Schöne Aussichten. Auf der Talseite gegenüber dem Gut Hinterbleichenberg sind die Bergrücken von Hasenmatt und Weissenstein weiss überpudert. Unterhalb der Obstwiese fliessen Solothurn und Zuchwil entlang der Aare geradezu ineinander – die Region heisst ja auch Wasseramt.
Und einen Steinwurf vom Hinterbleichenberg entfernt erhebt sich das Schlösschen Vorderbleichenberg. Es wurde im 17. Jahrhundert als Sommersitz der Familie von Roll gebaut, der Gründerfamilie der gleichnamigen Eisenwerke.
Neben 20 Tonnen Äpfeln werden Zwetschgen und Kirschen geerntet
Aber Landwirt André Meister hat nur Augen für Triebe und Astknoten. «Srrrt», knabbert die elektrische Schere überflüssige Zweige von seinen Apfelbäumen. Prüfender Blick, «srrrt» und wieder hat ein aussichtsreicher Ast genug Platz, sich zu entfalten.
Mit dem sorgfältigen Baumschnitt im Frühjahr holt man 20 Tonnen Äpfel aus einem Hektar Obstwiese, sagt Meister – ergibt 14 Tonnen Süssmost sowie Butzen und Schalen, die vom Pressbetrieb als Dünger ausgegeben werden.
Daneben wachsen auf Meisters Gut Hinterbleichenberg Zwetschgen und Kirschen, die er als Obst verkauft. Letztere können sich die Käufer gleich selbst vom Baum holen, weil sie leicht zu pflücken sind. Aber Apfel- und Zwetschgenbäume erntet Meister mit seinen je nach Saison bis zu vier Mitarbeitern selbst ab: «Dabei braucht man Gefühl – zu leicht brechen sonst wertvolle Triebe», erklärt Meister. «Srrrt», macht die Akkuschere.
Der Mitsubishi L200 hat einen herausziehbaren Ladeboden
Für den Obst-Anbau ist ein Pick-up bestens geeignet. Junge Baumsetzlinge lassen sich auf der Ladebrücke ebenso transportieren wie die 25 Liter fassenden Glas-Ballons, in denen André Meister einen Teil seines Süssmostes ausliefert.
Die Glas-Ballons in einen Mitsubishi L200 zu hieven ist ein Kraftakt, schon wegen der hohen Ladekante. Aber dieses Exemplar verfügt über einen optionalen herausziehbaren Ladeboden: Statt den Ballon in seinem Holzgestell über die Ladeklappe zu wuchten, zieht man den Stahlboden heraus, stellt den Ballon drauf und schiebt ihn dann auf die Pritsche.
Damit der Glas-Ballon im Gefälle nicht schwungvoll herausrutscht, sichert sich der Boden selbst durch eine Sperre. Zwar nimmt er ein wenig Ladebreite weg, aber man könnte ihn auch einfach aus seinen Schienen herausnehmen.
Der Erfolg von Mitsubishi in der Schweiz beruhte früher auf den Klein- und Mittelklasse-Modellen wie Colt und Lancer. Aber das globale Erfolgsmodell der Marke ist der Mitsubishi L200. Seine Absatzzahlen trugen mit dazu bei, dass der japanische Autobauer nach ein paar Krisenjahren heute wieder rundum gesund dasteht.
Ein Nutzfahrzeug mit (fast) vollständigem PW-Komfort
Auf den ersten Blick ist der Mitsubishi L200 ein Pick-up wie jeder andere. Aber nicht ganz so starr wie mit dem Lineal gezeichnet, der Schwung der Kabinen-Rückwand nimmt ihm ein wenig das kastenartige. Und der Innenraum ist so PW-mässig gestaltet, wie das bei einem leichten Nutzfahrzeug überhaupt sinnvoll machbar ist.
Diamond heisst die Topausstattung des Mitsubishi L200. In dieser sind Klimaautomatik, das Infotainment-System mit Smartphone-Einbindung, Rückfahr-Kamera und LED-Tagfahrlicht verbaut. Ausserdem ein Warnbrummer, der sich beim Überfahren der Fahrbahn-Linien meldet.
Serienmässig ab der Basisversion Value werden Berg-Anfahrhilfe, Anhänger-Stabilisierung und sieben Airbags eingebaut. Sieben? Einer wacht zusätzlich über das Fahrerknie, was längst noch nicht Standard ist im Pick-up-Segment. Leider fehlt im Value die Bluetooth-Kopplung fürs Telefon – auch ein Sicherheitsfeature, wenn man ablenkungsfrei von unterwegs den nächsten zu beliefernden Saftladen anrufen will.
