Die Grosswetterlage der letzten Wochen brachte nicht viel Abwechslung. Bise, sommerliche Temperaturen im Mittelland und eher instabiles Tagesgangwetter mit täglichen Schauern oder Gewittern in den Alpen und südlich davon prägten das Wettergeschehen.
Nicht überall genug
Während sich in der Südschweiz dadurch der Wasserhaushalt weiter normalisierte (der Pegelstand des Lago Maggiore liegt nun seit Mitte Mai im Bereich des langjährigen Mittels), konnten im Mittelland nur vereinzelte lokale Gewitter der zunehmenden Austrocknung durch Bise und Junisonne etwas entgegenwirken – mit nur geringem Erfolg im Hinblick auf den Wasserhaushalt, dafür mit viel Ärger für diejenigen, die gerade das Gras am Boden zum Trocknen hatten.
Ein Bruch in diesem Wetterregime und etwas mehr Abwechslung wäre wohl in vielen Bereichen der Landwirtschaft willkommen. Dabei ist die Junimitte durchaus berüchtigt für Wetterumschwünge und -kapriolen, ist es doch die Zeit der Schafskälte.
Wechsel bahnt sich an
Und tatsächlich stehen zum Ende dieser Woche einige Zeichen auf Wetterwechsel: Sinkender Luftdruck, zunehmende Feuchtigkeit und vor allem eine Winddrehung von Nordost auf West deuten an, dass sich in der Grosswetterlage etwas ändert. Um die mittelfristigen Auswirkungen dieses Wetterwechsels besser abschätzen zu können, hilft es, die Ursachen und Antriebe der aktuellen Situation etwas genauer zu betrachten.
Bereits die Bisenlage der letzten Wochen wurde von einem Wettermuster verursacht, das nicht unbedingt der typischen Bisenlage entspricht. Der Kern des Hochdruckgebiets, an dessen Südostrand die Bise wehte, verharrte nämlich hartnäckig über dem Ostatlantik und im Bereich der Britischen Inseln – bei einer typischen Bisenlage liegt der Hochdruckkern meist etwas östlicher, über der Nord- oder der Ostsee, wodurch der Luftdruck und die Stabilität der Atmosphäre etwas grösser sind als während der letzten Tage. Das erhöhte Schauer- und Gewitterrisiko über der Topografie, insbesondere über den Alpen und südlich davon, war die Folge.
Das ortsfeste Verharren des Hochdruckkerns über dem östlichen Atlantik ist ein Wettermuster, das in der Fachsprache «Atlantischer Rücken» genannt wird. Bei diesem Muster wird die häufig übliche Westströmung über dem Atlantik blockiert und der Jetstream weit nach Norden abgelenkt. Aktuelle Forschungen zeigen, dass solche «blockierten Wetterlagen» in den letzten Jahren nicht unbedingt häufiger, aber intensiver und langlebiger werden.
Der Atlantik steuert
Doch nicht nur beim Betrachten der vergangenen Wetterlage wird der Blick auf den Atlantik gelenkt, auch der aktuelle Wetterwechsel hat seine Ursache im Atlantik, genauer bei den Azoren. In diesem Bereich entwickelte sich im Laufe dieser Woche ein Tiefdruckgebiet, dass nun allmählich in Richtung Westeuropa wandert und Ausläufer in Form von Frontalzonen und feuchter Luft in die Schweiz schickt.

Dabei ist erwähnenswert, dass dieses Tiefdruckgebiet einige Eigenschaften besitzt, die typisch sind für tropische Wirbelstürme – ein Phänomen, das zu dieser Jahreszeit selten zu beobachten ist. Die tropischen Eigenschaften und der Ursprung des Tiefs über dem subtropischen Atlantik führen dazu, dass die Luft, die nun am Rand des Tiefs in die Schweiz gelangt, nicht nur feucht, sondern auch sehr mild ist.
Keine Schafskälte
Aus dieser Perspektive hat die aktuelle Wetterphase mit der klassischen Schafskälte kaum etwas gemein, ausser dass beide Situationen eine Schlechtwetterphase zur Junimitte beschreiben. Das klassische vorübergehende Absinken der Schneefallgrenze, das für die Schafskälte so bezeichnend ist, fehlt komplett, die Nullgradgrenze liegt über das Wochenende mit knapp 4000 Metern sogar höher als in den Wochen zuvor. Die erwarteten Niederschläge haben somit vielmehr den Charakter von einem Sommerregen als den eines Kaltlufteinbruchs.
Wie gehts weiter?
Ebenfalls im Atlantik wird entschieden, welche Wettermuster sich nach der Monatsmitte einstellen. Dafür zeigen die Wettermodelle aktuell noch verschiedene Szenarien. In der Mehrheit dieser Szenarien scheint es jedoch eher unwahrscheinlich, dass sich die Westwinddrift über dem Atlantik wieder erholt, weitere blockierte Lagen scheinen die wahrscheinlichere Lösung zu sein. Komplett verabschieden dürfte sich die Bise damit nicht, allerdings scheint sich die Trockenheit etwas nach Norden in Richtung Skandinavien zu verschieben, während der Alpenraum unter einer eher flachen Druckverteilung und in einer feuchteren Luftmasse bleibt als bisher.

