Sofia Benagli mag die Arbeit mit den Kühen. «Ich hatte vorher keinerlei Erfahrung und daher eher Angst vor den Tieren», erzählt die junge Frau, die an der Uni Bern Veterinärmedizin studiert. Mittlerweile konnte sie die Kühe und deren Verhalten kennenlernen und tauschte die Angst gegen Respekt aus. Möglich machte das ein Praktikum auf einem Betrieb im Berner Mittelland.
Kurz, aber gut
Ein solches Praktikum schreibt die Vetsuisse-Fakultät vor. Ab 2020 ist es für Masterstudierende mit Schwerpunkt Nutztiere obligatorisch und Teil des Veterinärstudiums in Bern und Zürich. «Vor 20 Jahren kamen viele Studierende selbst von einem Bauernhof. Heute ist das nicht mehr der Fall. Dementsprechend ist weniger landwirtschaftliches Wissen vorhanden», sagt Adrian Steiner, Leiter der Nutztierklinik in Bern.
Die Dauer des Praktikums beträgt drei Wochen. Das sei kurz, bestätigt Steiner. Doch es sei besser als nichts: Es reiche für einen Eindruck, für das Erlernen grundlegender Fähigkeiten im Umgang mit Tieren und schliesslich für Gespräche mit dem Landwirt. «Das ist wichtig, damit die Studierenden die Entscheide des Landwirts besser verstehen. Im späteren Berufsalltag erleichtert das die Kommunikation», so Steiner. Bei den Studierenden, von denen heute bereits viele freiwillig ein Praktikum absolvieren, komme das gut an, sagt er weiter.
Auswirkungen beobachten
Auch Sofia Benagli ist froh um die praktische Erfahrung. Sie habe viel gelernt. Sie nennt ein Beispiel: «Eine kranke Kuh bekam Penicillin und ich konnte zusehen, wie ihre Milchleistung einbrach.» Die Auswirkungen einer kranken Kuh auf die Produktion und schliesslich auf die Entscheidungen des Landwirts wolle sie verstehen, wenn sie später einmal Tierärztin werde. «Abgesehen davon, dass es sicher von Vorteil ist, dass ich keine Angst vor Kühen mehr habe», sagt sie und lacht.

