Mit Berner Oberländerdialekt empfängt Nicole Muff ihre Gäste auf dem Schliessbachhof im Luzerner Seetal, hoch über dem Baldeggersee. Die Landfrau ist in Diemtigen im Berner Oberland auf einem Bauernhof aufgewachsen.
«Ich konnte mir nicht vorstellen, Bäuerin zu werden, und wollte nie aus dem Berner Oberland wegziehen», erzählt sie mit einem Lächeln. Aber je älter sie wurde, umso mehr schätzte sie die Landwirtschaft.
Es begann in Adelboden
Das Schicksal wollte es, dass sie in Adelboden an einem Ski-Weltcuprennen Marius aus dem Luzerner Seetal kennenlernte. «Wir zogen bald darauf zusammen und jetzt könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen.» Das sei nun schon zehn Jahre her, schwelgt sie in Erinnerung, während ihr Blick in die Ferne schweift.
«Ich bin so glücklich, wie sich alles ergeben hat.» Vor allem schätze sie es sehr, dass ihre zwei Söhne, der 6-jährige Dustin und der 3-jährige Lenny, wie sie damals auch auf einem Bauernhof aufwachsen dürfen.
Hilft überall, wo sie kann
Hier in Sulz, auf über 600 Metern über Meer, bewirtschaften Marius und Nicole Muff einen 20 ha grossen Milchwirtschaftsbetrieb mit 40 Kühen der Rasse Braun- und Fleckvieh. In Betriebszweiggemeinschaft mit ihrem Nachbarn Jakob Hartmann führen sie zusätzlich einen Pouletmaststall mit 24'000 Mastgeflügel. Die Nachbarn helfen sich gegenseitig.

Zudem wohnen die Schwiegereltern im Dorf und arbeiten regelmässig auf dem Betrieb mit. Auch Nicole Muff packt überall an, wo sie gebraucht werde. «Das ist für mich selbstverständlich», und sie mache es sehr gerne, fügt sie an.
Idee beim Frühstück
«Es ist ein Privileg, dass ich mit meinem Bauernhof-Wellnessangebot zu Hause arbeiten und somit immer für meine Kinder da sein kann», freut sich die gelernte Kleinkindererzieherin und Gesundheitsmasseurin.
Die Idee, Wellness in ihrem Bauernhaus anzubieten, sei eines Morgens beim Frühstück entstanden: «Wir haben ein grosses Haus. Ich massiere gerne. Und unser Paradies mit anderen zu teilen, war mein Bedürfnis. Wieso nicht Wellness anbieten …?», fragte sie sich damals.
Nägel mit Köpfen
Ihr Mann nahm ihre Worte ernst und zusammen machten sie «Nägel mit Köpfen». «Er hat mich von Anfang an unterstützt, ja mich sogar gefördert, meine Ideen umzusetzen.» Wellness wurde anfangs in der Stube angeboten. «Nebenbei war ich noch als Kleinkindererzieherin tätig», erinnert sich die zweifache Mutter.
Nach der Geburt ihrer Söhne kam der Wunsch nach mehr Privatsphäre. «Mit meinem Bruder, der im Diemtigtal eine Schreinerei besitzt, haben wir unseren Dachstock umgebaut. Es sprudelte nur so in meinem Kopf vor Ideen.»
Der Bruder konnte ihre Ideen optimal umsetzen, auch weil er seine Schwester gut kennt. Die ganze Innendekoration übernahm Nicole Muff selbst. Oft werde sie von Wellnessgästen angefragt, ob sie auch deren Inneneinrichtung mitplanen könne. «Im Moment ist das kein Thema, aber ich kann mir das sehr gut vorstellen.»
Flair für Inneneinrichtung
Seit 2018 ist das ganze Haus umgebaut. Von Küche, Stube bis Wellnessbereich ist alles in edel wirkenden Erdtönen gehalten. Nicoles «Buurehofwellness» wirkt einladend, mit viel einheimischen Holz, modernen und antiken Elementen.
Hier können die Gäste in einem alten Zuber oder in Milchkannen die Arme und Füsse kneippen oder ihrem Körper mit Hand- oder Fusspeeling etwas Gutes tun. Einen Wellness-Kräutertee auf einer mit Lammfellen ausgestatteten Holzbank trinken, die wunderschöne Aussicht über das Luzerner Seetal geniessen oder sich im Heubett ausruhen, was der Seele guttut.
Die Badewanne kommt an
Prominent steht eine Badewanne im Raum. Ob diese genutzt wird? «Ja, und wie», ist Nicole Muffs Antwort. Viele hätten keine eigene Badewanne zu Hause – daher sei diese heiss begehrt.

Im Wellnesspaket ist ein Apéroplättchen inklusive, saisonal und aus der Region. Zum Beispiel Pouletspiesschen mit Poulet aus eigener Mast, Tomaten mit einheimischem Weichkäse, Erdbeeren mit Brennnesselsamen und mit Blüten dekoriert. Dazu getrocknete Apfelchips und Nüsse von Luzerner Landfrauen, selbst gemachtes Pannacotta mit Erdbeertopping und Erdbeeren. «Es ist mir sehr wichtig, regionale Produkte anzubieten und den Gästen unsere regionale Vielfalt aufzuzeigen», so Nicole Muff.
Schlafen im Heu
Massagen kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr anbieten. Dafür konnte sie einen mehrfachen Gästewunsch umsetzen: Schlafen im Heu. «Dieser Raum kann auch als Ruheraum benutzt werden», ergänzt die Landfrau.

Daneben, neu eingerichtet, ein schmucker Raum mit einem schlichten Holztisch und vier Stühlen, mit Sicht ins Grüne. «Hier können die Gäste das Frühstück einnehmen.» Dieses besteht wiederum aus saisonalen und teils selbst produzierten Produkten und wird in einem Korb für die Gäste auf die gewünschte Zeit serviert.
Auch im Garten
Ihr Anliegen ist es, dass die Gäste sich bei ihnen wohlfühlen und sich erholen können. Nicole Muff möchte ihnen Zeit schenken. Neu können die Gäste an schönen Sommerabenden auch draussen einen Wein trinken. «Unser Garten ist gross – wir haben genug Möglichkeit, unsere Privatsphäre zu geniessen.»
Sie schätze es sehr, unter den Gästen auch viele Bäuerinnen begrüssen zu dürfen: «Der Austausch mit ihnen tut mir sehr gut», und es sei immer wieder interessant, wie viel man voneinander profitieren könne. Doch trotz aller Liebe zum Seetal – immer wieder fährt sie zwischendurch gern in die alte Heimat, ins Berner Oberland.
Weitere Informationen: www.buurehofwellness.ch

