pv_die-grune-onlineABO

Schnitzelheizung: Mit Holz sind die Heizkosten planbar

Urs Steinmann hat eine zentrale Stückgut-Heizung mit einer Schnitzelheizung ersetzt. Die Heizanlage von Schmid AG energy solutions sorgt mit einem neu entwickelten Brennraum für einen besonders sauberen Verbrennungsvorgang mit hohem Wirkungsgrad.

Kurz & bündig

- Die Josef Steinmann AG in Waltenschwil AG hat einen Stückholz-Kessel mit einer Holzschnitzelheizung ersetzt. - Die Beschickung des Kessels erfolgt mit Holzschnitzel automatisch. - Die Wärme wird für einen Stall, die Betriebsgebäude und eine Maschinenhalle genutzt. - Steinmann will mit seiner Holzheizung das lokale Gewerbe unterstützen und rechnet langfristig mit günstigeren Betriebskosten gegenüber Öl.

Für Urs Steinmann, Inhaber der Firma Josef Steinmann AG in Waltenschwil AG, war klar, dass der ins Alter gekommene Stückgut-Kessel wieder mit einer Holzheizung ersetzt werden soll. Die Heizung versorgt einen Schweinestall mit 250 Zuchtsauen, die Betriebsgebäude und eine angrenzende Maschinenwerkstatt.

«Als es im Jahr 2019 darum ging, die Heizung zu ersetzen, habe ich mich gar nicht erst mit anderen Brennstoffen als mit Holz auseinandergesetzt. Der Brennstoff stammt aus der Gegend und zum Teil aus dem eigenen Wald. So kann ich das regionale Gewerbe unterstützen.»

Seine Ideale sind das eine. Die Finanzen sind das andere: Steinmann ist überzeugt, dass er die Kosten für Brennholz genauer kalkulieren kann als für Heizöl. Heizöl wäre zwar aktuell zu attraktivem Preis verfügbar. Doch Steinmann traut der Sache nicht: «Wer weiss heute, wann die Preise steigen oder Abgaben und Steuern erhoben oder erhöht werden?»

Holzschnitzel gegenüber Stückholz läuft automatisch

Seit Dezember 2019 wird die Wärme mit der Hackschnitzel-Feuerung UTSD von der Schmid AG produziert. Das installierte Modell UTSD 240/200 hat eine Leistung von 200 kW. Die Maximalleistung der Baureihe liegt bei 260 kW. Der Heizkessel ist mit einem nachgelagerten Feinstaubfilter ausgestattet und wurde im bereits vorhandenen Heizraum der vorherigen Stückgut-Heizung installiert.

Mit dem Holzschnitzel-Ofen verspricht sich Urs Steinmann mehr Flexibilität. Das Holz muss nicht mehr regelmässig von Hand nachgelegt werden, sondern wird automatisch zur Anlage transportiert. Ein bestehender Ölbrenner, der den bisherigen Stückholz-Ofen unterstützte und den Wärmebedarf im Ferkelstall während der Übergangsphase abdeckte, ist weiterhin in das Wärmenetz eingebunden und dient als Notheizung bei einem Störungsfall.

Vor dem Heizungs-Gebäude baute Urs Steinmann einen kleinen Schnitzelbunker mit nur zwei Kubikmeter Inhalt. Eigentlich ist dieser Mikrobunker nur ein Zwischenlager. Im Gegensatz zu einem grossen Silo erforderte der Mikrobunker keine Baubewilligung.

Derzeit ist die Beschickung des Heizkessels so gelöst, dass die Hackschnitzel in einer Halle ausserhalb des Betriebsareals gelagert werden. Dort werden sie in einen Futtermischwagen geladen und auf den Hof transportiert. Der Wagen fasst elf Kubikmeter Schnitzel. Bei kalten Temperaturen sind pro Woche rund vier Fuder notwendig.

