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Pierre-André Pittet zur Zukunft des Grünen Teppichs: «Das Ziel ist unverändert»

Für Pierre-André Pittet ist klar, dass bis in vier Jahren alle Milchproduzenten den Branchenstandard erfüllen müssen. Der SMP-Vizedirektor ist aber zuversichtlich, dass das keine allzu grossen Probleme machen wird.

Seit September 2019 ist der Branchenstandard für nachhaltige Schweizer Milch im Markt. Beteiligt an dessen Entwicklung waren die Milchproduzenten ebenso wie die Milchverarbeiter. Pierre-André Pittet von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) betont, dass die Umsetzung zwar funktioniert, aber noch nicht in allen Details zufriedenstellend ist.

Seit September ist der Branchenstandard für nachhaltige Schweizer Milch im Markt. Sind Sie zufrieden mit der Einführung?

Pierre-André Pittet: Seit der Lancierung am 1. September 2019 haben sich 75 bis 80 Prozent der Molkereimilchproduzenten angemeldet. Das ist in der kurzen Zeit ein grosser Erfolg. Wir sind sehr zufrieden. Um die Umsetzung zu unterstützen, haben wir verschiedene Elemente der Marketing-Kampagne auf die Marke Swissmilk Green ausgerichtet. Ein Ladencheck hat jetzt ergeben, dass im Detailhandel die Preise für zahlreiche Produkte der weissen Linie sowie bei einigen Käsen aus Molkereimilch erhöht wurden. Schön ist auch, dass bereits ausgezeichnete Produkte in den Läden verkauft werden. Wir bedanken uns dafür bei Volg, Manor, Coop, Emmi und Baer. Die Milchproduzenten freuen sich bereits auf die Lancierung weiterer Produkte unter der Marke Swissmilk Green. Ein erster Raclette-Käse, ausgezeichnet mit Swissmilk Green, das wäre noch was.

Wie sieht es mit der Auszahlung des Nachhaltigkeitszuschlages aus?

Von 16 Erstmilchkäufer haben im Oktober zehn den Nachhaltigkeitszuschlag fast vollständig an die Produzenten ausbezahlt. Zwei haben einen Teil des Zuschlages umgesetzt und bei vier ist der Nachhaltigkeitszuschlag noch nicht umgesetzt.

Hat sich der Aufwand aus Sicht der SMP gelohnt?

Ja, der Aufwand hat sich sehr gelohnt. Ohne die Einigung unter den Milchproduzenten im 2018 und ohne deren Vorschlag an die Branchenorganisation Milch, wären wir heute Meilen von einer Branchenlösung entfernt. Die Branche hat nun eine viel bessere Grundlage für die Differenzierung von Schweizer Milch und Milchprodukten und das zusätzliche Ertragspotenzial für die Milchproduzenten ist in absoluten Zahlen beträchtlich. In der Gesamtbilanz bleibt leider noch die Hypothek, dass es die Branche verpasst hat, den Nachhaltigkeitszuschlag mit der Nutzung der Marke Swissmilk Green auch für den Export von Produkte aus Molkereimilch (gelbe und weisse Linie) obligatorisch zu erklären. In dieser strategisch wichtigen Angelegenheit hat die Branche aus meiner Sicht keine gute Entscheidung getroffen.

Produzenten monieren, der Grüne Teppich erhöhe die Anforderungen, ohne dass die Preise merklich steigen würden. Was sagen Sie dazu?

Klar sind die Anforderungen an die Milchproduktion mit dem grünen Teppich gestiegen. Wir stellen aber auch mit Freude fest, dass die Molkereimilchpreise im September deutlich gestiegen sind. Trotz Preisrückgang in der EU konnten die Preise für A-Molkereimilch gegenüber dem Vorjahr um 3,86 Rappen auf 67,67 Rappen gesteigert werden. Der Nachhaltigkeitszuschlag war dabei der entscheidende Faktor, unterstützt durch die tieferen Milchmengen.

Die Preisdifferenz zwischen Auszahlungs- und Richtpreis ist gross. Macht der Grüne Teppich die Umsetzung der Richtpreise noch schwieriger?

Nein, der grüne Teppich ist dabei keine zusätzliche Schwierigkeit. Der Zuschlag gilt nur für die A-Molkereimilch, da können die Preise am Markt grossmehrheitlich erhöht werden. Die Problematik von nicht umgesetzten Richtpreisen bleibt unverändert, einfach jetzt auf einem um drei Rappen höheren Niveau.

Vorgesehen ist, die Massen-bilanz in vier Jahren mit einer Warenflusstrennung abzulösen. Warum nehmen Sie in Kauf, dass Produzenten, die den Standard nicht erfüllen, voraussichtlich keine Milchabnehmer mehr haben werden?

Das Ziel der Branche und der SMP ist unverändert: Alle Milchproduzenten erfüllen mittelfristig den Branchenstandard und erhalten dafür den Nachhaltigkeitszuschlag. Wie viel Milch diese Hürde in vier Jahren nicht schafft, ist heute unbekannt. Der Markt wird entscheiden, ob diese Milch Abnehmer findet oder nicht. Es ist klar, dass eine getrennte Milchsammlung sehr teuer ist. Auf der Datenbasis 2018 erfüllen immerhin 91 Prozent der Kühe die kritischen Anforderungen des Grünen Teppichs.

Die Branche hat bereits eine Arbeitsgruppe für die Weiterentwicklung des Teppichs eingesetzt. Wo besteht Ihrer Meinung nach Handlungsbedarf?

Zuerst müssen wir die erste Phase nun fertig umsetzen. In nächster Zeit wird aber die Agrarpolitik 2022+ den grünen Teppich sicher etwas prägen. Aus heutiger Sicht sehen wir bei der Weiterentwicklung Potenzial, vor allem bei der Förderung des Anteils von einheimischem Raufutter, der Begrenzung des Kraftfutters und bei Massahmen in Bezug auf Energie und Klimaschutz.

Die heute zentralen Themen Tierwohl, Tiergesundheit sowie soziale- und wirtschaftliche Aspekte auf den Milchproduktionsbetrieben bleiben zentral. Die Milchproduzenten und ihre Familien brauchen zwingend nachhaltige Zukunftsperspektiven.

Dieses Interview wurde schriftlich geführt.

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