Männer auf dem Feld, Frauen am Herd
Hilda Gross ist 77 Jahre alt und bereits auf dem Bruderhof in Alberta aufgewachsen. ,Bei uns Hutterern ist die Küche Frauenarbeit‘ ,erklärt sie. Die Männer arbeiten auf den Feldern und im Stall. ,Bis 50 Jahre kochen und backen wir Frauen, danach machen wir leichtere Arbeiten bis wir 60 sind.‘ Nach dem 60. Lebensjahr beginnt der Ruhestand, wobei Kinderhüten nicht als Arbeit gerechnet wird. Auf die Frage ob die grossen Teigrollen in der Küche auch zur Erziehung der Männer diene meint Hilda schmunzelnd : ,Ja wenn nötig.‘ Ein bissl‘ Spass müsse aber sein, ergänzt sie sofort in dem für Hutterer typisch bayrischen Dialekt.
Keine Scheidung, keine Inzucht?
Der Betrieb in Alberta ist Heim und Arbeitsplatz für 130 Personen. Rund die Hälfte der Bewohner sind Kinder. ,Meine Mutter lebte schon hier und hatte 13 Kinder‘, erzählt Hilda Gross. Sie selber lebe mit ihrer Schwester zusammen, da sie beide nie geheiratet hätten. ‚Wir glauben nicht an die Scheidung, daher muss man sicher sein, den Menschen gefunden zu haben mit dem man alt werden will.‘ Inzucht sei jedoch kein Problem bei ihnen, man besuche ab und zu andere Bruderhöfe und so lerne man neue Leute kennen, so Hilda. Wissenschaftler sind da jedoch anderer Meinung. Ob den auch die Gefahr bestehe, dass sie einen Mann von ausserhalb angeln würden? ,Nein, das passiert nicht‘, sagt sie lachend.
Totale Eigenversorgung
600 Schweine, 80 Milchkühe, 400 Schafe, Rinder, Kälber , Hühner, Truthühner und Gänse werden auf dem Betrieb gehalten. In einem betriebseigenen Schlachthaus werden die Tiere verarbeitet. Beim Federvieh würden die Jungen und Mädchen die Tiere Rupfen, die weitere Verarbeitung würden die Erwachsenen übernehmen, so Hilda. Sogar eine eigene Räucherei ist vorhanden. Aus den Federn würden sie Kissen und Decken machen, die Wolle der Schafe werde verkauft. Im Sommer werde das Schlachthaus auch zum Einmachen von Früchten und Gemüse gebraucht.
Kleider aus Eigenproduktion
Die Kleider nähen sich die Hutterer selber. Die Frauen haben eine Art Tracht aus blau oder violette gemustertem Blumen Stoff. Es gebe einen speziellen Agenten der auf die Bruderhöfe komme und den Stoff verkaufe.
Beten und singen ist den Hutterern wichtig, im Sommer komme man aber weniger dazu, so Hilda, da man in dieser Zeit draussen viel zu Arbeiten habe. ‚Wir taufen unsere Kinder erst mit 20, da sie dann wissen was es ist.‘ Zu bestimmten Anlässen kommen Leute verschiedener Bruderhöfe zusammen, so z.B. für Beerdigungen. Man habe dann eine Predigt und singe bis Mitternacht, danach gebe es Lunch. Das bietet auch Gelegenheit, Leute anderer Höfe kennen zu lernen.
Tamara Wülser,
war mit Lesern der BauernZeitung auf Reisen in Kanada

