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Fehlende Rohstoffe und viele Bestellungen verzögern die Auslieferung neuer Traktoren

Die weltweite Produkte-Lieferknappheit ist in der Schweiz auch bei Landmaschinen und Traktoren angekommen. Eine Umfrage bei Händlern und Importeuren zeigt, dass doppelt so lange auf eine neue Maschine gewartet werden muss. Ein Maschinenersatz muss früher bestellt werden.

Kurz & bündig

- Die Landtechnik-Industrie ist von der Knappheit bei Rohstoffen betroffen. - Es fehlt an Stahl und vorgefertigten Produkten wie Elektronik-bauteilen. - Die Lieferzeiten für neue Maschinen haben sich zum Teil verdoppelt. - Die Landtechnik-Branche empfiehlt den Kunden, Ersatz-bestellungen frühzeitig anzugehen.

Aufgrund von Produktionsausfällen bei Zulieferern oder wegen globaler Transportproblemen herrscht eine weltweite Materialknappheit bei vielen Rohstoffen. Beispielsweise bei Stahl und Vorprodukten wie Elektronikbauteilen. Damit werden auch Landmaschinen gebaut.

Hersteller von Elektronikgeräten und Autos mussten ihre Produktion zum Teil drosseln oder sogar einstellen. Hier schlugen die Risiken der Globalisierung voll durch, die Abhängigkeit von funktionierenden Lieferketten wurde aufgedeckt.

Zum Beispiel, wenn in Deutschland keine Autos mehr gebaut werden können, weil in China wegen der Pandemie Container-Schiffe nicht beladen werden oder eine Verkehrsachse blockiert ist.

Werden im Zuge des Klimawandels die Wasserpegel verändert, muss man in Zukunft die Verkehrsachsen noch mehr im Auge haben. Möglicherweise verändern sich die Handelswege für Container-Schiffe, wenn die Wasserstrassen austrocknen oder überflutet werden.

Wenn die Fertigung von Industrieprodukten in Zukunft weiterhin von «just in time»-angelieferten Teilen aus der ganzen Welt abhängig ist, wird immer öfter mit stillstehenden Produktionsstrassen zu rechnen sein. Es wird vermutlich immer öfter irgendetwas irgendwo in einem Container stecken bleiben. Hier wird die Industrie, für mehr Planungssicherheit, Lösungen suchen müssen. Das wäre dann eine Lehre aus der aktuellen Situation für die Zukunft.

Aktuell wollten wir von Schweizer Händlern und Importeuren wissen,

  • ob die derzeitige Rohstoffknappheit die Herstellung von Landmaschinen und Traktoren beeinträchtigt.
  • ob sich dies auf den Maschinenhandel in der Schweiz auswirkt.
Fehlende Rohstoffe und viele Bestellungen verzögern die Auslieferung neuer Traktoren
Nicht nur der Stahl ist aktuell ein knapper Rohstoff. Auch vorgefertigte Produkte wie Elektronikbauteile sind rar.

Landtechnik-Industrie von Rohstoff-Engpässe betroffen

«Die Landtechnik-Industrie spürt die gestiegenen Rohstoffpreise und die Materialknappheit im Halbleiterbereich. Dies führt zu schlecht planbaren Lieferzeiten», führt Markus Angst, Geschäftsführer der GVS Agrar AG aus.

Die Rohstoffknappheit ist jedoch nur ein Faktor. Peter Aregger, Produktmanager bei Agriott, weist auf den europaweiten Landmaschinen-Boom hin. Auch dies beeinflusst die Liefergeschwindigkeit, wenn die Hersteller an ihren Kapazitätsgrenzen produzieren.