Die Lenkung ist straff und direkt, der Geradeauslauf ist vorbildlich
Wie viele Konkurrenz-Modelle lässt sich auch der Mitsubishi L200 mit zwei Kabinenlängen ordern, aber die Ladelänge auf der Brücke bleibt nahezu gleich. Eine Tonne – oder 40 Glas-Ballons – könnten zugeladen werden und zusätzlich bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast auf den Haken genommen werden. Neben dem schiebbaren Ladeboden sind ein Hardtop oder Rollo-Abdeckungen für die Brücke lieferbar. Je nachdem, ob man kleine Bäume oder nur die Ast-Schere auf die Wiese transportieren will. «Srrrt.»
Beim Antrieb des L200 setzt Mitsubishi – natürlich – auf einen Dieselmotor in zwei Leistungsstufen. Die 154-PS-Version kommt immer mit manuellem Getriebe, den 181-PS-Motor liefert Mitsubishi im Diamond immer mit Fünfstufen-Automatik. Der Unterschied: 27 PS und sechs Deziliter Most-Verbrauch. Gemeint ist in diesem Fall der Most von der Tankstelle.
Der zuschaltbare Allradantrieb mit Gelände-Untersetzung ist dagegen serienmässig – mit manuellem Getriebe als System mit den drei Fahrmodi Hinterradantrieb, Allrad und Gelände. Im Diamond und in der mittleren Version Style mit stärkerem Motor stehen vier Stufen zur Verfügung mit einer zusätzlichen Geländestufe.
Beim Fahrverhalten fühlt sich der Mitsubishi L200 dann doch eher nach einem Lifestyle-Mobil als nach einem Lastenträger an: Die Lenkung agiert straffer und direkter als bei Konkurrenz-Modellen, der Geradeauslauf ist vorbildlich. Muss ja kein Nachteil sein, schliesslich fährt André Meister mit dem Pick-up nicht nur über seine Obstwiesen.
Fertig «Srrrt», André Meister schnallt den Akkugürtel ab und verstaut den Koffer der Schere auf der Pritsche. Der Matsch der durchweichten Wiese fliegt auf beim Anfahren und wird trommelnd von den Pneus unter dem Auto verteilt. So könnten wir uns jetzt nicht mehr im Schloss Vorderbleichenberg bei der Familie von Roll sehen lassen.
Pick-up Serie (Schluss)
Auf vielen Höfen ist ein Pick-up als «Zweit-Traktor» im Einsatz. «die grüne» testete ein Jahr lang die besten Pick-ups in der Praxis. Heft 02/2018: Renault Alaskan Heft 03/2018: GMC Sierra 1500 SLE Heft 04/2018: Isuzu D-Max Heft 08/2018: Fiat Fullback Heft 09/2018: SsangYong Musso Heft 10/2018: VW Amarok Heft 11/2018: Mercedes X Heft 12/2018: Nissan Navara Heft 01/2019: Ford Ranger Heft 02/2019: Wildtrak Toyota Heft 03/2019: Hilux Mitsubishi L200
Mitsubishi L200 Double Cab
Masse 5,21 m × 1,79 oder 1,82 m × 1,78 m Ladefläche: 2,23 m2 Ladehöhe: 0,48 m Leergewicht: ab 1945 kg Antrieb R4-Turbodiesel, 2,4 Liter, 113 kW/154 PS oder 133 kW/181 PS, zuschaltbarer Allradantrieb (zwei optionale Systeme), manuelles Sechsgang-Getriebe oder Fünfstufen-Automat. Ausstattung u.a. LED-Tagfahrlicht, Infotainmentsystem mit USB-Eingang, Klimaanlage, Anhänger-Stabilisierung, Tempomat mit Tempobegrenzer, 7 Airbags Kosten und Verbrauch Basismodell Value: ab 31 900 Fr. Topversion Diamond: ab 42 900 Fr. (beide exkl. MwSt.) Verbrauch 6,9 bis 7,5 l/100 km, CO2-Emissionen ab 180 bis 196 g/km www.dgrn.ch/Mitsubishi-L200
Leiterrahmen: Darauf lässt sich aufbauen
Seit Jahrzehnten werden Personenwagen selbsttragend konstruiert. Gewölbte und abgekantete Bleche werden zu in sich stabilen Karosserien geschweisst, genietet oder verklebt. Ihr Vorteil ist vor allem ihr vergleichsweise geringes Gewicht. Bei Pick-ups wie dem Mitsubishi L200 als leichtes Nutzfahrzeug bildet dagegen ein Leiterrahmen die Grundlage – fast wie bei Autos, die vor den 1950er-Jahren gebaut wurden. Der Rahmen aus Hohlprofilen sorgt zwar für mehr Gewicht, hält aber mit fast einer Tonne Zuladung deutlich mehr aus als eine PW-Karosserie. Auch Offroad bietet der Leiterrahmen Vorteile, weil er sich kaum verwindet. Und schliesslich können so Zubehör-Anbieter massgeschneiderte Aufbauten offerieren, die sich einfach auf das Fahrgestell aufsetzen lassen. www.dgrn.ch/leiterrahmen

