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Die Investition in Windenergie kann sich für Bauern auszahlen

Die Schweiz ist abhängig von Stromimporten im Winterhalbjahr. Dies soll sich mit dem Bau von Windkraftanlagen ändern, die ab Januar 2023 bis zu 60 Prozent vom Bund unterstützt werden sollen. Auch die Landwirtschaft hätte Potenzial, Strom aus Windenergie zu produzieren.

Angesichts einer mög­lichen Energiekrise gewinnen einheimische und erneuerbare Energiequellen zunehmend an Bedeutung. So sind Fotovoltaik (PV)-Anlagen mittlerweile auf landwirtschaftlichen Betrieben ein Thema. Weniger bekannt ist die Möglichkeit, auch Windenergie als Quelle zu nutzen. Dieser kommt vor allem im Winter eine besondere Bedeutung zu: Denn PV-Anlagen arbeiten logischerweise weniger effizient bei bewölktem Wetter. Die dadurch entstehende Stromlücke kann mit Windenergie überbrückt werden.

Die Investition in Windenergie kann sich für Bauern auszahlen
Weil ein Teil der Niederschläge als Schnee fällt und die Tage kürzer sind, liefern Wasserkraft und Solarenergie im Winter weniger Strom. Bei der Windenergie ist es umgekehrt. Die Winde sind im Winter stärker, weshalb die Windkraftanlagen zwei Drittel ihrer Produktion in diesem Halbjahr produzieren können – dann wenn der Energiebedarf fürs Heizen und die Beleuchtung am höchsten sind.

In der Schweiz wird Windenergie bisher noch selten genutzt, gerade einmal 41 Windkraftanlagen stehen hierzulande, d. h. weniger als 1 % des Stroms stammt aus Windenergie – obwohl es der Schweiz nicht gerade an Wind mangelt. In den Nachbarregionen produzieren dagegen weit über 7000 Windenergieanlagen Strom. Aktuell ist die Schweiz noch von Importen im Winterhalbjahr abhängig. Nun könnte ein neues Gesetz, das am 1. Januar 2023 in Kraft tritt, zur Kehrtwende führen und die Investition in Windenergie interessanter machen, auch für landwirtschaftliche Betriebe.

Hohes Windpotenzial

Das Windpotenzial der Schweiz ist sehr viel höher als bisher angenommen. Dies zeigt eine neue Studie zur Bestimmung des Windenergiepotenzials in der Schweiz, die von der Firma Meteotest AG im Auftrag des Bundesamts für Energie erstellt wurde. In der Schweiz könnten pro Jahr 29,5 Terawattstunden (TWh) Strom aus Wind­energie produziert werden. 19 TWh davon allein im Winterhalbjahr. Der Grossteil dieses Potenzials liege im ­Mittelland mit 17,5 TWh. Im Jurabogen und in den grossen Alpentälern könnten zusammen über 7,8 TWh sowie im Alpenraum über 4,2 TWh pro Jahr produziert werden. Zu einer sicheren Stromversorgung in der Schweiz und zu einer Verringerung der Auslandsabhängigkeit würde schon ein Teilausbau von 30 % des gesamten Windenergiepotenzials (rund 1000 Windenergieanlagen mit 8,9 TWh/Jahr, 5,7 TWh im Winter) beitragen.

Der Standort ist entscheidend

Neben den grossen Windkraftanlagen mit Rotorblättern ist immer häufiger auch von vertikalen Windturbinen zu lesen, welche wegen ihrer geringen Höhe auch auf Häuserdächern oder im Garten installiert werden können. So will beispielsweise die Klimastiftung Schweiz mit 1,1 Mio Franken die Entwicklung solcher kleinen Anlagen fördern. Wer bereits über eine PV-Anlage verfügt, könnte mit dem Gedanken spielen, in ein solches Modell für die Wintermonate zu investieren.

Laurent Scacchi von der Suisse Eole, der Schweizerischen Vereinigung zur Förderung der Windenergie, rät von diesem Gedanken jedoch ab. «Sofern sich die Betriebe nicht an windexponierten Standorten befinden, lohnen sich die hohen Investitionskosten von 50'000 bis 100'000 Franken für eine Windkraftanlage bis 20 m Höhe mit weniger als 30 kW nicht.» Windexponierte Standorte erreichen Windgeschwindigkeiten von 6 bis 7 m/s. Winde in der Umgebung von Wohngebieten selten eine höhere mittlere Geschwindigkeit von 3 m/s. Dem stimmt auch Roland Aregger zu. Wenn schon wenig Wind vorhanden ist, dann sollte man auf den effizientesten Windkrafttyp setzen in Form der horizontalen Windanlage. Der gelernte Landwirt betreibt seit nun fast 20 Jahren einen kleinen Windpark mit zwei Windkraftanlagen von 50 und 60 m Nabenhöhe (Nennleistung je 900 kW) im luzernischen Entlebuch und produziert über 1 Mio kWh pro Jahr.

Der Bau von grossen Anlagen lohnt sich

Bereits in den frühen 1990ern interessierte sich Familie Aregger für erneuerbare Energie. «Auf dem Hof meiner Eltern hat es immer gewindet. Da lag es nahe, die Windenergie für die Eigenversorgung zu nutzen», erzählt er der BauernZeitung. Wegen der schlechten Einspeisetarife wurde die Idee einer kleinen Windturbine für den Eigenbedarf jedoch schnell beiseitegelegt.

«Hier hat es schon immer gewindet. Da lag es nahe, die Windenergie zu nutzen.»