Aus diesem Grund konnten vor allem deutsche Hersteller ein extrem erfolgreiches Geschäftsjahr 2020 verbuchen. Amazone steigerte seinen Umsatz beispielsweise um 15 Prozent, wie der «Eilbote» in der Ausgabe von Oktober 2021 schreibt. Auch andere Hersteller wie Fliegl oder Horsch steigerten ihre Umsätze im Jahr 2020 um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem die Bodenbearbeitungs-Spezialisten eine hohe Nachfrage erleben. So steigerte beispielsweise auch Väderstad aus Schweden seinen Umsatz um gut 13 Prozent und Pöttinger aus Österreich um knapp 11 Prozent. Allerdings entfallen bei Pöttinger ein grosser Teil der Verkäufe auf den Grünlandbereich.

Trotz – oder wegen – der guten Auftragslage kommt es bei Pöttinger vor allem bei Heuernte-Geräten zu längeren Wartezeiten für bestellte Maschinen, sagt Gregor Dietachmayr, Sprecher der Geschäftsführung. Die angespannte Situation auf dem Rohstoffmarkt und die erhöhte Nachfrage führte zu teilweise dramatisch gestiegenen Preisen und Verzögerungen in der Lieferkette.

«Durch die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Lieferanten konnten wir bisher unsere Produktionsbänder jedoch mehr oder weniger gut versorgen. Wir bemühen uns sehr, die Aufträge unserer Kunden zu erfüllen. Mit grossem Aufwand gelingt uns dies derzeit», so Dietachmayr.

Fehlende Rohstoffe und viele Bestellungen verzögern die Auslieferung neuer Traktoren
Viele europäische Landtechnik-Hersteller erzielten im Jahr 2020 Rekordumsätze. Die Nachfrage ist weiterhin gross, aber die Rohstoffe knapp.

Ersatzbeschaffungen weiter im Voraus planen

Geht es um Ersatzbeschaffungen, sind sich die befragten Landtechnikfirmen einig, dass länger im Voraus geplant und eine Bestellung aufgegeben werden muss, damit die Auslieferung rechtzeitig erfolgt. Daran wird sich so rasch auch nichts ändern.

Markus Angst von der GVS Agrar AG geht davon aus, dass man sich in naher Zukunft mit der aktuellen Situation arrangieren muss. Lagen die Lieferzeiten nach seiner Erfahrung vor der Krise bei drei bis fünf Monaten, sind es nun sechs bis zwölf Monate. Allerdings sei dies je nach Produktgruppe sehr unterschiedlich.

Gregor Dietachmayr von Pöttinger hat bereits einen Trend festgestellt, wonach Landwirte und Lohnunternehmer stärker im Voraus planen, damit die benötigte Maschine zum Saisonstart vorhanden ist.

Peter Aregger von Agriott ermuntert ebenfalls zu frühzeitigen Bestellungen. Nicht nur wegen der Lieferverzögerungen, sondern auch, weil die Preise zurzeit immer noch steigen.

Daniel Bernhard, Leiter des New Holland Center Schweiz, erinnert daran, dass Kunden in der Vergangenheit meistens exakt auswählen konnten und rasch beliefert wurden. Das kann heute nicht mehr gewährleistet werden: «Dort, wo ein Produkt dringend benötigt wird, muss der Kunde unter Umständen Kompromisse eingehen können. Er muss auf Lagerprodukte zurückgreifen, welche vielleicht nicht zu 100 Prozent seinen Wunschvorstellungen entsprechen.»

Die Importeure versuchen, Maschinen ans Lager zu nehmen

Fehlende Rohstoffe und viele Bestellungen verzögern die Auslieferung neuer Traktoren
Neumaschinen müssen frühzeitig bestellt werden.

«Als Importeur müssen wir heute viel weiter in die Zukunft schauen. Das macht die Koordination der Versorgung der Produkte innerhalb der Schweiz noch komplexer und kostenintensiver. Wenn möglich, versuchen wir, mit einer vorausschauenden Lagerplanung diese Situation zu entschärfen», ergänzt Daniel Bernhard. Dank vorausschauender Planung waren die Lager bei der GVS Agrar AG Anfangs 2021 gut gefüllt. Mit erhöhten Bestellungen versuchte man, den Bestand weiterhin auf einem normalen Niveau zu halten. «Allerdings sind diese Bestellungen auch von Verzögerungen betroffen, sodass unsere Lagerbestände seit Sommer 2021 ausserordentlich tief sind», so Markus Angst. Er ist jedoch stolz darauf, dass durch das dichte und professionelle Händlernetz immer eine Lösung für die Kunden gefunden werden kann.

