Von der nicht nachhaltigen Vernunft der Gesellschaft

Einsicht ist nichts, was bei Schweizerinnen und Schweizern im Übermass vorhanden ist. Viel zu schnell wird in alte Muster zurückgefallen, der Einkauf wieder ennet der Grenze und nicht mehr im Hofladen gemacht.

Noch nicht allzu lange ist es her, als sich überall in den Medien die erfreuliche Nachricht verbreitet hat, dass die Hofläden wie selten florierten, denn die Schweizer Bevölkerung kaufte vermehrt regional und direkt beim Bauern ein. Wunderbar – nur leider nicht nachhaltig. Stand heute ist der Umsatz in den Hofläden gesamtschweizerisch wieder deutlich zurückgegangen. Die scheinbar eingekehrte Vernunft der Gesellschaft hält meist nur kurz an und basiert oft nicht auf Einsicht, sondern auf irgendwelchen vorübergehenden Existenz- oder Futterängsten. Ändert sich die Situation, dann fällt die Mehrheit schnell wieder ins alte Muster zurück. Die guten Vorsätze sind vergessen, die Grenzen halt wieder offen, dem Einkaufstourismus steht nichts mehr im Wege, wie leider auch dem Gewissen nicht.

Die Urahnen waren auch Jäger - nicht nur Beerensammler

Auch die Befürworter der Massentierhaltungs-Initiative unterstützen den regionalen Einkauf nicht und nehmen vermehrten Fleischimport bewusst in Kauf. Denn, wenn die Initianten tatsächlich daran glauben, dass sie mit der Annahme der Initiative die Schweizer Bevölkerung zu mehr Veganismus umerziehen können, dann haben sie wohl zu viele Gebrüder Grimm-Märchen gelesen. Bei solchem Denken wird gerne verdrängt, dass unsere Urahnen nun einmal Jäger waren. Die haben auch auf echte Tiere geschossen, nicht nur Beeren gesucht. Und das hat seinen Grund.

Mit etwas mehr Verzicht ist das Notstromaggregat im Einfamilienhauskeller unnötig

Toilettenpapier- und Teigwarenberge sind durch. Der neue Hype ist das Horten von Notstromaggregaten im Keller von Privathaushalten, die mit grosser Wahrscheinlichkeit irgendwann auf dem Schrotthaufen enden werden. Weil «ungebraucht zurück» meist nicht funktioniert. Unser Wohlstand ist so gross, dass wir uns für alle möglichen Gau’s wappnen wollen. Dabei wäre mit ein bisschen Vernunft, etwas mehr Verzicht und mit «grad hurtig chli studiere» oft schon viel zu erreichen. Und übrigens ist das Aufladen vom Handy «im Fau» kein Menschenrecht.

Fehlendes Wasser für die Tiere und nicht das für die wöchentliche Autowäsche ist eine Bedrohung

Die aktuell grosse Trockenheit macht mir viel grössere Sorgen. Wir haben auf unserem Betrieb das Privileg, dass unsere Wasserversorgung auch jetzt noch wunderbar funktioniert. Wenn man aber jeden Tag sehnlichst auf Regen hofft, weil die eigenen Quellen nicht mehr genügend Wasser liefern, um den Haushalt, geschweige denn die Tiere zu versorgen, dann sind schlaflose Nächte keine Seltenheit. Dies ist eine echte Bedrohung! Und so nervt es mich unendlich, wenn ich bei der Autowaschanlage zusehen muss, wie saubere Autos für ihren wöchentlichen Autoputz Schlange stehen.

Deren Besitzer – vermutlich auch Notstromaggregat-Horter – wässern ihre Karossen eine gefühlte Ewigkeit. Ich finde das in der momentanen Situation respektlos und äusserst egoistisch. Wo bleibt da bitte die Vernunft? Auch ein auf Hochglanz poliertes Auto ist kein Grundrecht! Diese Wasch- wie auch alle Rasensprinkleranlagen gehörten trockengelegt. Zumindest bis nach dem nächsten anständigen Regen. Ach, jetzt fällts mir ein: Den Dieselstrom aus dem Keller brauchen dieselben dann zum Staubsaugen ihrer Autos – logisch.

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