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Die Forstwirtschaft braucht mehr Unternehmergeist, um zu profitieren

Um das Rundholz besser zu vermarkten, müssen Forstbetriebe und Sägereien effizienter und unternehmerischer werden. Und vor allem bei Verkauf und Marketing zulegen.

Der Schweizer Holzwirtschaft steht eine glänzende Zukunft bevor. Schon jetzt boomt das Bauen mit Holz, und die Nachfrage werde auch künftig weiter rasant steigen, ist Hansjörg Steiner von Holzbau Schweiz überzeugt. Die Holzbaubranche sei sehr gut aufgestellt, professionell, effizient, technisiert und habe auch in Bildung und den Nachwuchs investiert.

Unternehmergeist fehlt

Anders sehe das bei den anderen Gliedern der Holzkette aus, nämlich bei der Wald- und Forstwirtschaft und vor allem bei der Sägereibranche, meinten selbstkritisch Ruedi Bachmann von Wald Zug und Thomas Troger von Wald Schweiz an einem Podium in Seewen SZ (siehe Kasten). «Die Säger verstanden zwar ihr traditionelles Handwerk, aber wenig von Verkauf und Marketing. Sie waren zu wenig effizient und verpassten auch die technische Entwicklung im Holzbau. Das nutzten die Holzbauer aus, konnten den Preis für Schnittholz drücken oder auf billigen Import ausweichen. Das spürten wiederum die Waldeigentümer», analysierte Bachmann die jetzige Strukturschwäche der Rundholzverarbeiter.

Aber auch der Forstwirtschaft fehle es an Unternehmergeist, an Betriebswirtschafts- und Marketingkenntnissen und an Verhandlungsgeschick beim Holzverkauf. Und es sei zu wenig in die Ausbildung investiert worden, bedauerte Troger. Mit der Konsequenz, dass es sowohl bei den Sägern wie bei den Forstbetrieben an Nachwuchs fehle und die Arbeitsbedingungen unattraktiv seien. «Ganz im Gegensatz zum Holzbau, welcher die Hausaufgaben gemacht hat.»

Zurück zur Regionalität

In der Tat hätten sie es in derVergangenheit sehr bequem gehabt und von den tiefen Preisen profitiert, bestätigte Steiner. Die Holzbauer hätten sich auchlange wenig um den Rohstoff kümmern müssen, und auch Regionalität sei kaum ein Thema gewesen.

Das hat sich seit Frühling letzten Jahres markant geändert. Explodierende Preise für Bauholz, das zu rund 70 Prozent aus dem Ausland stammt, und grosse Lieferschwierigkeiten hätten sie sehr aufgeschreckt und viele Betriebe in Bedrängnis gebracht. Das führe nun auch zu einer Rückbesinnung auf regionale Lieferanten und den Fokus auf Schweizer Holz, das von immer mehr Bauherren explizit verlangt werde.

Erste positive Preissignale

Damit auch die Waldeigentümer, Forstbetriebe und die Sägereibranche von der stark anziehenden Nachfrage profitieren könnten, brauche es noch grosse Anstrengungen in den eigenen Reihen, meinte Florian Landolt von Wald Schweiz.

Von den rasant steigenden Preisen seit Mai 2020 hätten nämlich die Waldeigentümer zu lange zu wenig gemerkt. Kommunikationsleiter Landolt wies darauf hin, dass es viele Medienanfragen bei Wald Schweiz zur turbulenten Marktlage gab, aber trotz Erklärungen noch immer vielen Leuten nicht bewusst sei, dass sich die Rundholz- und Bauholzpreise nicht parallelentwickeln. Zwar gab es in den letzten Monaten auch für die Waldeigentümer endlich einige Lichtblicke, wurden doch die Preise um rund 20 bis 25 Prozent angehoben, allerdings aus einem rekordtiefen Niveau. Von 2007 bis 2020 seien die Preise fast stetig gesunken. Rundholz gilt immerhin wieder so viel wie 2014. Von den guten Preisen der 1990er-Jahre sei man noch meilenweit entfernt, erklärte auch Ruedi Bachmann. Immerhin sei man nun im Bereich knapp kostendeckender Preise, noch fehlten aber Mittel für nötige Investitionen oder dass man überhaupt im Wald etwas verdiene.

