Immer mehr Schweizer Betriebe stellen auf biologischen Landbau um. Das spürt auch Bio Ostschweiz, der Verein der Thurgauer und St. Galler Biobauern. «Wir haben jedes Jahr um die 20 Neu-Umsteller», berichtete Co-Präsident Peter Schweizer an der Hauptversammlung am Dienstag in Homburg.
2020 zählt Bio Ostschweiz 795 Mitglieder. Davon sind 23 im ersten und 25 im zweiten Umstellungsjahr. Grundsätzlich sei dies eine erfreuliche Entwicklung, meinte Schweizer. «Aber langsam wird’s auf dem Markt knapp für gewisse Produkte.» Aus diesem Grund stand am Nachmittag das Thema Märkte im Fokus.
Das war die HV in Kürze
Die statutarischen Geschäfte gaben am Vormittag kaum Anlass zu Diskussionen. Dieses Jahr standen im Vorstand von Bio Ostschweiz Gesamterneuerungswahlen an. Die beiden Co-Präsidenten, Sepp Sennhauser (SG) und Peter Schweizer (TG), stellten sich für eine weitere Amtsperiode von vier Jahren zur Verfügung. Sie wurden, wie die übrigen Vorstandsmitglieder, einstimmig bestätigt. Damit ändert sich im Vorstand personell nichts.
Änderungen gibt es hingegen bei den Bio-Suisse-Delegierten. Ihren Rücktritt hatten Katharina Zuberbühler und Heinz Brauchli eingereicht. Als Nachfolger wurden Bea Ammann und Dominic Engeler gewählt.
Die von Kassier Melchior Knaus präsentierte Jahresrechnung schloss mit einem Gewinn von 2700 Franken. Zum positiven Ergebnis trugen die Auflösung des Bio Milchpools und die Aktienerträge der Easy Cert Group AG bei. Auch dass 2019 kein Auftritt an der Wega stattfand, beeinflusste das Ergebnis positiv. Für dieses Jahr ist ein Verlust von 13’000 Franken budgetiert. Dies, weil 2020 mit höheren Ausgaben für Messeauftritte gerechnet wird. Offen ist im Moment, ob und wie viel Geld es von Bio Suisse dafür geben wird.
Fachgruppen bestimmen mit
Thomas Herren, seit letztem November Verbandskoordinator bei Bio Suisse, erklärte einleitend die Verbandsstruktur. Für die einzelnen Produktbereiche gibt es bei Bio Suisse Fachgruppen, in denen Biobauern sich organisieren und austauschen. Die Fachgruppe (FG) ist zuständig für die Festlegung von absatz- und preisrelevanten Branchenlösungen (z. B. Richtpreise). Sie berät Bio Suisse bei Richtlinienfragen und bei markt- oder produktionsbezogenen Fragen und vertritt die Knospe-Produzenten bei Branchengesprächen. Es gibt folgende Fachgruppen:
- FG Ackerkulturen
- FG Eier
- FG Fleisch
- FG Gemüse/Kartoffeln
- FG Kräuter
- FG Milch
- FG Wein
- FG Obst
- FG Zierpflanzen
Zusammen mit dem Vorstandsmitglied mit dem Ressort Markt und zwei Mitgliedern der Geschäftsstelle (ohne Stimmrecht) bilden die FG das Marktgremium. «Das Marktgremium hat Mitspracherecht bei der Entwicklung und Auslegung der Richtlinien für die Erzeugung, die Verarbeitung, den Handel, die Vermarktung und den Import von Knospe-Produkten», führte Herren aus. Bei den übrigen Richtlinien hat das Marktgremium eine beratende Funktion. Nicht ganz zu allen, aber doch zu einigen Bereichen gaben die in den Fachgruppen vertretenen Vereinsmitglieder von Bio Ostschweiz Auskunft.
Nischenkulturen sind gesucht
Bei den Ackerkulturen sind Mahlweizen, Körnerleguminosen und Nischenkulturen wie Hirse, Hülsenfrüchte, Raps und Soja gefragt. Gesucht sind auch Futterweizen und Körnermais. Allerdings sind dort die Richtpreise unter Druck, auch weil man nicht weiss, wie es mit den Richtlinien zur Wiederkäuerfütterung ab 2022 weitergeht. Bei Futtergetreide scheint die Sättigungsgrenze momentan erreicht. «Die Schwierigkeit bei den Preisverhandlungen ist, am runden Tischen mit allen Akteuren einen gemeinsamen Nenner zu finden», sagte Herbert Schär. Eine weitere Herausforderung sei, dass es bei gewissen Kulturen wie Dinkel nur einen kleinen Markt gebe, der rasch übersättigt ist.
