Heisse Tage – was bedeutet das für die Ration im Futtermischwagen?

Arbeitserleichterung, gleichmässiger Verzehr und eine konstante Futterqualität: Das Füttern mit dem Mischwagen hat viele Vorzüge. In den Sommermonaten gibt es aber auch Herausforderungen.

Die Sommerhitze stellt Rindviehhalter zunehmend vor grosse Herausforderungen. Bereits ab Temperaturen von rund 20 bis 25 °C beginnt bei vielen Tieren die Futteraufnahme zu sinken. «Steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, reduziert sich der Verzehr bei Milchkühen rasch um mehrere Kilogramm Trockensubstanz», erklärt der Fütterungsberater Franz Ehrler von LGZ – Rigi Futter. Die Folgen sind sinkende Milchleistungen, eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit sowie insbesondere bei frisch abgekalbten Tieren eine höhere Stoffwechselbelastung, etwa durch Ketose oder subklinische Azidosen.

Fütterung mit Mischwagen wird anspruchsvoller

«Steigen die Temperaturen auf über 30 Grad, reduziert sich der Verzehr bei Milchkühen rasch um mehrere Kilogramm Trockensubstanz.»

Fütterungsberater Franz Ehrler

Während häufig über Stallklima, Ventilation oder Wasserversorgung gesprochen wird, wird ein zentraler Faktor oft unterschätzt: der Futtermischwagen und die Qualität der Mischration (TMR). «Im Sommer wäre eigentlich Frischgras von der Schmackhaftigkeit her ideal, doch Eingrasen oder ein hoher Weideanteil sind auf vielen Betrieben heute nicht mehr umsetzbar», so Franz Ehrler. Bei der Fütterung mittels einer Mischration seien die Frische der Komponenten, die Futterhygiene und die Verweildauer der Mischung am Futtertisch die wichtigsten Stellschrauben.

«Eine TMR sollte innerhalb eines Tages gefressen werden, sonst sinkt nicht nur die Schmackhaftigkeit deutlich, auch das Risiko einer Erwärmung steigt stark an und damit die Gefahr durch Mykotoxine», betont Ehrler weiter. In der Folge könnten sich Hefen und Schimmelpilze entwickeln, was die aerobe Stabilität beeinträchtigt und die Futteraufnahme zusätzlich reduziert.

Wenn möglich, sollte die Futtervorlage früh am Morgen oder in den kühleren Abendstunden erfolgen. «Während Hitzewellen ist aus meiner Sicht der Einsatz von Kaliumsorbat oder anderen Konservierungsmitteln unverzichtbar, um die aerobe Stabilität der Mischung zu verbessern und die Erwärmung zu verzögern», ergänzt der Berater.

Scharfe Messer und passende Mischzeit

Ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor ist die richtige Einstellung des Futtermischwagens, insbesondere in Bezug auf die effektive Schnittlänge. «Rund vier Zentimeter sind in der Praxis meist ein guter Richtwert», so Franz Ehrler.

In Betrieben, in denen die Silage beim Ernten bereits kurz gehäckselt wird, lasse sich dieser Bereich auch gut erreichen. Bei nicht gehäckselter Silage sei dies anspruchsvoller. Mit scharfen Messern und einer ausreichenden Mischdauer könne jedoch auch hier eine homogene, gut strukturierte Ration erzielt werden.

Sobald die Kühe beginnen zu selektieren, müsse man reagieren. Ein Aussortieren treffe häufig dann auf, wenn die Mischung zu trocken sei. In solchen Fällen würden die feinen Komponenten wie Getreide schlechter an der Gesamtmischung haften. Deshalb sei insbesondere bei heissem und trockenem Wetter auf eine ausreichende Feuchte der TMR zu achten. Der optimale Trockenmassegehalt liegt laut Praxiserfahrung bei 40 bis 43 Prozent.

Durch das häufige Vorlegen der Mischung oder das regelmässige Anschieben kann der Verzehr gesteigert werden.(Bild: reb)

Mehr Struktur führt zu mehr Wärme

Ein Ausgleich der sinkenden Futteraufnahme bei Hitzephasen über eine Erhöhung der Kraftfuttermenge ist aus Sicht des Fachmanns keine Lösung: «Damit steigt das Risiko einer Pansenübersäuerung deutlich an.»

Ebenso kritisch beurteilt er eine Erhöhung des Strukturanteils durch zusätzliches Stroh: «Mehr Rohfaser bedeutet nicht automatisch mehr Pansenstabilität – im Gegenteil, die Verdauung von Fasern belastet die Kuh zusätzlich und erhöht die Wärmeproduktion im Stoffwechsel.»

Die Sicherstellung einer stabilen Futteraufnahme während Hitzeperioden sei gerade im Milchviehstall mit ansprechenden Leistungen anspruchsvoll. Ergänzend könnten Lebendhefen oder Puffersalz zur Stabilisierung der Pansenfunktion beitragen. Ebenso wichtig seien aber auch einfache Managementmassnahmen wie das regelmässige Anschieben des Futters über den Tag hinweg, um die Futterverfügbarkeit konstant hoch zu halten.