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Viel laden mit dem Anhängerzug

Die Landwirtschaft produziert Nahrungsmittel und die Ernte muss transportiert werden. Immer öfter werden LKW eingesetzt. Der Traktorzug ist jedoch immer noch die erste Wahl: Martin Iseli aus Münsterlingen TG setzt einen neuen Anhängerzug von Marolf ein.

Kurz & bündig

- Die Landwirtschaft ist eine grosse Transportbranche. - Es gibt verschiedene Transportsysteme für Traktoren. - Martin Iseli erreicht mit einem Anhängerzug die höchste Nutzlast.

Martin Iseli bewirtschaftet mit seiner Familie und den Angestellten auf der Staatsdomäne im thurgauischen Münsterlingen am Bodensee 80 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche. Dabei gibt es einige Hundert Tonnen Erntegut. Dieses wird vor allem nach Frauenfeld in die Zuckerfabrik und nach Märstetten in die Getreidesammelstelle transportiert. Die Orte liegen rund 17 bzw. 30 Kilometer entfernt und führen mit etwa 100 Metern Höhendifferenz über den Seerücken.

«Bei uns hat sich das Transportieren mit zwei Kippanhängern am Traktor bewährt. Deshalb habe ich nach 20 Jahren den Marolf-Anhängerzug gleichwertig ersetzt. Obwohl ich zuerst über einen Wechselsystem mit Mulden nachdachte, blieb ich beim System mit dem Anhängerzug. Vor allem, weil die Nutzlast höher ist.»

Die Transporte allenfalls mit einem LKW durchzuführen, war für Martin Iseli keine Option. Vor allem deshalb, weil auf dem Betrieb mit zwei Fendt-Traktoren aus der Vario-700er-Baureihe geeignete Zugmaschinen auf dem Betrieb vorhanden sind. Rein rechnerisch sind Transporte mit dem LKW jedoch am wirtschaftlichsten. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten geringer. Über ein Fahrsilo kann mit einem Sattelschlepper beispielsweise nicht gefahren werden.

Viel laden mit dem Anhängerzug
Der LKW hat die höchste Nutzlast und den geringsten Verbrauch. Der «kleine» Fendt 516 ist deutlich besser als der grosse Fendt 930 mit viel Eigengewicht.Quelle: Martin Vaupel, Transport Vergleichstest 2018, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Der neue Anhängerzug stammt ebenfalls vom Fahrzeughersteller Marolf. «Der alte Zug war eigentlich noch gut in Schuss. Ursprünglich wollte ich bloss eine Blachenabdeckung nachrüsten. Zudem wurde auch die Umrüstung des Bremssystems von Öl mit dem Notventil für 40 km/h auf Druckluft diskutiert. Dabei hat es sich gezeigt, dass die Neuanschaffung gegenüber einer Nachrüstung wirtschaftlich interessant ist.»

Zudem sind beim neuen Zug massive Achsen und Bremsen aus dem LKW-Bereich verbaut. Das bringt die höchstmögliche Sicherheit und «das Bremsverhalten und die Spurtreue sind vom Feinsten», schwärmt Martin Iseli.

Hoher Werterhalt dank guter Pflege

Interessant war der Ersatz des Anhängerzugs vor allem wegen des Werts der alten Anhänger, die zu einem guten Preis verkauft werden konnten. Anhänger mit dem Einleiter-Ölbremssystem sind auf dem Markt momentan gesucht. Sie kommen dort zum Einsatz, wo die Umstellung auf das Druckluft-Bremssystem noch nicht stattgefunden hat und die Traktoren nicht dazu vorbereitet sind.

Obschon bei Neuanschaffungen das Druckluft-Bremssystem bei Traktoren und Anhängern nicht mehr wegzudenken ist, herrscht immer noch eine Übergangsphase, in der für das alte Bremssystem gute Preise bezahlt werden. Martin Iseli staunte selbst darüber, dass die beiden Gebrauchtanhänger die Hälfte der Neuanschaffung finanziert haben. Allerdings muss man dabei berücksichtigen, dass Martin Iseli einen sehr gepflegten Maschinenpark hat. Dies hat man den Eintauschanhängern auch ange-sehen.