Der Mischwagen fördert die Schnitzel über ein Austrag-Band in den Mikrobunker. Hier muss also täglich mehrmals nachgefüllt werden, was die gewonnene Freiheit gegenüber der Stückholz-Anlage relativiert.

Urs Steinmann lässt durchblicken, dass er in Zukunft noch etwas mehr Vorratsraum schaffen möchte.

Die Hackschnitzel lagern ausserhalb des Betriebs in einer bestehenden Halle. Mit einem Mischwagen werden sie auf den Hof transportiert. Bild: Beat Schmid
Die Hackschnitzel lagern ausserhalb des Betriebs in einer bestehenden Halle. Mit einem Mischwagen werden sie auf den Hof transportiert. Bild: Beat Schmid

Speicher fördern die Effizienz der Heizanlage

Die Hackschnitzel-Heizung produziert Wärme, welche mittels Bodenleitungen zu den Verbrauchern gelangt. Die bestehende Bodenleitung zum Schweinestall wurde ersetzt, die Isolation war beschädigt. Die Fernleitung zur angrenzenden Maschinenhalle wurde neu gebaut. Die Wärmeenergie wird im Netz mit zwei Speichern gepuffert.

Ein 7000 Liter-Speicher befindet sich in der Nähe des Heizkessels. Ein weiterer 5000 Liter-Speicher steht als Unterverteiler beim Schweinestall. Dort gibt es entsprechend dem Tierbedarf mehrere Heizkreise mit unterschiedlichen Temperaturen.

Gemäss der aktuellen Luftreinhalteverordnung LRV benötigen Holzschnitzel-Anlagen pro Kilowatt-Leistung ein Wasser-Speichervolumen von 25 Litern.

Dadurch kann die Hackschnitzel-Anlage auch bei unterschiedlichem Wärmebedarf in ihrem optimalen Betriebspunkt arbeiten und den Speicher füllen, falls die erzeugte Wärme nicht direkt verbraucht wird.

Wenn die Speicher voll sind, schaltet der Kessel automatisch aus. Die Anlage kann sich dank der kontrollierten und geregelten Verbrennung laufend den Bedingungen anpassen (etwa unterschiedliche Brennstoffe, Temperatur, usw.) und die LRV auch im Teillastbereich einhalten.

Mit dem Austragband am Mischwagen wird der kleine Bunker befüllt. Bild: Beat Schmid
Mit dem Austragband am Mischwagen wird der kleine Bunker befüllt. Bild: Beat Schmid

Die Höhe des Glutbetts regelt den Nachschub

Die UTSD-Baureihe von Schmid AG energy solutions verfügt über weitere Finessen für eine saubere Verbrennung. Kundenberater Andreas Lüthi erwähnt die Einschubregulierung der Hackschnitzel in den Brennraum: «Hier regelt eine Lichtschranke die Fördermenge. Die Lichtschranke misst die Höhe des Glutbetts. Die Anlage regelt dann den Vorschub so, dass der Brennraum nicht überfüllt wird und das Glutbett eine gleichmässige Höhe einhält.»

Dank dieses stabilen Zustands können die Luftzufuhr und weitere Parameter für eine emissionsarme Verbrennung optimal geregelt werden. Die präzisere Brennregulierung erlaubt eine optimale Ausgasung des Holzes. Aus dem Brennstoff kann also mehr Energie gewonnen werden.

Das Holzgas wird dann in einer weiteren Brennkammer ausgebrannt. Mit diesem zweistufigen Prozess kann mit einer sekundären Lufteindüsung die Verbrennung besser geregelt werden als bei einem Einkammer-Brennraum mit Ausgasung und Gasverbrennung in der gleichen Kammer.

