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Analyse: Es braucht weniger Sauen ­– daran führt kein Weg vorbei

Marktredaktor Hans Rüssli erklärt in seiner Analyse, wie der Schweinemarkt funktioniert. Da man von billigem Schinken nicht weniger satt wird, braucht es jetzt definitiv weniger Zuchtsauen.

2020 wird ein gutes und rentables Jahr für die Schweinehalter, daran ändert auch der Preisrückgang von 50 Rappen auf dem QM-Grundpreis seit Anfang November nichts mehr. Bis und mit Woche 47 im laufenden Jahr betrug der Durchschnittspreis für QM-Schlachtschweine ab Hof Fr. 4.56 je Kilo Schlachtgewicht. Das sind 22 Rappen mehr als im guten Jahr 2019. Und es sind sogar 81 Rappen je Kilo mehr als im schlechten Schweinejahr 2018. Auch die Züchter verdienten 2020 einen schönen Batzen. 2020 lag der Durchschnitts-Grundpreis für einen 20 Kilogramm schweren Jager bei Fr. 8.47, das ist fast ein Franken mehr als 2019.

Vorher arbeitete man gratis

Die besseren Preise und die daraus folgende Verbesserung der Einkommen waren für die Schweinehalter dringend nötig. Denn die Durchschnittspreise von 2015 bis 2018 mit Fr. 3.45 bis Fr. 3.78 deckten die Produktionskosten nicht. Oder, wenn man anders rechnet: die Schweinehalter arbeiteten gratis im Stall.

Lebensmittel sind kaum preiselastisch

Dass sich schlechte und gute Jahre abwechseln, daran sind sich die Schweinebauern gewohnt. Der Grund ist, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln eine geringe sogenannte «Preiselastizität» aufweist. Essen ist ein lebenswichtiger Grundbedarf, deshalb reagiert die Nachfrage unabhängig vom Preis. Das ist der Grund, weshalb die Preise für Grundnahrungsmittel schon bei einer geringfügigen Unterversorgung überproportional steigen. Das ist die gute Nachricht für Landwirte.

Man isst nicht mehr Schinken, weil er billig ist

Die schlechte Nachricht lautet, dass die Nachfrage leider bei einer Überversorgung des Marktes wenig oder gar nicht reagiert. Tiefere Preise für Schinken animieren, sobald man satt ist, nur noch bedingt zu Mehrkonsum. Der Schweinepreis kracht zu Boden, in den Läden türmen sich Aktionsangebote, aber der Konsum steigt trotzdem nicht. Billig hin, billig her, wenn man genug Schinken gegessen hat, ist man satt.

Der Schweinezyklus wird länger

Und damit wären wir beim Schweinezyklus. Schweinehalter Heiri reagiert auf Preissignale mit einer Verzögerung. Die Preise der Jager steigen und deshalb züchtet Heiri mit ein paar Zuchtschweinen mehr. Es rentiert gerade so gut! Von der Besamung dieser Schweine bis zur Schlachtung ihrer Nachkommenschaft dauert es 11 Monate. Bis dahin hat sich die Marktlage geändert, weil auch Heiris Kollegen mit einer Ausdehnung der Zucht auf die hohen Schweinepreise reagieren. Die Preise reagieren jedoch schnell auf eine Ausdehnung des Angebotes. Lange Zeit funktionierte der Schweinezyklus so, dass auf ein Jahr mit guten Preisen zwei Jahre mit tiefen Preisen folgten. Ab 2015 wurde aus dem 3-Jahres-Schweinezyklus plötzlich ein 6-Jahre-Schweinezyklus. Auf die vier Jahre 2015 bis 2018 folgten zwei Jahre mit besseren (2019) und guten (2020) Preisen.

Weniger Sauen, damit der Markt gesund bleibt

Parallel dazu steigt die Produktivität der Zuchtsauen unaufhaltsam an, dank der besseren Genetik und der grösseren Sorgfalt der Züchter. Produzierte eine Zuchtsau mit ihren Nachkommen 1994 noch 1400 Kilo Schweinefleisch, so sind es heute 2000 Kilo. Das bedeutet, es braucht alle Jahre 3000 Zuchtsauen weniger, damit der Markt gesund bleibt.

In den ersten drei Quartalen 2020 stieg die Schweinefleisch-Menge laut vorläufigen Zahlen um ein knappes Prozent an. Hohe Schlachtgewichte im Herbst erhöhten die Schweinefleischmenge. Prompt krachten die Schweinepreise um 50 Rappen je Kilo runter. Bis Ende Oktober hatte man ein Plus von 0,6 Prozent gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres. Laut Schweinezyklus kommt jetzt die Zeit der tiefen Schweinepreise. Müssen die Schweinehalter den Gürtel enger schnallen?

Es ist Zeit für weniger Zuchtsauen

Die Suisseporcs ruft dazu auf, die Zahl der Zuchtsauen zu reduzieren. Dazu hat sie den «Schweinebarometer» geschaffen, der von Oktober bis Januar auf rot steht. Rot heisst, jetzt muss der Zuchtsauenbestand reduziert werden. Aber denkt nicht jeder, mein Nachbar soll doch weniger Sauen halten, ich kann es mir das nicht leisten? Zwar sieht es aktuell nach einer stabilen Marktlage aus. Denn die verfügbare Fleischmenge beim Schwein liegt laut Proviande Ende September bei plus ein Prozent, das heisst, es wird leicht mehr Schweinefleisch gegessen. Langfristig gesehen sinkt der Konsum von Schweinefleisch. Hat man die Talsohle mit 21 Kilo je Kopf und Jahr erreicht? Das weiss man nicht. Jedoch ist seit Anfang August die Zahl der Mastjager-Einstallungen grösser, als es für die Marktversorgung brauchte. Deshalb ist der Jagerpreis seit Mitte November um einen Franken je Kilo gesunken. Allerhöchste Zeit für weniger Zuchtsauen!

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