Seit Anfang Dezember hat der Winter die Schweiz im Griff. Nicht nur im Kalender ist es seit dem meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember winterlich, auch die Temperaturen sind seither klar im winterlichen Bereich angelangt. So liegen beispielsweise die durchschnittlichen Tages-Mitteltemperaturen im Schweizer Mittelland seit Anfang Dezember rund ein Grad unter dem langjährigen Dezember-Durchschnitt. Der grosse Schneefall blieb hingegen bisher aus. Ist das Zufall und geht das auch in der zweiten Adventshälfte so weiter?
Nicht zwingend Schneefall
Dass eine länger andauernde kalte Witterungsphase nicht unbedingt mit grossen Schneefällen verbunden ist, ist eigentlich nichts Neues. Damit in Mitteleuropa unterdurchschnittlich kalte Temperaturen herrschen, müssen Luftmassen aus dem Sektor Nord oder Ost herangeführt werden. Während bei nordwestlicher Anströmung durchaus noch grössere Mengen Feuchtigkeit vom Nordatlantik die Schweiz erreichen können, nimmt der Feuchtigkeitsgehalt stetig ab, je weiter östlich die Luft ihren Ursprung hat.
So ist Luft aus Nordosten bis Osten zwar fast immer kalt, aber eben auch fast immer sehr trocken. Luftmassen aus Norden oder Osten bringen – wenn überhaupt – meist nur sehr seichte Feuchtigkeit mit sich. Das heisst, die Wasser- und Eispartikel befinden sich nur in den unteren Schichten der Atmosphäre. Mit einer seichten Verteilung der Feuchtigkeit kann meistens nur sehr schwacher Niederschlag und somit nur schwacher Schneefall ausgelöst werden.
Ein spezieller Spezialfall
Ausnahmen gibt es, wenn über dem Alpenraum verschiedene Windrichtungen kombiniert auftreten, also wenn der Zustrom kalter Luft aus Norden oder Nordosten nur in den tiefen Schichten der Atmosphäre vorherrscht und in der Höhe mildere und feuchtere Luft aus Süden oder Westen herangeführt wird. Dann ist auch in der Höhe genügend Feuchtigkeit für intensivere Niederschläge vorhanden und die Schneefälle sind stärker und ergiebiger. Auf das Ende dieser Woche zeichnet sich eine entsprechende Wetterlage ab, wenn nebst Kaltluft aus Nordosten auch feuchtere Luft von einem Tief bei Spanien die Schweiz erreicht.
Allgemein sind Wetterlagen mit solch unterschiedlichen Anströmungsrichtungen relativ selten, doch die Lage am Wochenende verdient besondere Erwähnung, da sie quasi einen Spezialfall unter den Spezialfällen verkörpert. Denn üblicherweise werden diese Lagen von einem einzelnen Kaltluftvorstoss respektive einem zentralen Tiefdruckzentrum in der Höhe gesteuert. Im speziellen Fall dieses Wochenendes spielt jedoch neben dem Kaltluftvorstoss und seinem entsprechenden zentralen Tief über Dänemark eben auch noch ein unabhängiges Tief über Spanien mit. Diese zwei Tiefdruckzentren drängen sich gegenseitig etwas ab, was dazu führt, dass über der Schweiz sowohl die Zufuhr der Feuchte aus Südwesten wie auch die Zufuhr der Kaltluft aus Norden zu stocken beginnt und die Niederschläge damit wiederum schwächer ausfallen. Die ersten Schneefälle bis in tiefe Lagen dürften damit absehbar sein, auch wenn die Neuschneemengen dabei wohl eher klein ausfallen.
Die Wettermodelle sind sich jedoch einig, dass sich der oben erwähnte Kaltluftvorstoss im Laufe des dritten Adventswochenendes über Mitteleuropa durchsetzen kann und die Kaltluft auch die Alpennordseite flutet. Dabei kann aus der seichten Feuchte nochmals wenig Schnee fallen – im Gegensatz zum schwachen Schneefall dürfte jedoch der Temperaturrückgang deutlich grössere Auswirkungen haben.
Bleibt es kalt? Und wenn ja, wie lange?
Mit Temperaturen von rund −10 Grad auf einer Höhe von 1500 Metern ist der Start in die Kalenderwoche 50 überall sehr kalt. Wie tief die Temperaturen tatsächlich sinken, hängt wiederum von vielen lokalen Faktoren ab. Dabei dürften eine allfällige Neuschneedecke und auch die Wolkendecke eine zentrale Rolle spielen.
In den Gebieten mit einer geschlossenen Schneedecke ist die Wärmeabstrahlung der Schneeoberfläche deutlich grösser als über einer aperen Erdoberfläche. Nach einer klaren Nacht sind also in den schneebedeckten Gebieten vielerorts Tiefsttemperaturen im zweistelligen negativen Bereich wahrscheinlich. Bleibt die Wolkendecke geschlossen, so ist dieser Abstrahlungseffekt deutlich reduziert.
Die kalte Luft scheint sich jedoch nicht richtig nachhaltig über der Schweiz zu etablieren. Bereits zur Wochenmitte ist mindestens in der Höhe wieder ein Temperaturanstieg zu erwarten. Ein klassisches Weihnachtstauwetter zeichnet sich jedoch trotzdem noch nicht ab. Die Westwindzirkulation über dem Atlantik scheint auch im weiteren Verlauf der Adventszeit aus der Bahn geworfen zu sein und die Tendenz zu einem Abdrängen des Westwindgürtels nach Süden oder nach Norden besteht weiterhin. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für weitere Kaltluftvorstösse an – auch wenn diese zeitweise von Einschüben mit milder Luft unterbrochen werden.