Fernüberwachung der Heizung mit dem Handy

Die UTSD-Holzhackschnitzel-Heizung hält sich mit automatischer Reinigung und Entaschung selbstständig betriebsbereit. Die Betriebsüberwachung erfolgt an einem Display. Sie ist auch mittels Fernzugriff mit dem Smartphone oder einem anderen Gerät über das Internet möglich. Bei einer Betriebsstörung ist eine Fehlerbehebung durch Fernwartung möglich, das senkt den zeitlichen und personellen Aufwand.

Urs Steinmann ist stolz darauf, mit Holz zu heizen. Und darauf, dass er mit seiner Holzheizung 25'000 Liter Öl pro Jahr einspart.

Betriebsspiegel Urs Steinmann

Josef Steinmann, Waltenschwil AG LN: 50 ha Kulturen: Mais, Weizen, Gerste, Raps, Gras Tierbestand: 250 Muttersauen Weitere Betriebszweige: Junghennen und Eierverkauf Arbeitskräfte: 3 Vollzeit, 2 Teilzeit

Pellets und Hackschnitzel: die Unterschiede

Bei hohem Wärmebedarf und vorhandenem Lagerraum ist eine Hackschnitzel-Heizung eine wirtschaftliche Lösung. Die Bereitstellung des Brennstoffes ist effizient und leistungsfähig. Viele Dienstleistungsanbieter haben sich auf die Hackschnitzel-Produktion spezialisiert.

Pellets haben den Vorteil, dass sie gegenüber Hackschnitzeln rund die vierfache Energiemenge pro Volumeneinheit enthalten. Zwei Kilogramm Pellets enthalten die gleiche Energiemenge wie ein Liter Heizöl. Die Pellets-Produktion ist jedoch aufwändiger, da sie aus Holzresten bestehen, welche in eine zylindrische Form gepresst werden.

Pellets lassen sich gegenüber Hackschnitzeln einfacher mit Silofahrzeugen fördern. Schnitzel müssen hierzu zuerst getrocknet und gesiebt werden. Es sind weniger Anlieferungen und weniger Bunkervolumen notwendig, weshalb im städtischen Raum auch grosse Pellet-Heizungen eingesetzt werden.

Quelle: Propellets

Förderprogramm Holzheizungen

Mit einer Klimaprämie bis zu 360 Franken pro Kilowatt unterstützt die Energie Zukunft Schweiz derzeit Holzheizungen, wenn damit eine Öl- oder Gasheizung ersetzt wird.

Damit die erforderlichen Förderbedingungen eingehalten werden, lohnt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit einem Hersteller oder Lieferanten aus der Holzfeuerungsbranche.

Die Kosten variieren

Ölheizungen würden heute kaum noch bewilligt, es sein denn, der grösste Teil des Energiebedarfs wird mit erneuerbarer Energie erzeugt, erklärt Andreas Lüthi von der Schmid AG. Bereits seit einigen Jahren sei es weniger eine Preisfrage, sondern die erneuerbare Energie und die nachhaltige, regionale Wertschöpfung, welche die Kundschaft zu einer Holzfeuerung bewegt.

Die Betriebskosten variieren je nach Objekt enorm. Bei Schnitzelheizungen bewegt sich das Band zwischen 13 und 20 Rp/kWh.

Quelle: Schmid AG energy solutions

Weiterlesen

  • Aktuell gibt es unter der Marke nectaflor «Stop Food Waste – hilf auch Du!» Erdbeersirup, Dörrbohnen, getrocknete Äpfel und Birnen. (Bilder Narimepex)

    Narimpex bringt gerettete Lebensmittel in den Detailhandel

    Das Bieler Familienunternehmen Narimpex AG produziert aus Schweizer Obst und Gemüse haltbare Fertigprodukte, um Food Waste zu verhindern. Die Produkte sollen ab Oktober 2020 unter anderem im Detailhandel erhältlich sein.
    Show more
  • Gewinnen Sie zwei Tickets für die OLMA 2026!

  • Infografik: Nicht nur städtische Kantone sagten Nein zum Jagdgesetzes