Kurz & bündig
- Aufbereiter am Mähwerk bearbeiten das Futter intensiv und beschleunigen die Trocknung. - Insekten gelangen im Sog des Futters in die rotierenden Werkzeuge. - Der Aufbereiter hat einen hohen Kraftbedarf und muss zum Nutzen der Insekten und der - Wirtschaftlichkeit nicht immer eingesetzt werden.
Sepp Waldvogel aus Merenschwand AG hat die Intensität seines Aufbereiters am Mähwerk ganz zurückgeschraubt und die Drehzahl der Trommel reduziert. Damit spart er Motorkraft und somit Diesel beim Mähen und kann mit weniger Widerstand zügiger fahren. Dass mit dieser Geräteeinstellung auch die Insekten weniger bedroht sind, ist ihm natürlich auch recht.
Er setzt eine Front-Heck-Kombination ein und hat dadurch eine besonders hohe Flächenleistung. Pro Stunde schafft er durchschnittlich vier Hektaren. In einer Betriebszweiggemeinschaft produziert Waldvogel Futter für 60 Milchkühe.

Der integrierte Aufbereiter hat mehr Leistung
«Es ist immer eine Frage des Wetters, ob sich der Aufbereiter lohnt oder nicht. Tatsache ist, dass die Trocknung beim Kunstfutterbau im Normalfall beschleunigt wird und auf einen Kreiseldurchgang verzichtet werden kann», so Sepp Waldvogel.
Bis vor fünf Jahren setzte er ein Frontmähwerk ein und knickte das Futter mit einem Aufbereiter am Heck. «Hier begrenzte der Aufbereiter die Arbeitsleistung, da das Futter ans Schwad gelegt durch die Maschine ging. Mit den integrierten Aufbereitern an der aktuellen Mähwerkkombination gelangt das Futter durch den Rotor, bevor es an den Schwad kommt. Das Futter liegt breiter und weniger dick. Die Bearbeitung ist gleichmässiger und die Ablage auch. Die beiden Aufbereiter sind so weniger belastet und die Arbeitsgeschwindigkeit kann bei massigem Futter mit rund 10 km/h fast verdoppelt werden.» Die Flächenleistung ist also auch ein Faktor, wenn ein Erntefenster nur kurz ist.
Dank Aufbereiter lässt sich ein kürzeres Erntefenster nutzen
Erfahrungsgemäss kann der erste Schnitt, welcher als Silage eingeführt wird und normalerweise Mitte bis Ende April erfolgt, dank dem Aufbereiter mit einem Kreiseldurchgang weniger eingebracht werden. Das heisst, dass eine kürzere Schönwetterperiode ausreicht. Anstatt drei reichen zwei Sonnentage. Das tönt nach einem Detail. Das ist es aber nicht, wenn man Futterqualität und allenfalls kurze Erntefenster unter einen Hut bringen muss.

Der zweite und dritte Schnitt wird auf den Heustock gebracht. Die letzten beiden Schnitte siliert Sepp Waldvogel dann wieder.
Das getrennte Aufbereiten am Heck bei der vorherigen Maschine hatte den Vorteil, dass der Aufbereiter nur beim ersten Schnitt eingesetzt wurde. Für die beiden nächsten Schnitte, welche auf dem Heustock landeten, waren meistens immer genügend Schönwettertage vorhanden. Da konnte auf den Aufwand des Aufbereiters teilweise verzichtet werden.
«Bei den letzten Schnitten im Herbst habe ich dann auch gerne auf den Aufbereiter verzichtet. Ich habe den Eindruck, dass durch die zunehmende Feuchte oder gar Nebel im Herbst das aufbereitete Gras die Feuchtigkeit nicht nur besser abgibt, sondern bei einem feucht-nassen Umfeld auch wieder aufnimmt.»
Erster Schnitt erfordert den Aufbereiter
Weil beim ersten Schnitt ein Grossteil der Jahresmenge eingebracht wird, kann Sepp Waldvogel dort nicht auf den Aufbereiter verzichten. Bei den weiteren Schnitten könnte er dies schon.
Mit der defensiven Einstellung des Aufbereiters hat er für seine Ansprüche einen guten Kompromiss gefunden. Weil die integrierten Aufbereiter nicht ausgeschaltet werden können, setzt Sepp Waldvogel für die Ökoflächen mit einem Reform-Zweiachsmäher ein zweites Mähsystem ein, welches sich dank seiner Wendigkeit sehr gut bewährt.
«Manchmal mähen wir auch die Futterbauflächen mit dem Zweiachsmäher an, damit wir mit der Mähkombination zügig vorwärtsfahren können und nicht Randsteine oder Schächte ausmähen müssen. Da sehen wir beim Kreiseln dann schon, dass beim Futter ohne Aufbereitung der nasse Grünanteil unter dem Schwad höher ist als die aufbereiteten Bereiche.»
Später mähen und die Sonne trocknen lassen
Bei Rolf Huber aus dem Ortsteil Gallenkirch der Gemeinde Bözberg AG hat der Aufbereiter in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Er stellte den Betrieb vor einigen Jahren von Milchkühen auf Mastrinder um.
Das hatte zur Folge, dass er den Schnittzeitpunkt jetzt rund 14 Tage später wählt. Das Futter hat jetzt also etwas mehr Struktur. Es gibt später im Frühling, gegen Ende Mai, stabilere Schönwetterfenster, während denen Huber der Trocknung etwas mehr Zeit geben kann.
Dadurch setzt er den Aufbereiter meistens nicht mehr ein. «So muss ich weniger Diesel verbraten», gibt er zu bedenken. Der Verzicht hat aber auch noch einen anderen Grund. Huber stellte auch die Futterbaumischung um und baut eine solche mit Luzerne an.

Mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 500 bis 600 Millimeter und häufiger Trockenheit im Sommer kann so die Ertragssicherheit verbessert werden. Luzerne nimmt jedoch Schaden durch Bröckelverluste, was gegen den Aufbereiter spricht.
Die Futterbaumischung mäht er zum ersten Schnitt am Morgen vor 9 Uhr, um die Insekten zu schonen. Aus dem gleichen Grund kann der Schnitt auch am Abend nach dem Insektenflug erfolgen. Am Morgen kreiselt er sofort nach dem Mähen und schwadet am Nachmittag und bringt die Silage am Abend ins Hochsilo ein.
Beim gräserreichen Zwischenfutter kommt der Aufbereiter
Bei der Zwischenfuttermischung geht er gleich vor, setzt jedoch den Aufbereiter ein. «Bei den groben Raigrasstängeln bringt der Aufbereiter einen Vorteil. Hier spart mir der Aufbereiter einen zusätzlichen Tag Trocknungszeit. Sein Einsatz lohnt sich trotz des zusätzlichen Leistungsbedarfs.»
Das Frontmähwerk mit dem Heckaufbereiter ist flexibel in der Anwendung und kann gezielt eingesetzt werden. So kann Rolf Huber mit dem Frontmähwerk alleine auch die Ökoflächen mit derselben Maschine schneiden.
Lieber schwaden als aufbereiten und kreiseln
Der zweite Schnitt wird auf den Heustock gebracht und dabei geht Rolf Huber vor allem mit dem Schwader ans Werk. «Beim zweiten Schnitt benötige ich den Aufbereiter erst recht nicht: Die Schönwetterfenster sind häufiger und länger, es ist genügend Zeit für die Sonnentrocknung des Futters vorhanden. Ich muss dann aber sehr schonend mit der Luzerne-Mischung umgehen, um Bröckelverluste zu vermeiden.»
Nach dem Mähen kreiselt er wieder sofort und schwadet am Abend. Am zweiten Tag legt er gegen Abend die Schwaden nebeneinander. Am dritten Tag dreht er zwei Schwaden zu einem grossen Schwad, lässt ihn fertig trocknen und führt das Futter ein. «Mir ist es lieber, das Futter mehrmals zu schwaden als zu kreiseln. Es erscheint mir schonender für die Luzerne.»
Betriebliche Voraussetzungen nutzen
Allerdings gibt Rolf Huber zu bedenken, dass dieses Vorgehen vor allem auch deshalb möglich ist, weil die entsprechenden Parzellen vor allem in südlicher Ausrichtung gelegen sind. Nordseitig wäre er sich nicht sicher, ob das Konzept so funktionieren würde.
Der Einsatz eines Aufbereiters ist also immer auch eine Frage der betrieblichen Voraussetzungen.
Vielleicht lohnt es sich, die Einstellung des Aufbereiters zu verändern, statt stets die volle Intensität beizubehalten. Wenn man hier zurückschraubt oder ganz auf das Aufbereiten verzichtet, tut das nicht nur den Insekten gut, sondern auch der Wirtschaftlichkeit, wenn weniger PS ins Gras gesteckt werden.
Allerdings braucht es Flexibilität, wie oft in der Landwirtschaft wo letztlich das Wetter bestimmt wie lange man Zeit für Erntearbeiten hat.
Schlaumähen und Insekten schonen
Gemäss der «Schlaumähen»-Kampagne des Schweizer Bauernverbandes SBV kostet der Aufbereiter gegenüber dem Verzicht auf den Aufbereiter doppelt so vielen Heuschrecken das Leben. In einem blühenden Bestand sind es bis zu sieben Mal mehr Bienen. Mit der Kampagne «Schlaumähen» lanciert der SBV, in fachlicher Zusammenarbeit mit Partnern, die Sensibilisierung gegenüber den Gefahren für Insekten und Kleintieren. Das Projekt gibt Empfehlungen für tierschonendes Mähen und stellt Alternativen wie Doppel-messermähwerke vor. Nebst der Gerätetechnik spielen auch die Einsatzzeitpunkte eine mehr oder weniger grosse Gefahr dar. Dem SBV ist es wichtig, dass beim Mähen den Wildtieren Sorge getragen wird. Diese sind verantwortlich für die Bestäubung vieler Kulturpflanzen und somit ertragsrelevant.

