Kurz & bündig
-Landwirt Benjamin Ramseier aus Süderen BE hat die Waldbewirtschaftung in seiner DNA. Seine Familie pflegt ihre 25 ha Wald seit Generationen. -Mit regelmässiger Holznutzung stärkt Ramseier die Waldqualität. -Dadurch kann das Holzen im Privatwald im Winter ein wichtiger Betriebszweig sein.
Für Landwirt Benjamin Ramseier in Süderen, zwischen Berner Oberland und Emmental, hat die Waldbewirtschaftung eine grosse Bedeutung. Zu seinem Betrieb gehören 25 Hektaren Wald, den er jährlich nutzt und pflegt. Der Wald ist neben Milchproduktion und Viehzucht ein wichtiger Betriebszweig für seinen Betrieb. Bei der Waldpflege denkt er über Generationen. Vom Auf und Ab durch die sich stets ändernden Holzpreise lässt er sich nicht beeinflussen.
Für viele der 20 000 Schweizer Landwirte und gleichzeitig Waldbesitzer ist der Wald jedoch eine zu grosse Arbeitsbelastung, um diesen selbst zu bewirtschaften. Die Waldpflege und die Nutzung werden vernachlässigt, ganz sein gelassen oder an ein Forstunternehmen ausgelagert.
Es schaut für viele Betriebe zu wenig raus, als dass sich diese Arbeit lohnen würde. Zudem erfordert der Wald nicht eine Ernte wie bei Ackerkulturen. Wenn man die «Ernte» einmal auslässt, geht noch nichts verloren. Und so vergeht Jahr um Jahr – und das Know-how schwindet.

Benjamin Ramseier hat die Waldbewirtschaftung im Griff
Benjamin Ramseier hat das Holzen und die Waldpflege im Griff. Er managt seinen Wald selbständig und erledigt die Arbeiten mit seiner Familie auf eigene Faust. Beratung erhält er bei Bedarf vom Förster.
Seit Generationen wird auf dem Betrieb im Winter geholzt, die Arbeit liegt ihm im Blut. Ramseier liebt die Waldarbeit, weshalb er jährlich nach fachlichen Aspekten in den Wald fährt, für den er in Generationen denkt.
Die Marktlage ist zwar auch für ihn wirtschaftlich entscheidend, aber nicht so, dass er bei der Bewirtschaftung deswegen Kompromisse eingehen würde. Zum Beispiel den Wald nur dort zu nutzen, wo die Zugänglichkeit am einfachsten ist und mit gleichem Aufwand mehr Holz transportbereit gemacht werden kann, als in steilem Gelände.
Kein Wunder, fühlt man sich in seinem Wald wohl. Es gibt weder Fahrspuren von Rückegeräten, noch Bodenverdichtungen oder Dornenwuchs, in dem sich kein schöner Jungwuchs etablieren kann.
Auf einer Höhe von 1100 m ü. M. stehen in Ramseiers Wald vor allem Fichten. Die Tannen haben mächtige Stämme bis weit hinauf. In der Sägerei gibt das etwas her. Was seit Jahrzehnten gut gepflegt wird, bringt jetzt einen wirtschaftlichen Vorteil mit guter Holzqualität. Es zeigt sich deutlich, dass die Familie Ramseier die Waldbewirtschaftung seit mehreren Generationen professionell erledigt. Hier hat keiner den Wald «schleissen» lassen und so will es auch Benjamin Ramseier wie seine Vorgänger tun.

Holzen passt sehr gut zu den anderen Betriebsarbeiten
«Wir holzen von etwa Mitte November bis Ende Februar. Die Arbeit passt sehr gut zu unserem Betrieb. Zwischen den Stallarbeiten am Morgen und am Abend planen wir unsere Waldarbeit. Wir können dabei sehr flexibel planen und unsere Arbeit passend zum Betrieb einteilen.»
Benjamin Ramseier hat dafür eine schlagkräftige Truppe mit seinem Vater und einem Lehrling. Zudem wird er vom Nachbarn unterstützt, der sein Cousin ist. Sie helfen sich gegenseitig aus und sind sehr routiniert.
In den letzten drei Jahren war das Holzen wieder rentabler. 2022 konnte Benjamin Ramseier einen durchschnittlichen Erlös von 95 Franken pro Kubikmeter realisieren. Allerdings rechnet er für den nächsten Winter mit einem tieferen Preis. Diesbezüglich tauscht er sich mit dem Holzhändler aus, dem er das Holz liefert.
Der Holzpreis richtet sich nach Angebot und Nachfrage, aber mit vielen Einflussfaktoren. Dazu gehören die Euro-Währungskrise und Substitute fürs Holz. Aber auch Naturereignisse wie Stürme, Hitze und Schädlinge, die kurzfristig zu einem grösseren Angebot an Holz auf dem Markt führen.