Viel Nutzlast dank optimaler Gewichtsverteilung

Martin Iseli hat seinen neuen Anhängerzug zusammen mit dem Traktor gewogen. Der Tandemanhänger wiegt 4450 kg und hat mit einer gefederten Deichsel ein erlaubtes Gesamtgewicht von 21 Tonnen. Der Zweiachsanhänger wiegt 4210 kg und hat ein Gesamtgewicht von 18 Tonnen. Zusammen mit dem 7540 kg schweren Traktor wiegt der Anhängerzug leer 16 200 kg. Es verbleibt eine Nutzlast von 23 800 kg. Dank guter Gewichtsverteilung muss der Traktor nicht zusätzlich auf Kosten der Nutzlast ballastiert werden.

Als Sonderausstattung sind die Anhänger rot gefärbt und mit Alufelgen ausgerüstet. Die Felgen sehen nicht nur gut aus, sondern sparen insgesamt 100 kg Gewicht. Der Tandemkipper wird mit der Kugel spielfrei an den Traktor gekuppelt. Zusammen mit den Niederquerschnitt-Reifen bringt dies eine gute Fahrstabilität.

Mit einem Anhängerzug von Kröger verfügt Martin Iseli noch über eine zweite Transporteinheit. Damit hat er viel Transportkapazität, was bei der Getreideernte ein grosser Vorteil ist. Ebenfalls schätzt er die Abdeckblachen. So kann die Ladung jederzeit vor Regen geschützt werden.

Mit den Kippernüber das Fahrsilo

Mit den Tandemkippern der beiden Anhängerzüge fährt Martin Iseli bei der Maissilage auch über das Fahrsilo. Das bewährt sich sehr gut. Der neue Marolf-Kipper wurde für diesen Einsatz mit einer Portaltüre am Heck ausgerüstet, die sich bis neben die Seitenwand nach vorne öffnen lässt. Der Siloablad verläuft so reibungslos. Nebst den eigenen Transporten von Erntegut wird die Transportkapazität auch im Rübenring eingesetzt. Zudem werden Zuckerrübenschnitzel bis ins Appenzell geliefert. Martin Iseli schätzt, dass für diese Einsatzbereiche jährlich rund 60 bis 70 Fuhren anfallen.

Je höher die Auslastung ist, desto wichtiger wird die Gewichtsfrage und die Ladekapazität. Der neue Anhängerzug verfügt über eine rund 1000 kg höhere Transportkapazität dank weniger Leergewicht gegenüber dem vorhandenen Anhängerzug. Das scheint auf den ersten Blick nicht viel zu sein. Umgerechnet auf die Anzahl Fuhren sind dies dann trotzdem drei bis vier Fuhren mehr pro Jahr.

Nutzlast statt ballastieren

Egal, um welches Transportsystem es sich handelt: Es zählt vor allem die Verkehrssicherheit. Dazu werden heute in der Landwirtschaft hochwertige Komponenten aus dem LKW-Bereich eingesetzt. Bei der Gesetzgebung ist es wichtig, dass die Achs- und Stützlasten nicht überladen werden.

Zudem muss die Traktion mit mindestens 22 Prozent des Betriebsgewichts auf den Antriebsachsen gewährleistet sein. Ein Allradtraktor benötigt bei einem Gesamtzuggewicht von 40 Tonnen (100 Prozent) ein Gewicht von 8,8 Tonnen auf den Antriebsachsen (22 Prozent).

Der Traktor von Martin Iseli ist leichter. Aber dank der Stützlast des Anhängers auf die Hinterachse erhöht sich das Gewicht auf den Antriebsachsen. Bei solchen Gewichtsverschiebungen muss berücksichtigt werden, dass mindestens 20 Prozent des Betriebsgewichts vom Traktor auf der Lenkachse sein muss. Im Idealfall kann dies ohne Frontgewicht, auf Kosten der Nutzlast, erreicht werden.

Betriebsspiegel der Familie Iseli

Nadine und Martin Iseli, Staatsdomäne Münsterlingen TG LN: 80 ha Kulturen: Winterweizen, Wintergerste, Raps, Zucker-rüben, Silomais, Körnermais, Kunstwiese, Buntbrache, Naturwiesen Tierbestand: 70 Milchkühe, 110 Mutterschweine, 360 Mastschweineplätze Weitere Betriebszweige: Lohnarbeiten Säen, Quader-ballenpresse, Rundballen, Dreschen, Transporte Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar, Bruder, Lehrling, Angestellter, Betriebsleiter Schweinehaltung, Eltern