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Schön geschmückte letzte Ruhestätte

Gut soll die Grabbepflanzung aussehen, ohne dass die Pflege zur Last wird. Jetzt ist ein idealer Moment für den Einstieg in die pflegeleichte Dauerbegrünung.

Lange war ein Grab auf dem Friedhof die gängige letzte Ruhestätte. Heute werden zunehmend Alternativen gewählt: Die Angehörigen verstreuen die Asche der Verstorbenen an einem besonderen Ort, es gibt Waldbestattungen, die Asche wird zu einem Diamanten gebrannt.

Ort der Erinnerung

Und doch entscheiden sich immer noch viele für das klassische Grab auf dem Friedhof. Es ist ein Ort der Erinnerung, wo Angehörige um ihre Verstorbenen trauern und mit anderen Menschen zusammen treffen. Der Gang auf den Friedhof hilft, mit dem Verlust umzugehen. Die Grabbepflanzung ist ein Teil dieses Prozesses, und sie ist zudem ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber der verstorbenen Person, öffentlich sichtbar.

Hans Jörg Schilliger bepflanzt und pflegt seit über 40 Jahren Gräber. Der Biogärtner von der Neuhof-Gärtnerei im aargauischen Birr beobachtet, dass zunehmend Steine die Pflanzen auf den Gräbern verdrängen. «Der Grabstein ist doch das Denkmal aus Stein», findet er, auf dem Grab selber sieht er es gerne grünen und blühen. «Das lebt», sagt er und verweist auf die Insekten, die das Nahrungsangebot der Pflanzen nutzen.

Es braucht Pflege

Aber niemand weiss besser als er, dass ein bepflanztes Grab viel mehr Pflege braucht als ein Steingärtchen. Er erzählt, dass die Gräber klassischerweise dreimal im Jahr neu bepflanzt werden: Zu Ostern, Pfingsten und Allerheiligen, eventuell mit einer Zwischenbepflanzung im Herbst. Dazwischen wird gegossen, gejätet, zurückgeschnitten und ausgebrochen. Ja, das ist ein Aufwand. Zur Last sollte es nicht werden. Es besteht die Möglichkeit, die Arbeit an eine Gärtnerei zu delegieren. Dreimal jährlich Bepflanzen kostet rund 250 bis 300 Franken pro Jahr, Giessen und Jäten nicht inbegriffen.

«Oft pflegen die Angehörigen in den ersten Jahren ein Grab intensiv. Danach werden die Friedhofsbesuche in der Regel seltener», erlebt Hans Jörg Schilliger. Dann empfiehlt der Gärtner, die bepflanzte Fläche und damit den Aufwand mit einer Einfassung zu verkleinern. Die Steine machen sich nur auf einer Hälfte des Grabes breit, während es auf der anderen Hälfte weiter grünt. Eine pflegeleichtere Variante ist die Dauerbepflanzung mit immergrünen und winterharten Pflanzen (Kasten unten). Nach Belieben sorgt eine einzelne Saisonflorpflanze ergänzend für Abwechslung und Farbe. Bei der Dauerbegrünung entfällt das saisonale Auswechseln der Pflanzen. Diese haben mehr Zeit zum Verwurzeln und müssen weniger gegossen werden. Etwas Pflege brauchen aber auch sie: Rück- und Formschnitt, Unkraut jäten, Stauden durch Abbrechen der Spitzen zum buschigen Wachstum bringen.

Monokulturen sind anfällig

Ein Grab voll rotblühender Begonien oder farbiger Stiefmütterchen macht sich gut. Aber Hans Jörg Schilliger bevorzugt etwas mehr Individualität auf den Gräbern, orientiert sich dabei wenn möglich an den Verstorbenen, nimmt Form und Farbe des Grabsteins auf. Ausserdem seien «Monokulturen» anfälliger auf Krankheiten, gibt er zu bedenken. Wenn sie in einem Jahr nicht optimal geraten, ist das ganze Beet gleichermassen betroffen. Unterschiedliche Pflanzen hingegen können Schwächen gegenseitig kompensieren. «Pflanzen in Schalen eignen sich schlecht», sagt Schilliger weiter. Sie sind zwar schnell hingestellt, müssen aber häufig gegossen werden, weil sie sonst rasch austrocknen – dieser Aufwand werde gerne unterschätzt.

