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Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit!

Am Weihnachstag feiern wir die Geburt von Jesus Christus. Wann genau der Gottessohn tatsächlich zur Welt kam, ist unbekannt. Aber nicht zufällig wurde der Feiertag auf den 25. Dezember gelegt, weiss der reformierte Pfarrer Ueli Burkhalter.

Für mich ist die Advents- und Weihnachtszeit jedes Jahr eine besondere Zeit. Eine Zeit mit vielen Veranstaltungen und Terminen und oft weniger besinnlich, als ich es mir persönlich wünschen würde. Bei vielen Menschen, denen ich in dieser Zeit begegne, spüre ich eine gespannte Vorfreude auf Weihnachten.

Am schönsten finde ich jeweils die unbeschwerte Vorfreude von Kindern auf das Weihnachtsfest. Für andere aber ist es auch eine schwierige Zeit, weil sie allein sind. Ihre Einsamkeit wird ihnen umso schmerzlicher bewusst, wenn alle um sie herum in fröhlicher Erwartung auf das Weihnachtsfest sind.

Das Fest der Sonne im spätantiken Rom

Wir befinden uns in der dunklen und kalten Jahreszeit. In diese finstere Zeit fällt auch das Weihnachtsfest. Traditionell am 25. Dezember feiert die christliche Welt die Geburt von Jesus Christus.

Wann der Gottessohn tatsächlich zur Welt kam, können jedoch nicht einmal die Frühchristen wissen. Die Weihnachtsgeschichte des Lukas­evangeliums hat keine Angaben zu Tag, Monat und Jahr des Ereignisses. Erst rund 300 Jahre nach Christus findet der 25. Dezember als Jesu Geburtstag Eingang in den christlichen Glauben. Nicht zufällig, denn im spätantiken Rom ist dies ein beliebter Feiertag, gewidmet dem Sonnengott Sol, dem Sol Invictus (unbesiegte Sonne).

Nach dem von Julius Cäsar installierten Kalender ist der 25. Dezember das Datum der Wintersonnenwende, der Tag, von dem an das Licht wieder Oberhand über die Finsternis gewinnt.

Der Kirchenvater Augus­tinus (354–430) vereinnahmt den 25. Dezember als Festtag der Christen: «Wir sollen also, Brüder, diesen Tag feierlich begehen, nicht wie die Ungläubigen um dieser Sonne willen, sondern um dessentwillen, der die Sonne geschaffen hat.»

Leben in Solidarität und Gerechtigkeit

Zwei biblische Texte begleiteten mich persönlich in dieser Advents- und Weihnachtszeit. Zum einen ein Textwort des alttestamentlichen Propheten Jesaja:

«Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht.»

Jesaja 9,1

Das Volk Israel lebt zur Zeit des Propheten Jesaja in einer schwierigen Zeit. Ein kleines Volk, bedroht von den Machtgelüsten der damaligen Grossmächte. Es ist eine unsichere Zeit und niemand weiss, was die Zukunft bringen wird. Das Volk Israel wandelt im Dunkeln. Viele Fragen und Ängste bedrängen die Menschen: Auf was können wir bauen? Wem können wir vertrauen in diesen schwierigen Zeiten? Viele haben persönlich das Gefühl, im Dunkeln unterwegs zu sein.

Der Prophet Jesaja redet zum Volk Israel in mahnenden Worten, er weist auf Missstände hin und ruft die Menschen auf, umzukehren und in Solidarität und Gerechtigkeit zu leben. Gleichzeitig erinnert der Prophet das Volk Israel daran, auf Gott zu vertrauen, der sein Volk auch in schwierigen Zeiten nie allein gelassen hat und auch in der gegenwärtigen schwierigen Situation nicht allein lässt. Er erinnert das Volk an Gottes Dasein und seine Treue. Die göttliche Gegenwart ist wie ein grosses Licht, das in die Finsternis hineinleuchtet und Halt und Orientierung gibt.

Auch heute Orientierung und Kraft in unsicheren Zeiten

Auch wir leben in schwierigen Zeiten. Ein Krieg vor unserer Haustür, dazu der Klimawandel und verschiedene andere Krisen, die uns verunsichern und bedrohen. Auch wir haben manchmal das Gefühl, im Dunkeln unterwegs zu sein, und fragen nach Orientierung und Kraft in diesen unsicheren Zeiten. Auch uns gilt die Verheis­sung des grossen Lichts, das in die Finsternis unseres Lebens und die Finsternis der Welt hineinleuchtet und uns den Weg weist. Das göttliche Licht, das uns Gottes Gegenwart verheisst und uns Mut macht, an eine gute Zukunft zu glauben.

Zum andern stärkt ein Wort aus dem neuen Testament meine Hoffnung und mein Vertrauen:

«Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt.»

Johannes 8,12

Christus als das Licht der Welt, für mich persönlich ein wunderschönes und ermutigendes Bild. Das göttliche Licht ist im Kind in der Krippe bei uns angekommen. Dieses Licht bewegt und ermutigt uns Menschen, nicht zu resignieren, sondern gibt uns die Kraft, uns für das Leben einzusetzen, trotz allem, was immer wieder dagegenspricht.

Ich wünsche Ihnen allen ein frohes und lichtvolles Weihnachtsfest. Behüt euch Gott!

Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unserer Zeit!
Das farbige Glasfenster des Künstlers Walter Loosli im Kirchlichen Zentrum Busswil BE. Das Kunstwerk heisst: «Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt».

Zum Autor

Ueli Burkhalter ist Pfarrer in der Kirchgemeinde ­Diessbach b. Büren im Kanton Bern und Synodalrat der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.