Auch mit langfristigem Denken Holzpreis nicht ausser Acht lassen
Dem Generationendenken zum Trotz, hat die Holzpreisschätzung dennoch einen Einfluss, ob Benjamin Ramseier mehr oder weniger Holz für den nächsten Winter anzeichnet.
«Bei tieferen Holzpreisen wird weniger geerntet, als der jährliche Durchschnitt von 250 Kubikmetern. So flexibel sind wir natürlich. Wichtig ist, dass die Erneuerung des Waldes gewährleistet ist. Dazu müssen die grössten Tannen genutzt werden. Aber zwei, drei Jahre mehr oder weniger spielen keine Rolle.»
Die gesamte Waldfläche liegt an einem Stück. Die Teilflächen sind so gewählt, dass alle zwanzig Jahre eine Bewirtschaftung erfolgt.
Durch diese Bewirtschaftungsweise wird der Wald naturnah und stabil gehalten. Die Altersklassen unterscheiden sich auf kleinem Raum. Man nutzt das Holz, schaut aber gleichzeitig, dass die jungen Bäume gute Bedingungen vorfinden um die Lücken zu füllen.
Das braucht bei der Bewirtschaftung ein gutes Auge, damit immer genügend Licht einfallen und der Jungwuchs heranwachsen kann. Bei dieser «Bestandesführung» handelt es sich um einen Plenterwald. In diesem sich stetig verjüngenden Dauerwald gibt es keinen Kahlschlag, der Wald bleibt durch die Nutzung mit einzelnen Tannen stets hoch und ausgeglichen – und damit wertvoll.
Allein das ist für Benjamin Ramseier ein wichtiger Grund, den Betriebszweig Wald nicht in Frage zu stellen. Würde er die Bewirtschaftung nicht mit der gleichen Sorgfalt wie bisher weiterführen, käme es in den nächsten Jahrzehnten zu einem Wertverlust im Wald.
Nutzung und Pflege stärkt den Wald
Laut Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer, ist ein gepflegter Wald stabiler und vitaler als ein unbewirtschafteter. Er kann die Waldleistungen in der Regel besser und vor allem längerfristiger erbringen.
Zudem kann ein gepflegter Wald schon heute an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst werden. So können in tieferen Lagen wie im Mittelland Nadelbäume, die wegen des Klimawandels zunehmend Probleme haben, durch Misch- und Laubwälder ersetzt werden. Bei Benjamin Ramseier ist ein «Waldumbau» bisher kein Thema. Dank der Lage auf 1000 m ü. M. sind Trockenheit und Hitze weniger ausgeprägt als im Mittelland.

Förster als Berater für den Betriebszweig Wald
Holzen ist eine gefährliche Arbeit und wer für Dritte arbeitet, benötigt eine Ausbildung. Ein Lehrling muss ebenfalls einen Kurs absolvieren, um mit der Motorsäge zu hantieren.
Für das Holzen benötigen Benjamin Ramseier und sein Team keine grosse Maschinerie. Motorsägen, eine Stockwinde und eine Seilwinde am Traktor sind die wichtigsten Werkzeuge.
Im Herbst wird das Holz mit dem Förster angezeichnet. Dabei werden auch gleich die Kubaturen berechnet. Der Förster ist für Ramseier auch der Berater für den Betriebszweig Wald.
Obschon die Bäume langsam wachsen, gibt es immer wieder Situationen, in denen zügiges Handeln notwendig ist. So hat in den letzten Jahren der Wildschaden durch Hirsche enorm zugenommen. Die Tiere fegen das Geweih am Jungwuchs und sorgen vor allem bei Weisstannen für Verbiss.
Den Jungwuchs zu schützen ist kaum möglich. Das bräuchte eine massive Umzäunung. Benjamin Ramseier hofft hier auf eine angemessene Regulierung des Wildbestands. Zudem wartet er mit dem Ausdünnen des Jungwuchs länger zu, damit sich die Chance auf ein unverletztes Bäumchen vergrössert.
Effizient und schonend Holzen ist kein Widerspruch
«Wenn wir im November mit dem Holzen beginnen, fällen wir zuerst das Holz in den steilen Lagen. Meistens hat es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Schnee, was die Arbeit erleichtert.»
Bis Ende Jahr ist dann alles Holz gefällt. Die meisten Stämme werden auf zehn Meter abgelängt und ans Holzlager am Wegrand gebracht. Das Holz wird mit einer Seilwinde gerückt.
