Über mehrere Wochen fiel praktisch kein Regen, und die Temperaturen lagen während mehrerer Tage verbreitet deutlich über 30 Grad. Am Donnerstag, 24. August, liess der Hochdruckeinfluss nach, und erste, teils heftige Gewitter folgten am Donnerstagabend, weitere folgten am Freitag im Vorfeld einer Kaltfront.
Die Kaltfront zog am Samstag über die Schweiz, beendete den Hochsommer 2023 endgültig und läutete den Spätsommer ein.
Die «Hundstage», die heisseste Zeit des Jahres
Diese Witterungsabfolge von heissen Tagen und einer darauf folgenden Kaltfront, die meist um den 23. August über Mitteleuropa zieht und den Hochsommer beendet, ist typisch für die Witterung in Mitteleuropa. Vom 23. Juli bis zum 23. August spricht man von den «Hundstagen», diese sind häufig die heisseste Zeit des Jahres.
Zwar sind nach dieser heissen Zeit noch Temperaturen von bis zu 30 Grad möglich, dies passiert in der Regel aber nur noch vereinzelt. Auch sind mehrere Tage mit solch hohen Temperaturen hintereinander nicht mehr wahrscheinlich, denn die Sonne verliert nun deutlich an Strahlungskraft, und auch die Tage werden zusehends kürzer.
Die Temperaturen sind gefallen
Dieses Jahr war der Wechsel vom Hochsommer zum Spätsommer sehr beeindruckend und markant. Die Temperaturen stürzten innert kurzer Zeit ab, innerhalb von 48 Stunden lagen die Höchstwerte rund 20 Grad tiefer als zuvor. Besonders beeindruckend war der Temperatursturz in Zermatt: Am 24. August wurden hier noch 31,2 Grad gemessen. Vier Tage später fiel bis ins Dorf hinab Schnee bei Temperaturen von nur noch 0,3 Grad. Der Temperaturrückgang war auch in der Höhe massiv, die Nullgradgrenze fiel von über 5000 Metern am Donnerstag bis gegen 2000 Meter am Montag.
Hohe Niederschalgsmengen im Süden und in der Ostschweiz
Auch bezüglich des gefallenen Niederschlages zeigt sich ein imposanter Verlauf. Während vielerorts vor allem auf der Alpennordseite seit dem 7. August kaum ein Tropfen Regen gefallen war, fielen in den letzten August-Tagen gebietsweise sehr grosse Niederschlagsmengen. Vor allem im Süden fiel stellenweise fast doppelt so viel Niederschlag wie in einem durchschnittlichen August. Aber auch in der Ostschweiz waren die Niederschlagsmengen beträchtlich.

Diese Niederschläge wurden durch ein Tief im Süden ausgelöst. Das Tief zog um den 26. August von den Britischen Inseln in Richtung Nordspanien. Einen Tag später zog ein Teil des Tiefs zu den Balearen und zu Wochenbeginn weiter nach Norditalien, wo sich ein markantes Norditalientief (Genuatief) entwickelte. Dieses Mittelmeertief konnte über dem warmen Mittelmeer sehr viel Feuchtigkeit aufnehmen und brachte diese zuerst mit dem Südwestwind vor allem ins Tessin und in die Ostalpen. Am Montag drehte der Wind auf Südost, und so gelangte die feuchte Luft zunehmend auf die gesamte Alpennordseite. Am Dienstag alterte das Tief über Norditalien und zog weiter nach Osten. Auf der Alpensüdseite stellte sich Nordföhn ein, und auf der Alpennordseite sickerte nun trockenere Luft nach.
Bitter nötig, aber ein Problem
Für die Natur war der Niederschlag bitter nötig, dennoch sind solche grossen Regenmengen in so kurzer Zeit problematisch. Der Boden kann diese grossen Niederschlagsmengen nicht entsprechend schnell aufnehmen. Die Folge sind Erdrutsche, Murgänge und sehr hohe Wasserpegel der Bäche und Flüsse. Vor allem im Tessin und in der Ostschweiz wurde somit vom Bund gebietsweise hohe Hochwassergefahr ausgerufen.
In den folgenden Tagen entspannt sich die Lage aber rasant, denn der Luftdruck steigt wieder an, und die Luft trocknet somit ab. Das heisst, das Wetter ist am Wochenende und darüber hinaus meist trocken und recht sonnig, auch die Temperaturen steigen wieder auf sommerliche Werte.