Der gelernte Landwirt Roland Aregger interessierte sich schon früh für erneuerbare Energie und investierte in Windkraftanlagen.
Die Investition in Windenergie kann sich für Bauern auszahlen

Aregger interessierten dann wenige Jahre später die grösseren Windkraftanlagen von mind. 30 m Höhe. Dafür wurden Vorabklärungen und Windmessungen vorgenommen. Auch mussten einige Abklärungen betreffend Luftfahrthindernis, Richtfunktstrecken, Vogelzug und eine Vorprüfung des kantonalen Raumplanungsamtes durchgeführt werden. «Mit den Ertragsprognosen und den garantierten Vergütungen für erneuerbare Energien konnte ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlage er­wartet werden», erzählt er. Das Projekt «Windenergieanlage Feldmoos» gelangte dann Ende 1999 an den Gemeinderat Entlebuch, um das Baubewilligungsverfahren einzuleiten. Ende 2003 wurde der Nutzungsplan von der Gemeindeversammlung genehmigt, 2004 erhielt Aregger die Baugenehmigung. Nach Abschluss aller Verträge entstand dann endlich 2005 die erste Anlage.

Aktiengesellschaft gegründet

Zusammen mit seinen zwei Brüdern und dem Vater gründete er die Aktiengesellschaft Wind­power AG – «uns wurde vom Treuhänder dazu geraten, den ­Windpark unabhängig vom Landwirtschaftsbetrieb zu betreiben. Es würden sich sonst zu viele Sachen vermischen, wenn mehrere daran beteiligt sind», weiss Roland Aregger heute. Mittlerweile hat sein Bruder den Landwirtschaftsbetrieb übernommen. Er selbst widmet sich nun voll und ganz der Windenergie. Neben der jährlichen Produktion von Strom für 250 bis 280 Haushalte bietet Aregger anderen Landwirten und Unternehmen seine Hilfe bei der Planung, Beratung und Projektierung von Windenergie an.

Hohe Kosten, hoher Ertrag

Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Windenergie weiss der ehemalige Landwirt, worauf man bei der Planung einer solchen Anlage achten muss. Wie erwähnt würden sich kleine Windkraftanlagen für Betriebe wirtschaftlich meist nicht lohnen, wenn der Standort grundsätzlich schlechte Windverhältnisse besitzt. Anders sieht es aus an abgelegeneren Standorten, beispielsweise auf der Alp, wo höhere Windgeschwindigkeiten herrschen. Im Tal gilt die Devise: Je höher gebaut wird, desto besser ist der Ertrag. «Dieser verdoppelt sich, wenn man statt in eine 30 m hohe Windkraftanlage in eine mit 60 m Nabenhöhe investiert», so Roland Aregger.

Nicht zu missachten seien die behördlichen Hürden und Kosten, die mit der Planung einer grossen Windkraftanlage auf einen zukommen. Aregger investierte 1,4 Mio. Franken in seine erste Anlage, 800'000 Franken in eine zweite, gebrauchte. Jährlich würden rund 3–6 % der Investitionskosten in den Unterhalt, den Service und die Versicherung fliessen. Zudem benötigen gros­se Anlagen von über 30 m Höhe ein Nutzungsplanverfahren bzw. einen kantonalen Richtplan mit Gebietsausscheidung. Dabei ist Geduld gefragt. Während in der EU gerade mal zwei Jahre für das Planungs- und Bewilligungsverfahren benötigt werden, dauern diese hierzulande bis zu 25 Jahre, da viele Untersuchungen durchgeführt werden müssen.

Zudem sollte man ein so gros­ses Projekt und Risiko nicht ohne Partner eingehen. Dazu rät auch Laurent Scacchi: «Ich empfehle Landwirten, sich zusammenzuschliessen und eine Genossenschaft zu gründen, um die hohen Investitionskosten tragen zu können.» So haben es beispielsweise rund 12 Landwirte bei La Joux-du-Plâne NE getan. Um ihre landwirtschaftliche Tätigkeit in einem Berggebiet dauerhaft sichern zu können, gründeten sie eine GmbH. Mit den 10 geplanten Windenergieanlagen von mehr als 200 m Höhe könnten insgesamt 67 GWh/Jahr produziert werden.

Erleichterung ab 2023

Mit dem Inkrafttreten eines neuen Gesetzes ab dem 1. Januar 2023 wird die Umsetzung weiter gefördert, indem der Bund von bis zu 60 % der Gesamtinvestition von neuen Windkraftanlagen, die für die nationale Strom­versorgung eingesetzt werden, übernehmen wird.

Zudem befinden sich derzeit Massnahmen zur Beschleunigung der Verfahren im parlamentarischen Prozess, wie Brigitte Mader vom Bundesamt für Energie mitteilt. Es handle sich dabei um die Parlamentarische Initiative 22.461: «Dringliches Gesetz zur Beschleunigung von fortgeschrittenen Windparkprojekten und von grossen Vorhaben der Speicherwasserkraft».

Bund stärkt Förderung

Der Bundesrat hat an einer Sitzung vom 23. November 2022 verschiedene Verordnungen im Energiebereich angepasst («Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien»). Zum einen werden für grosse Fotovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) erstmals Auk­tionen eingeführt, d. h. jeder Produzent, der eine bestimmte Menge Solarenergie am günstigsten produziert, erhält einen Zuschlag. Die Auktionen sind für PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch vorgesehen, wie sie typischerweise auf Lagerhallen oder Scheunen errichtet werden. Für alpine PV-­Anlagen wird zusätzlich ein Bonus eingeführt, weil diese für den Winterstrom wichtig sind. Zudem können neu auch Biogas-, Windenergie- und Geothermieanlagen sowie neue Kleinwasserkraftanlagen einen Investitionsbeitrag von bis zu 60 % erhalten. Die Verordnungen werden auf den 1. Januar 2023 in Kraft gesetzt.

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