Holz, das Bemjamin Ramseier nicht für den Bau verkauft, wird für Holzschnitzel für den Eigenbedarf verwendet oder verkauft. So kann alles Holz verwertet werden. Das Holzrücken mit der Seilwinde ist eine heikle Angelegenheit, damit der Jungwuchs nicht zu Schaden kommt. «Wenn es notwendig ist, wechseln wir die Position der Winde mehrmals und hängen den Stamm neu an, damit ein Stamm schonend zum übrigen Bestand aus dem Wald gezogen werden kann.»
Im Winter kann man in Süderen noch mit Schnee und Frost rechnen. Das erleichtert das Rücken des Holzes und schont den Waldboden und dort, wo das Holz über ein Feld gerückt wird, natürlich auch diesen Boden.
Der Wald beschäftigt Benjamin Ramseier auch ausserhalb der Saison, er macht dann regelmässige Kontrollgänge. So wie man das auch bei Ackerkulturen macht, hat auch der Wald eine Kontrolle verdient. Dabei geht es vor allem darum, von Borkenkäfer befallene Tannen zu fällen, um eine Ausbreitung des Schädlings zu verhindern. 2023 mussten beispielsweise fünf Tannen so eliminiert werden.
Die Landwirte in der Region unterstützen einander dabei. Der Wald hat für die meisten Betriebe eine grosse Bedeutung und die Landwirte wissen, worauf es bei der Bewirtschaftung und der Pflege ankommt.
So kommt es vor, dass ein Landwirt von der anderen Talseite den Wald des Nachbarn gegenüber besser überblickt und eine «Käfertanne» schneller erkennen kann, als der Besitzer selbst. «In solchen Fällen unterstützen wir uns gegenseitig und machen einander auf den Käferbefall aufmerksam.»
Benjamin Ramseier hat den Wert des Waldes in den letzten Jahren direkt miterlebt. Als die Lieferkanäle aus dem Ausland stockten und die Preise für Energie anstiegen, stieg auch die Nachfrage nach einheimischem und verfügbaren Holz als Baumaterial und Energieträger.
Der Wald wird für die Wirtschaft auch in Zukunft mal mehr und mal weniger Bedeutung haben. Für Benjamin Ramseier wäre es jedoch angenehm, mehr wirtschaftliche Planungssicherheit beim Betriebszweig Wald zu haben. Ramseier wünscht sich Förderungsmassnahmen. Nicht für sich direkt, sondern für alle Nutzer von Schweizer Holz, damit bei der Nachfrage mit einem stabilen Niveau gerechnet werden kann.
Betriebsspiegel der Familie Ramseier
Benjamin Ramseier, Süderen BE LN: 35 Kulturen: Futterbau Tierbestand: 30 Milchkühe, 50 Jungvieh Weitere Betriebszweige: Viehzucht und 25 ha Wald Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater, Lehrling
Wald ist für viele Forstbetriebe wirtschaftlich nicht rentabel
Jährlich werden in der Schweiz 5,5 Mio Kubikmeter Holz geerntet. Das entspricht einem Marktwert von über 400 Mio Franken. Zudem bietet die Schweizer Forstwirtschaft rund 7000 Arbeitsplätze und viele Ausbildungsplätze. Im Auftrag des Bundes ermittelt Wald Schweiz die wirtschaftlichen Kenn-zahlen bei Forstwirtschaftsbetrieben. Dazu unterhält Wald Schweiz das «Forstwirtschaftliche Testbetriebsnetz (TBN)», welches 160 öffentliche Forstbetriebe aus den Forstzonen Jura, Mittelland, Voralpen und Alpen (inkl. Alpensüdseite) umfasst. Ziel ist es, die wirtschaftliche Situation der Forstbetriebe detailliert abzubilden und darauf aufbauend Schlussfolgerungen für die gesamte Branche zu ziehen. Forstbetriebe arbeiten oft defizitär Der durchschnittliche Verlust über den Gesamtbetrieb lag 2022 bei den TBN-Betrieben bei 2 Franken/Hektar (2021: 29 Franken/Hektar Verlust). In der Waldbewirtschaftung, dem Kerngeschäft der Forstbetriebe, lag der Verlust im 2022 bei 16 Franken/Hektar (2021: 33 Franken/Hektar Verlust). Grund für die Verbesserung ist vor allem der höhere Holzerlös. Grosse regionale Unterschiede Im Mittelland und in den Voralpen werden höhere Holzerlöse erzielt, weil der Nadelholzanteil an der Gesamtnutzung höher und die Holzqualität tendenziell besser ist. In den Alpen resultieren aufgrund der schlechteren Qualität tiefere Holzerlöse und die Kosten sind höher. Quelle: Wald Schweiz