Beim Gemüse, wo auch die Kartoffeln angegliedert sind, ist der Markt bei vielen Produkten gesättigt. Der Anbau empfiehlt sich nur in Absprache mit einem Abnehmer. Potenzial gibt es beim Frischgemüse, wo kleinere Mengen für die Direktvermarktung oder Spezialitäten (Spinat, Erbsen) gesucht sind.
Obst und Beeren legen zu
Hans Oppikofer, Vorsitzender der Fachgruppe Obst und Beeren, informierte, dass Birnen- und Mostobstproduzenten gesucht sind. Auf Äpfel, Kirschen oder Zwetschgen sollte nur nach Absprache mit den Lagerhaltern umgestellt werden. Als erfreulich beurteilt Oppikofer, dass der Bioanteil im generell kleiner werdenden Obstmarkt immer noch Wachstum verzeichnet.
Auch die Biobeeren legen zu, hier sind Produzenten gesucht. Diese sind bei Bio Ostschweiz im Bio Obstbauring organisiert. Weil in den Kantonen Thurgau und St. Gallen aber immer mehr Betriebe in die Biobeerenproduktion einsteigen, wurde der Wunsch geäussert, eine eigene Beerengruppe zu gründen. Angedacht ist ein «Ostschweizer Bio-Beeri Ring». Allerdings muss erst abgeklärt werden, ob eine Nachfrage dafür auch tatsächlich vorhanden ist.
Eiermarkt wächst weiter
Bei den Frischeiern ist der Bio-Marktanteil mit 27,6 Prozent schon sehr hoch. Die Nachfrage ist weiterhin steigend, Aufzuchtställe sind gesucht. Andreas Braun hielt fest, dass die IG Bio Ei eine reine Produzentenvereinigung ist und keinen Einfluss auf die Mengensteuerung hat. Im Eiermarkt gebe es wenige Player, «aber die reden miteinander».
Sorgen bereitet der Branche der Umgang mit den männlichen Küken. Die Bruderhahnmast, die einige Betriebe mittlerweile praktizieren, ist unrentabel. Auch Zweinutzungstypen sind laut Braun keine Lösung. «Das rentiert nicht.»
Zu viel Lamm- und Schweinefleisch
Ein ähnliches Problem, nämlich männliche Milchrassenkälber, die eigentlich niemand will, haben die Biomilchproduzenten. Mit dem Aldi Bio Weide Rind gibt es jetzt allerdings ein Programm für diese Tiere im Biokanal. Bei den anderen Bio-Weiderinder-Programmen gibt es nur noch vereinzelt Neuaufnahmen. Bio-Rinds- und Kalbfleisch sind aber grundsätzlich gesucht.
Bei Lamm- und Schweinefleisch übersteigt das Angebot die Nachfrage im Moment deutlich. Bei Poulet ist ein Ausbau erwünscht, neue Abnahmeverträge sind je nach Region möglich.
Wartelisten bei Milch
Auf dem Biomilchmarkt gibt es sechs Milchorganisationen, die einen oder mehrere Milchverarbeiter beliefern. «Es gibt pro Jahr zwei Milchmarktrunden, die Beschlüsse der Fachgruppe sind aber nicht verbindlich», erklärte Daniel Kalberer. Die Bio-Molkereimilchproduzenten beteiligen sich mit einer Abgabe von 0,2 Rp. pro Kilo Milch an den Marketingmassnahmen
Seit dem 1. Januar 2020 gibt es Wartelisten bei der Biomilch. Auf Anfang Jahr sind 155 Umstellerbetriebe mit zirka 23'000 Tonnen Milch hinzugekommen. Das entspricht laut Kalberer einer Zunahme von drei bis vier Prozent. Ohne Wartelisten läge das Plus bei rund acht Prozent. Auch für 2021 werden Angebotsüberschüsse erwartet: Um die 90 zusätzliche Produzenten mit zirka 14'000 Tonnen Milch. «Wenn wir keine Massnahmen ergreifen, wird sich die Situation zuspitzen», bemerkte Kalberer. Die Biomilchpreise sind im Moment aber immer noch recht gut.
Bio Aktuell zeigt eine Übersicht zur Marktsituation der verschiedenen Produktgruppen. Hier gehts direkt zur Übersicht.

