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Nadia Burger beweist Durchhaltevermögen: «Du stehst auf und hast etwas gelernt»

Der Einstieg auf dem elterlichen Betrieb nach dem Unfalltod des Vaters war für Nadia Burger brutal. Aber im Durchhalten ist die ehemalige Profi-Rennreiterin stark.

Nadia Burger begrüsst auf dem Hofplatz ihres Milchwirtschaft- und Ackerbaubetriebs im aargauischen Freienwil. Seit dem 1. Januar ist sie hier offiziell die Chefin, aber tatsächlich führt sie den Betrieb schon seit zwei Jahren. Trotz dicker Winterkleider wirkt die 160-Zentimeter-Frau zierlich. Aber aus der Bahn bringen lässt sie sich nicht so schnell.

Die Arbeit ist riskant

«Wenn du vom Pferd fällst, steigst du wieder auf und hast etwas gelernt», sagt die Dreissigjährige. Als ehemalige Profi-Rennreiterin meint sie das wörtlich. Durchhaltevermögen hat sie spätestens in ihrer Ausbildung gelernt: «Als Jockey musst du dich beweisen, egal, ob Mann oder Frau.»

Es braucht viel Kraft. «Nachdem ich mit dem Rennreiten aufgehört habe, sind meine Beinmuskeln geschmolzen.» Die Arbeit ist riskant – sie hat tödliche Unfälle von Berufskollegen erlebt. Dazu kommt der Druck: Wer keinen Erfolg hat, ist schnell weg vom Fenster. Und schliesslich der Kampf ums ideale Renngewicht. «Viele müssen hungern», weiss Nadia Burger. Sie selber geniesse es heute, nach Lust und Laune zu essen, gerne Handfestes wie Pommes und Burger.

Nadia Burger beweist Durchhaltevermögen: «Du stehst auf und hast etwas gelernt»
Heute lenkt Nadia Burger Traktoren statt Rennpferde.

Vater verunfallte tödlich

Dass Nadia Burger Herausforderungen annimmt, half ihr beim Einstieg auf dem elterlichen Betrieb. Der kam brutal und schneller als geplant: Ihr Vater verunglückte vor zwei Jahren bei der Arbeit mit dem Radlader tödlich. Zwar hatte die junge Frau gerade die Zweitausbildung als Landwirtin abgeschlossen, aber sie hatte auch die Trainerlizenz in der Tasche und wollte vorerst im Renngeschäft arbeiten. Nach dem Unfall sei sie sofort, ohne lange zu überlegen, zu Hause eingestiegen, erzählt die Landwirtin, die sich zum Erzählen an den Küchentisch gesetzt hat. Ihre Mutter werkt in der Küche, die beiden Frauen wohnen unter demselben Dach. «Nur dank Nadia ist der Betrieb weitergelaufen», stellt Astrid Burger klar.

Die Tochter hatte zuvor auf dem Betrieb mitgeholfen, wenn sie Zeit hatte und es nötig war, alles nach Anweisung des Vaters. «Er hängte die Maschinen an den Traktor und ich fuhr einfach los. Eine Sämaschine einstellen? Von solchen Dingen hatte ich keine Ahnung.» Ihre Mutter war die Konstante im Haushalt und auf dem Betrieb, sie tränkte die Kälber und mistete, aber von Maschinenarbeiten und vom Melkstand liess sie die Finger. «Die Kühe hätten gelacht», bestätigt ihre Tochter selber mit einem Schmunzeln, stellt aber gleich klar, dass es ohne ihre Mutter nicht gegangen wäre und auch heute nicht gehen würde. Mittlerweile hat sie einen weiteren Mitarbeiter: Ihr Lebenspartner ist Landwirt und arbeitet im Stundenlohn mit.

Eigentlich sei sie noch in der Lehre, kommentiert Nadia Burger ihre fehlende Erfahrung. Nur mit der Zweitausbildung als Landwirtin fühlte sie sich nicht gerüstet für den Chefposten und hängte die Betriebsleiterschule an. «Diese Ausbildung bringt sehr, sehr viel», zieht sie Bilanz. Obwohl Büroarbeit und Schule gar nicht ihr Lieblingsding sind – oder gerade deswegen. «Als Landwirtin musst du dich mit so vielen Dingen auskennen, und um Bürokram kommst du sowieso nicht herum.» Und sie mache es auch für ihren Vater, fügt sie an.

Routine im Kuhstall statt Adrenalin auf der Rennbahn – ist das nicht etwas langweilig? «Ach was, Routine», winkt Nadia Burger ab. Wenn es einmal etwas ruhiger sei, gehe sicher eine Maschine kaputt oder eine Kuh brauche besondere Aufmerksamkeit. Sie liebt es, auf dem Betrieb ihre eigene Chefin zu sein und die Arbeit selbstständig einteilen zu können. Das Kapitel Rennbahn hat sie abgeschlossen. «Jedenfalls als Reiterin. Als Trainerin – das ist schon noch ein Traum.»

Sie konzentriert sich auf die Meisterprüfung

In ihrem Stall steht die pensionierte Vollblutstute Maya Bleu, die Nadia Burger seit ihrer Lehre begleitet und die sie zu ihrem letzten Sieg geführt hat, und deren Sohn Magic Mike, der nach seinem ersten Sieg im Vorjahr verletzungsbedingt eine neue Karriere als Freizeitpferd startete. «Heute bin ich eine richtige Schönwetterreiterin», sagt Nadia Burger. Sie muss ihre Zeit einteilen, möchte neben der Arbeit auf dem Betrieb die Ausbildung zur Meisterlandwirtin möglichst rasch durchziehen.

Die Stute Maya Bleu (rechts) war schon in der Lehre Nadia Burgers Begleiterin, links ihr Sohn Magic Mike.
Die Stute Maya Bleu (rechts) war schon in der Lehre Nadia Burgers Begleiterin, links ihr Sohn Magic Mike.

Aufhören war keine Option

Ja, es habe schwierige Momente gegeben in den vergangenen Jahren, sagt Nadia Burger, «aber ans Aufhören habe ich nie gedacht.» Und worauf ist sie besonders stolz? «Da musst du nicht weit suchen – dass ich den Betrieb weitergeführt habe. Dass es gut weiterläuft.» Die Milchleistung der 40-köpfigen Holsteinherde hat sie nicht nur gehalten, sondern leicht gesteigert auf knapp 10'000 Kilogram pro Laktation, sie hat Verbesserungen für das Tierwohl angebracht, die Arbeitsabläufe generell erleichtert und effizienter gemacht.

In diesem Jahr sind grössere Veränderungen geplant. Fünf alte, kleine Futtersilos werden durch zwei grosse ersetzt, es gibt einen neuen Kälberstall und eine geräumige Abkalbebucht, zudem wird der Mistplatz verlegt. Und einen weiteren Wunsch hätte die Landwirtin noch: «Ein Melkroboter statt des 24-jährigen Fischgratmelkstandes wäre toll.»

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