Matthias Baumann, Verkaufsleiter der Bachmann AG in Tägerschen TG, welche Kubota-Traktoren importiert, empfiehlt ebenfalls, Kompromisse einzugehen und Lagertraktoren zu kaufen, wenn es pressiert. «Für neue Modelle müssen sich Landwirte früher entscheiden und nicht warten, bis die alte Maschine kaputt geht und sich eine Reparatur nicht mehr lohnt. Wir bestellen mehr Maschinen im Voraus, ohne zu wissen, ob sie so in dieser Ausrüstung verkauft werden.»

Die Maschinen frühzeitig ans Lager nehmen, hat sich auch bei der Völlmin Landtechnik AG in Ormalingen BL bewährt. Das Unternehmen teilt auf Anfrage mit, dass im Jahr 2020 mehr Lagermaschinen beschafft wurden und erneut auch im Frühjahr 2021. Dadurch können immer noch Lagermaschinen verkauft werden.

Allerdings ist bei Völlmin auch die Nachfrage nach Gebrauchtmaschinen gestiegen. Es scheint, als würden die Kunden nehmen, was es hat, wenn dringender Bedarf vorhanden ist. Am meisten waren Kipper von einer längeren Lieferzeit betroffen. Spricht man hier von normalerweise sechs bis acht Wochen, sind es heute bis zu zwanzig Wochen.

In einem besonderen Markt ist die Hochdorfer Technik AG in Küssnacht am Rigi tätig. Sie ist auf Gülletechnik spezialisiert und hat derzeit aus politischen Gründen mehr als genug mit der Fertigung von Schleppschlauch-Verteiltechnik zu tun. «Bei uns ist die Situation geprägt durch das Schleppschlauch-Obligatorium. Darauf waren wir vorbereitet und wir haben zum Glück ein grosses Materiallager angeschafft. Dadurch ist uns das Material nicht ausgegangen und wir konnten die Produktion voll durchziehen», so Geschäftsführer Armin Betschart.

Die Lage entspannt sich vorerst nicht

Die meisten befragten Landtechnik-Firmen spürten spätestens im Frühjahr 2021, dass der Liefernachschub nicht mehr wie gewohnt gewährleistet ist. Dabei haben alle bereits im Jahr 2020 erhöhte Lieferbestellungen getätigt, um in Anbetracht der Situation einen Lagerbestand aufzubauen. Tatsache ist jedoch, dass heute die Lieferzeiten länger sind. Im besten Fall sind dies «nur» zwei Monate zusätzlich, wie beispielsweise bei Same Deutz-Fahr. Wie Andres Graf, der Verkaufsleiter von SDF in Schwarzenbach SG auf unsere Nachfrage erklärt, wartete man Ende 2020 rund drei Monate auf einen neuen Traktor.

Mittlerweile seien es durchschnittlich fünf Monate. Obschon hier SDF die Lieferverzögerungen in Grenzen zu halten vermag, ermuntert Andres Graf die Kunden die längere Lieferzeit bei einer Neuanschaffungen zu berücksichtigen.

David Lindner, Marketing- und Exportleiter des Familienunternehmens Lindner im Tirol erwähnt, dass sich die normale Lieferzeit für Traktoren und Transporter von normalerweise rund zwei Monaten nun verdoppelt hat.

David Lindner ist auch Geschäftsführer von Lindner Schweiz und empfiehlt trotz der erhöhten Lieferzeit, den Traktor oder den Transporter gezielt auf die Betriebsbedürfnisse auszuwählen. Bei der Ausstattung Kompromisse einzugehen sei auf lange Sicht die falsche Lösung.

