag – ausser im Januar – an die lauschige Alleestrasse, wo tatsächlich noch reihenweise Bäume stehen. Seit vier Jahren ist er Präsident des Vereins «Bauernmarkt Gelterkinden», so der offizielle Name auf der Website der Gemeinde, der von Bäuerinnen gegründet wurde. Er lacht: «Wir wissen morgens nie, wie viele Stände besetzt sein werden, weil es Mitglieder gibt, die an regnerischen Tagen nicht kommen mangels eines Daches über dem Stand.»
Die Kundschaft kommt auch bei Regenwetter
Dafür würde die Stammkundschaft, zu denen auch der ehemalige Schulleiter der Landwirtschaftlichen Schule Ebenrain, Robert Wenger, und seine Frau Margrit gehören, stets erscheinen. Wenn Kunden in die Ferien verreisen oder samstags an einem Anlass teilnehmen, würden sie sich sogar abmelden. Kürzlich hat Kerstin Rüttimann, die zusammen mit ihrem Partner Kurt Willi den «Naturkiosk Buusner Egg» betreibt, den Gemüsestand übernommen. Bis jetzt hätten sie keine Probleme gehabt, Nachfolger zu finden für Anbieter, die den Markt aufgaben, erzählt Urs Weiss. Quasi als Beweis stellen sich zwei junge Männer aus dem Dorf bei ihm vor, die gerne die Kaffeestube übernehmen würden. Sie hätten gesehen, dass diese verschwunden sei. Vor Corona betrieben die Vereinsmitglieder den Stand selbst. Der Präsident verrät, dass sie nach dem Lockdown «irgendwie» wegen der vielen Vorschriften Hemmungen hatten, wieder Kaffeetische hinzustellen. Wenn jetzt aber diese jungen Leute bereit wären, die Kaffee-Ecke fachkundig zu betreiben, gäbe das dem Märt Aufwind. Immer wieder sei er nämlich angefragt worden, weshalb man in der Alleestrasse nicht mehr «käffele» könne. Schliesslich sei es Tradition, nach dem Einkaufen noch gemütlich zusammenzusitzen.
Textilien erhalten ein zweites Leben
Die Recyclingfrau Brigitt Kestenholz, die sich selbst als «Recyclingfrau» bezeichnet, konnte am lvoretzten Samstag angesichts des nassen Wetters ihren Stand nicht öffnen, weil er über kein Dach verfügt. Aber sie besuchte ihre «Kamerädli» und kaufte ein. Bei trockenem Wetter bietet sie Textiles an unter dem Motto «Aus Alt mach Neu». Dank Umgestaltung und Wiederverwendung kreiert sie peppige und poppige Taschen in allen Grössen und verschiedenen Formen. Alte Leinenstoffe haben es ihr angetan. Sie gestaltet Stillleben aus Naturmaterialien und aus recyceltem Papier und schafft aus «Zauberstoffen» Schmuck und Skulpturen.
Wasser und Geld sparen im Alltag
Am vorletzten Samstag betrieb die Biologin Annemarie Spinnler mit einigen Kolleginnen einen Stand zu einem hoch aktuellen Thema. «Seit gut 20 Jahren gibt es den Aquaclic-Wassersparer für Wasserhahn und Duschen», sagte sie, «aber er muss noch bekannter werden.» Die Lehrerin weiss, wovon sie spricht und fährt fort: «In Gelterkinden besuchen mehrere hundert Kinder und Jugendliche die Primar- und Sekundarschule und waschen sich in der heutigen Situation täglich rund sechs bis zehn Mal die Hände. Den Kindern und ihren Eltern müssen wir zeigen, was wir mit so einem Sparventil, das jede Frau, jeder Mann einfach einsetzen kann, erreichen können,» sagt sie und erklärt, wie jede Person einen einfachen, konkreten Umweltschutzbeitrag leisten und dabei Geld sparen kann. An einem Demobrunnen zeigten Annemarie Spinnler und ihre Mitstreiter den Unterschied von üblichem Duschbrausen-Ausstoss von zwölf bis 18 Litern pro Minute gegenüber dem Ausstoss von acht oder sechs Litern bei Aquaclic-Brausen. Ein Interessent meinte, wenn er dusche, wolle er das spüren, das brauche doch einen gewissen Wasserdruck. Die Mitglieder der Arbeitsgruppe verrieten, dass sie Duschköpfe und Strahlenregler zu Hause ausgewechselt hatten und ihre Familien dies kaum bemerkten.
Das Trinkwasser wird knapper
In der Nachbargemeinde Ormalingen BL hat der Gemeinderat diese Woche zum Wassersparen aufgerufen, weil der Ertrag der Quellen rückläufig und die Grundwassernutzung eingeschränkt sei. «Dies ist erst der Anfang», ist Claudia Vetterli überzeugt, «weitere Gemeinden werden, ja müssen, folgen.»
Weitere Infos zum Markt
Der Bauernmarkt Gelterkinden findet jeweils am Samstag von 8 bis 12 Uhr in der Allee (Ecke Allmendstrasse, Poststrasse) statt. Der Markt ist privat organisiert von Urs und Daniela Weiss-Jost, Texas-Longhorn-Ranch, Eigenried 36, 4463 Buus, Tel. 061 841 15 42 oder 079 685 16 56; E-Mail: info@texaslonghorn.ch

