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Schlachtvieh: Nicht zu schnell zu viele Tiere auf den Markt bringen

Michel Roulin erklärt im Interview den veränderten Fleischkonsum in der Corona-Krise und wie man sich ohne Schlachtviehmärkte organisiert.

Die Schlachtviehproduzenten konnten im vergangenen Jahr gesamthaft betrachtet gute Preise lösen: Der Durchschnittspreis für Schlachtschweine lag bei Fr. 4.34 (+50 Rappen) gegenüber dem Vorjahr. Für Schlachtkühe blieben die Preise stabil, während die Preise für Bankvieh und Kälber Ende Jahr leicht zurückgingen. Diese Zahlen gehen aus dem Geschäftsbericht der Freiburgischen Viehverwertungs-Genossenschaft (FVVG) hervor. Die Delegiertenversammlung der FVVG musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Michel Roulin, Direktor der Freiburgischen Viehverwertungs-Genossenschaft, beantwortete deshalb schriftlich die Fragen der BauernZeitung zur aktuellen Situation auf dem Fleischmarkt.

Wie wirkte sich die Schliessung der ganzen Gastronomiekette und der Rückgang des Fleischkonsums allgemein – vor allem der Edelstücke – auf den Schlachtviehmarkt aus?

Michel Roulin: Ja, die Schliessung der Horeca-Branche (Hotels/Restaurants/Caterings, Anm. d. Red.) hat einen starken Einbruch der Nachfrage verursacht. Damit sind alle Preise schnell gesunken. Massnahmen wie die Einlagerungsaktion der Proviande, die Reduktion der Lieferungen, das Einkaufstourismusverbot haben den Preiseinbruch nach vier Wochen gestoppt. Die Schlachtviehmärkte sind nach dem Entscheid vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) seit dem 17. März geschlossen. Damit hat sich das Angebot an Schlachtkühen reduziert.

Ging die Nachfrage stark zurück?

Die Nachfrage an Edelstücken ist stark zurückgegangen. Noch schlimmer ist es bei den Kälbern.

Die Corona-Krise ist noch nicht gebannt und die Öffnung der Gastronomie und Märkte lässt auf sich warten. Ist damit zu rechnen, dass sich die Nachfrage in den nächsten Monaten erholen wird und die Produzentenpreise wieder steigen werden?

Die Nachfrage hat sich scheinbar stabilisiert und es scheint, dass der Abwärtstrend gestoppt ist. Da auch das Angebot zurückgegangen ist, hat sich die Marktlage eher positiv entwickelt. Für die Woche 18 sind die Preise wieder leicht gestiegen. Wir müssen das Angebot unter Kontrolle halten, damit die Preise wieder steigen. Dank gewissen graduellen Öffnungen wird sich die Nachfrage wieder verstärken. Es ist nun wichtig, dass nicht zu schnell eine zu grosse Anzahl Tiere auf den Markt gebracht wird.

Es konnten keine überwachten Schlachtviehmärkte organisiert werden. Ging der Verkauf zurück? Oder konnte der freie Handel die Tiere vermitteln?

Da wir keine überwachten Märkte organisieren dürfen, ist es schwierig, den Überblick zu haben, wie viele Tiere über den freien Handel vermittelt wurden. Sicher ist, dass die meisten Produzenten Tiere zurückbehalten, wie es von der Branche (SBV, Proviande, SVV) empfohlen wurde. Wir haben dem BLV ein Schutz­konzept Covid-19 präsentiert und hoffen, baldmöglichst Märkte durchführen zu können.

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