Andres Graf von SDF hat festgestellt, dass die Nachfrage nach sofort verfügbaren Gebrauchtmaschinen gestiegen ist. Auch Markus Angst von der GVS Agrar AG sieht gängige Maschinen und Geräte auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt als Mangelware.

Gebrauchtmaschinen helfen zwar, den Markt zu entlasten, allerdings wird der Gebrauchtmarkt selbst auch weniger beliefert und trocknet mit der Zeit aus.

Fehlende Rohstoffe und viele Bestellungen verzögern die Auslieferung neuer Traktoren
Auf die Auslieferung neuer Maschinen muss man derzeit nicht nur länger warten, wegen knapper Ressourcen ist auch mit höheren Preisen zu rechnen.

2022 wird eine Entspannung erwartet

Beim Landtechnik-Hersteller Pöttinger geht man aufgrund der Angaben seiner Rohstofflieferanten davon aus, dass sich die Liefersituation in der zweiten Hälfte des Jahrs 2022 normalisieren wird. David Linder aus dem Tirol zeigt sich optimistisch und hofft, dass es bereits im Frühjahr 2022 zu einer Entspannung kommt.

Gemäss Peter Aregger von Agriott sind Lieferverzögerungen nichts Neues und hätten sich bisher nach acht bis zwölf Monaten immer normalisiert. Dieses Mal sei die Lage jedoch besonders, es sei noch kein Ende in Sicht. Vor allem auch, weil die Hersteller zum Teil mit Aufträgen überflutet werden.

Laut Markus Angst von der GVS Agrar AG wird sich die Situation so rasch nicht bessern. Er erwartet, dass die Auswirkungen bis mindestens Mitte 2022 noch stärker als bisher spürbar sein werden.

Führen die Rohstoffknappheit und Lieferprobleme dazu, dass zu Weihnachten weniger Kunststoff-Kitsch umgesetzt wird, ist dies ja gut für die Umwelt. Dass aber auch die Landtechnik-Industrie betroffen ist, ist langfristig nicht gut.

Unsere Umfrage zeigt, dass man momentan nicht darum herumkommt, den Maschinenpark zu durchleuchten und eine Neuinvestition früher als gewohnt anzustossen.

Bei agropool.ch sind Traktoren zur Zeit sehr gefragt

agropool.ch ist der grösste Online- Marktplatz in der Schweiz für den Handel mit neuen und gebrauchten Landmaschinen, Traktoren und Einrichtungen. Die Online Plattform gehört zur Schweizer Agrarmedien AG, die auch Herausgeberin unseres Fachmagazins «die grüne», der «Bauern-Zeitung» und der «Tierwelt» ist. Die Suchanfragen auf agropool.ch lassen einen Rückschluss auf den Maschinenmarkt in der Schweiz zu. Eine aktuelle Analyse von agropool.ch für das Jahr 2020 und bis November 2021 deckt sich mit den Angaben der befragten Händler im Haupttext. So wurden die Lieferzeiten, beispielsweise für Neu-Traktoren, im Verlauf des Jahres 2020 immer länger. Landwirte und Lohnunternehmer suchten gleich-zeitig vermehrt nach Alternativen im Gebrauchtmarkt, wenn Traktoren rasch ersetzt werden müssen. Die agropool.ch-Plattform verzeichnet seit September 2021 eine besonders gestiegene Nachfrage nach Traktoren. www.agropool.ch

«die grüne» fragt nach

Die Rohstoffknappheit betrifft auch die Landtechnik-Industrie. Die Nachfrage nach Stahl und vorgefertigten Komponenten übersteigt das Angebot. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Landtechnik in ganz Europa sehr gross. Das führt aktuell zu längeren Lieferzeiten für Neumaschinen. «die grüne» befragte Importeure und Hersteller in Europa und der Schweiz zur aktuellen Situation. Die Antworten finden Sie im Haupttext.