Wäsche machen, aufräumen, Telefone beantworten, E-Mails schreiben: Nach drei Tagen beruflicher Weiterbildung geniesst es Nici Peter, wieder daheim zu sein. Sie ist etwas nervös. Denn für einmal ist es nicht sie selbst, die als Redaktorin jemanden interviewt, sie wird selbst interviewt.
Die drei Kinder, 15-, 13- und 10-jährig, sind in der Schule. In der Küche gehen zwei Brotteige. Der eine Teig gibt einen Laugenzopf für die Freundin, welche die jüngere Tochter zu sich nahm, während Nici Peter an der journalistischen Weiterbildung in Luzern war. Ein Tag dieser Weiterbildung war der KI gewidmet. «Ich habe mir gleich ChatGPT heruntergeladen», schwärmt die 45-Jährige.
Seit einem Jahr arbeitet Nici Peter 50 Prozent als Redakteurin beim «Schaffhauser Bauer», einer wöchentlichen zweiseitigen Beilage der Schaffhauser Nachrichten. Sie habe schon immer gern geschrieben, erzählt sie. Vor einigen Jahren begann sie, Artikel zu verfassen. Erst für die BauernZeitung, dann für den Klettgauer Boten und die Schaffhauser Nachrichten. Dann bewarb sie sich beim «Schaffhauser Bauer», obwohl sie keine redaktionelle Erfahrung hatte. «Der Bezug zur Landwirtschaft war mir schon immer wichtig», erklärt Nici Peter. Was sie mit viel Zittern anging, wurde ihr zur Leidenschaft.
Von Tieren lernen
Aufgewachsen ist sie mit Eltern und einem Bruder in Neunkirch, einer kleinen Stadt mit ländlichem Charakter, nur neun Kilometer von Schleitheim. Damals hatte es noch einen Bauern mitten in der Stadt, mit einem Anbindestall. Als Kind hörte Nici Peter ihm zu, wie er mit Tränen in den Augen erzählte, dass er seine Kühe verkaufen musste, weil die Haltung verboten wurde. Das Schicksal ging ihr zu Herzen. Beim Reiten und später mit ihrem eigenen Pferd lernte sie, was Verantwortung für ein Tier beinhaltet; das Ausmisten im Stall, das Säubern einer Wiese. «Mein Pferd hat mir sehr viel beigebracht», sagt sie.
Da der «Schaffhauser Bauer» eine Beilage zur Tageszeitung ist, lesen sie auch viele Leserinnen und Leser ausserhalb der Landwirtschaft. Einen Grossteil der Artikel schreibt die Redaktorin selbst. «Das finde ich so cool an meiner Arbeit: Ich kann der nichtbäuerlichen Leserschaft aufzeigen, was ich sehe und höre.»
Andere Lebenswelten vorstellen
Zum Beispiel, was es für einen Rebbauern heisst, wenn er einen Grossteil seiner Trauben nicht abgeben kann wegen einer Pilzkrankheit. Oder was es für eine Bauernfamilie bedeutet, wenn sie ihren Weizen vernichten muss, weil es zu viel Fusarium darin hat. «Da hängen Existenzen dran.» Nach unzähligen Interviews mit Schaffhauser Bauern weiss sie die Komplexität der landwirtschaftlichen Themen zu schätzen. Es ist ihr ein Anliegen, dies ihren Lesern bestmöglich weiterzugeben.
Der Redaktionscomputer steht neben dem Geschäftscomputer des Baugeschäfts, das sie mit ihrem Mann Philipp Peter betreibt. Heute muss sie noch einige Rechnungen versenden. Oft kommt ihr Mann mit einem oder zwei Mitarbeitern zum Znüni nach Hause. Er musste sich daran gewöhnen, dass seine Frau jetzt häufig am Arbeiten ist.
Als Bäuerin ungeeignet
Bäuerin sein wäre schwierig für sie, meint die Landfrau. «Ich hätte nie ein Tier in den Schlachthof bringen können.» Nicht mal ein Huhn könnte sie töten. «Ich hadere immer mit mir selbst – im Herzen müsste ich Vegetarierin sein, aber ich bringe es nicht fertig.» Fleisch wird nur in der lokalen Metzgerei oder beim Bauer gekauft, wo sie weiss, woher es kommt. Sicher kein Billigstück vom grossen Detailhändler.
Auf dem Stubentisch steht ein Herbststrauss; Sonnenblumen, Rudbeckia und Ziergräser, vom Erntedankfest der Dorfkirche. Das Schmücken ist jeweils Aufgabe des Schleitheimer Landfrauenvereins, bei dem Nici Co-Präsidentin ist. Mitglied ist sie seit der Geburt ihres ältesten Kindes.

Direkt beim Produzenten
Dort begann ihre Faszination für Nahrungsmittel, die nicht nur gesund sein sollen, sondern auch regional und saisonal. Sie besuchte Kurse, las viel und versuchte, es in ihrer Küche umzusetzen. «Ich liebe Hofläden und den Markt, das Einkaufen direkt beim Produzenten.» Erdbeeren im Januar, das geht für sie jetzt gar nicht. Orangen, da wird es schwierig. «Die gehören doch zum Dezember!» Doch sie strebt es an, möglichst nachhaltig angebaute Südfrüchte zu kaufen.

Jedes Jahr, am Nachmittag des 24. Dezembers, baut Familie Peter vor dem Haus ein Festzelt auf und kocht einen Topf Glühwein. Eingeladen werden Freunde und Nachbarn. Jeder steuert etwas zum Apéro bei. «Es begann, als wir merkten, dass wir Nachbarn hatten, die alleine waren», erzählt Nici Peter. Es war ihr und ihrem Mann wichtig, diesen eine Freude zu bereiten. «So sind wir halt, wir mögen Menschen», sagt sie, inzwischen entspannt, mit einem Lächeln und einem Schulterzucken.
Fünf Fragen
Worüber kannst du lachen? Ich habe einen ziemlich einfachen Humor und kann mich köstlich über Sachen wie Katzenvideos oder blöde Witze amüsieren. Welches landwirtschaftliche Thema beschäftigt dich am meisten? Gerade sind es schlechte Ernten. Diese Machtlosigkeit und die daraus entstehenden finanziellen Einbussen können Bauernfamilien ihre Existenz kosten. Was mich immer bewegt, ist alles rund um Nutztiere. Da ist ein innerer Zwiespalt: meine Tierliebe, aber Fleisch trotzdem zu essen. Welches Alltagsritual gehört für dich dazu? Ich liebe gute Gerüche, weshalb ich täglich im ganzen Haus dafür sorge, das es gut riecht. Ich habe dafür verschiedene Duftöle, die ich in meinen Diffuser fülle. Dazu noch in den dunkleren Jahreszeiten Kerzen anzünden für eine heimelige Stimmung. Welche Arbeit liegt dir so gar nicht? Ordnung in Schränken halten. Etwas an andere abzugeben, statt es selber zu machen. Einen Artikel abzuschliessen, fällt mir unheimlich schwer. Ich finde immer wieder etwas, womit ich unzufrieden bin. Welches ist dein Lieblingslied und warum? Heart of Gold von Neil Young. Dieses Lied lässt mich innehalten.

