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Der Thurgau plant ein Regierungsgebäude in Holzbauweise

Holz gewinnt als Baustoff an Bedeutung. So plant der Kanton Thurgau eine Erweiterung des Regierungsgebäudes in Holzbauweise. Ob das Projekt realisiert werden kann, entscheiden die Thurgauer Stimmberechtigten am 27. September.

Mit dem Regierungsgebäude in Frauenfeld verfügt der Kanton Thurgau lediglich über ein wirklich grosses Bürogebäude. Die Verwaltung muss auf 25 Mietobjekte ausweichen. Deshalb ist ein Projekt für einen modernen, wirtschaftlichen und effizienten Er­gänzungsbau in Holzbauweise ­ausgearbeitet worden. Das Thurgauer Kantonsparlament hat bereits im Dezember einem Neubaukredit von 39,8 Millionen Franken zugestimmt. Diesem steht ein mittelfristiges Einsparungspotenzial von jährlich rund 630 000 Franken gegenüber. Am 27. September entscheiden die Thurgauer Stimmberechtigten, ob das Bauvorhaben realisiert wird. Kürzlich traf sich die parlamentarische Arbeitsgruppe Wald und Holz des Kantonsparlaments und tauschte sich zu diesem Projekt aus.

Holz gewinnt an Bedeutung

Simon Biegger bemerkte an diesem Treffen, dass Holz heutzutage eher mit Wald, Erholung und Sport und weniger mit der wirtschaftlichen Produktion in Bezug gebracht werde. Der Geschäftsführer vom Verband Lignum-Ost geht jedoch davon aus, dass Holz als Baustoff wieder zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag verwies auf den Auftrag des Thurgauer Waldgesetzes. Dieser verlangt, dass die staatlichen Stellen die Verwendung von einheimischem Holz fördern sollen.

Auf einheimische Arten fokussieren

Zudem schreibt die Thurgauer Waldverordnung vor, dass bei der Planung von kantonalen und vom Kanton subventionierten Vorhaben die Möglichkeit der Verwendung von Holz zu prüfen ist. Zu Beginn des neuen Jahrtausends baute der Kanton Thurgau die ersten einstöckigen Bauten aus Holz und 2014 entstand am Kompetenzzentrum Arenenberg in Salenstein der erste mehrgeschossige Bürobau aus Holz. Haag betonte, dass sich der Thurgauer Holzbau auf die Baumarten Fichte, Tanne, Buche und Esche fokussieren sollte, die drei Viertel des Holzvorrates ausmachen.

Die Holzpreise sind zurzeit allerdings so tief, dass es sich für niemanden lohnt, Holz zu schlagen. «Wegen des Borkenkäfers muss viel Holz geschlagen werden», betonte Haag. Für den Ersatzbau des Regierungsgebäudes würden grosse Mengen an Käferholz aus dem Staatswald als Konstruktionsholz verarbeitet werden.

Holzbauten sollten Standard werden

Paul Koch, Förster und Präsident von Lignum-Ost, bemerkte, dass Betonbauten heute nicht mehr Standard seien. Er wünscht sich, dass künftig auch Gemeinden, Pensionskassen, Bauern, Gewerbe und Industriebetriebe mehr mit Holz bauen. Im Kanton Thurgau stünden dafür sehr fähige Architekten, Planerinnen und Unternehmer zur Verfügung und es wachse eine neue Generation an Fachleuten heran. Bauen mit Holz sollte im Thurgau Standard werden.

Rund 10 000 Kubikmeter Käferholz

Laut Maria Brühwiler, Geschäftsführerin der Brühwiler Sägewerk und Fensterholz AG in Wiezikon, will der Kanton rund 10 000 Kubikmeter Käferholz verarbeiten und für verschiedene Projekte einsetzen. Alle Sägereien seien einverstanden und und würden nun zusammenspannen, damit die Holzindustrie in der Region ­Lignum-Ost die Produkte für grosse Holzbauten bereitstellen kann. Beim Thurholz-Geschäftsführer Toni Horat wurden bereits 3500 Kubikmeter Rundholz gemeldet. Etwa 1800 davon wurden zu 1000 Kubikmetern Schnittwaren verarbeitet und eingelagert.

«Ein gutes Gefühl»

Für den Fall, dass der Erweiterungsbau nicht gebaut werden kann, besteht laut Toni Horat ein Ausstiegsszenario. Dieses sieht vor, dass die grossen Mengen an Rohprodukten, hauptsächlich Leimholzlamellen und Brettschichtholz für Schuler-Blockholzplatten, auf dem Markt abgesetzt werden könnten. Der Erlös ginge zugunsten des Kantons. «Bisher habe ich wenig Widerstand gegen dieses Projekt erfahren», sagte Carmen Haag. Sie hat für den Ausgang der Abstimmung ein «uhh-gutes» Gefühl.

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