Holz ist ein Premiumprodukt

Es müsse endlich erkannt werden, dass Holz nicht einfach ein Rohstoff, sondern ein Premiumprodukt mit einer grossen Zukunft sei und deshalb mehr Wert sein müsse. Der Markt sei durchaus in der Lage, für Rundholz vernünftige Preise zu zahlen, bestätigte Hansjörg Steiner. «120 Franken pro m3 wären überhaupt kein Problem.» Er habe viel mehr Angst davor, dass die wachsende Nachfrage gar nicht gedeckt werden könne. «Die Säger können derzeit gar nicht liefern, was gefragt wäre.» In der Tat sei heute die Sägereibranche viel zu wenig leistungsfähig, bestätigten auch Bachmann und Troger.

Höherer Preis – mehr Holz

Im Wald hingegen liegt noch viel ungenutztes Holz, es wird viel weniger geschlagen (schweizweit rund 5 Mio m3) als nachwächst (10 Mio m3). Mit faireren Preisen für Waldeigentümer würde das Angebot rasch steigen. Befürchtet wurde allerdings auch, dass die Holzabnehmer bei sich global beruhigender Marktlage wieder auf Importholz ausweichen. Das bezweifelte Hansjörg Steiner, denn der Trend zu Schweizer Holz sei nachhaltig.

Besser vermarkten

Es wurden auch mögliche Lösungen diskutiert, wie die stockende Wertschöpfung in der Holzkette verbessert werden könnte: Professionellere Organisationsstrukturen bei den Waldeigentümern, mit Bündelung von jährlich 100 000 m3 Holz. «Dann hätten wir als Verkäufer eine ganz andere Marktmacht», meinte Troger. Mit Diversifizierung näher zu den Kunden, beispielsweise indem Waldeigentümer sich an Sägereien beteiligen oder selber in mobile Sägereien investieren. Den Sägern wurde geraten, auf neue Produkte für den modernen Holzbau zu setzen, damit man weniger auf Importe angewiesen sei. Positive Beispiele sind die grossen Sägereien Schilliger Haltikon und Tschopp Buttisholz, welche in grossem Stil in Leimplatten investieren und die Verarbeitungskapazitäten massiv erhöhen.

Mehr zusammenarbeiten

Die Holzindustrie sollte mehr auf Schweizer Rohstoffe setzen, welche man in der Vergangenheit vernachlässigte, statt zu jammern und zu kritisieren, wenn wie derzeit deutsche Einkäufer hierzulande Buchen und Eichen beziehen, meinte Troger. «Die ganze Holzkette sollte mehr zusammenarbeiten, statt wie bisher Einzelinteressen zu verfolgen.»

Netzwerk Wald

Unter dem Stichwort Netzwerk Wald sollen künftig weitere Veranstaltungen von Wald Schweiz stattfinden, um die Wald- und Holzbranche besser zu vernetzen, die gesamte Wertschöpfungskette zu stärken. «Wohin geht der Holzpreis? – Die Sicht der Waldeigentümer und Holzbauer.» So lautete das Thema der ersten Veranstaltung, zu dem Wald Schweiz und die kantonalen Waldeigentümerorganisationen der Zentralschweiz zu Strüby Holzbau nach Seewen geladen hatten. Unter der Leitung von Florian Landolt, Bereichsleiter Kommunikation und Politik bei Wald Schweiz, diskutierten Hansjörg Steiner, Präsident Holzbau Schweiz, Ruedi Bachmann, Geschäftsführer Wald Zug, und Thomas Troger, Direktor von Wald Schweiz. Nicht auf dem Podium war ein Vertreter der Sägereien, wo offensichtlich der grösste Handlungsbedarf besteht. In einer Folgeveranstaltung sollen die Säger dann ihre Sicht darlegen können, versprach Landolt.

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