Wer Pflanzen für das Grab einkauft, sollte das nicht nur nach Lust und Laune tun. Wie immer beim Gärtnern gilt auch auf dem Friedhof der Grundsatz, standortangepasste Pflanzen auszuwählen. Ist das Grab der prallen Sonne ausgesetzt oder liegt es im Halbschatten an einer Kirchenmauer oder unter Bäumen? Ist der Boden tief- oder flachgründig? Generell empfehlen sich auf dem Friedhof Pflanzen, die mit Trockenheit zurechtkommen. Auch wer häufig ein Grab besucht, fährt vielleicht einmal in die Ferien.

Raum zum Entfalten

«Lassen Sie beim Einkauf die Pflanzen von einer Fachperson auslegen oder tun Sie es selber, um die Wirkung auf dem Grab zu beurteilen», rät Hans Jörg Schilliger. Er rechnet mit sieben bis neun Pflanzen pro halber Quadratmeter. Die Pflanzen dürfen ruhig mit etwas Abstand gesetzt werden: Sie sollen noch wachsen und sich entfalten können. Im Sommer sind die Pflanzen wüchsiger als im Winter und werden darum lockerer gesetzt.

Beim saisonal Auswechseln der Pflanzen entnimmt der Gärtner mit den Wurzelballen einige Zentimeter mehr Erde und ergänzt das neu Gesetzte mit frischer Erde.

Einige Grundsätze zur Bepflanzung

Struktur: Unterschiedliche Blattfarben und -formen und Pflanzenhöhe bringen Struktur indie Bepflanzung.

Farbe: Eine harmonische, aber dennoch spannende Wirkung erzielt, wer farblich Ton in Ton arbeitet und dazu einen Kontrast setzt. Eine Kombination von zu vielen Farben und Formen hingegen wirkt unruhig.

Hohe Pflanzen: Sie sollten nicht direkt vor dem Grabstein gepflanzt werden, sonst verdecken sie die Inschrift.

Schnecken: An schattigen Plätzen und am Rand der Gräberreihen fühlen sie sich besonders wohl. Hier empfehlen sich Pflanzen, die von Schnecken gemieden werden, zum Beispiel Fuchsien, Echeverien und Begonien.

Dünger: Grabpflanzen kommen gut ohne Flüssigdünger aus. Die Topferde von gekauften Pflanzen ist in der Regel ausreichend mit Langzeitdünger versorgt.

Pinzieren: Das Entspitzen zögert zwar den Zeitpunkt der Blüte etwas hinaus, regt dafür die Pflanze zu einem buschigen Wachstum an, wie es auf einem Grab erwünscht ist.

Hauswurz (Sempervivum):

Die folgende Auswahl an winterharten und immergrünen Pflanzen für Dauerbegrünung bietet sich für die Pflanzung im Herbst an: [IMG 2] Eine Pflanze für jeden Standort, die Hitze, Trockenheit und Kälte problemlos erträgt. Sie breitet sich durch Tochterrosetten aus und bilden in kurzer Zeit flächige, dekorative Matten. Das Tüpfchen auf dem i ist der Moment, wenn ein Blütenstängel aus der Blattrosette herauswächst. Strauchveronika (Hebe): Es gibt sie in vielen verschiedenen Farbtönen und Formen. Achtung: Nicht alle Sorten sind winterhart. Sie bevorzugen einen sonnigen bis halbschattigen Standort, im Frühjahr werden sie etwas in Form geschnitten. Purpurglöckchen (Heuchera): Eine genügsame, robuste Pflanze, die es für verschiedene Standorte in passenden Varianten gibt. Sie bieten viele Kombinationsmöglichkeiten mit Nachbarpflanzen. Im Frühjahr werden abgestorbene Blätter und nach der Blüte die welken Blütenstände entfernt. Bevor die Pflanze wieder austreibt, ungefähr im Februar, fördert ein Rückschnitt das buschige Wachstum. Ziergras (Carex): Auch hier gibt es zahlreiche Sorten. Viele ertragen sehr tiefe Temperaturen, aber nicht alle; bei der Auswahl muss zudem auf immergrüne Sorten geachtet werden. Grundsätzlich sind sie sehr dauerhaft und anspruchslos. Im Frühjahr werden unschöne Triebe entfernt. Nelken (Dianthus): Im Winter sehen die Blätter von mehrjährige Nelkenstauden dekorativ aus. Noch schöner wird es, wenn sie aufblühen, je nach Sorte ab Frühling bis Herbst. Sie sind frosthart und genügsam, was Wasser und Dünger betrifft. Zu viel Nässe im Winter kann aber Fäulnis verursachen. Verblühtes wird regelmässig entfernt. Auch Gewürzstauden wie Salbei oder Thymian eignen sich als dekorative Dauergrünpflanzen. Auch Efeu ist sehr anspruchslos, aber auch wüchsig und braucht darum einen regelmässigen Rückschnitt.

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