Mit dem Jahreswechsel ist es vielerorts Tradition, Bilanz zu ziehen. Dies gilt auch für das Wetter: Wie wird das vergangene Jahr wettermässig in Erinnerung bleiben? Gleichzeitig taucht natürlich auch die Frage auf, was uns im neuen Jahr alles erwarten wird. Es ist also der richtige Moment für einen kurzen Rück- und Ausblick.
Eine Frage der Perspektive
Für die Landwirtschaft stellte das Wetter im vergangenen Jahr eine grosse Herausforderung dar und führte zum Teil sogar zu rekordverdächtig schlechten Ernten. Aus klimatologischer Sicht hingegen sieht 2021 auf den ersten Blick eher unspektakulär aus: Die Jahresdurchschnittstemperatur lag mit 0 bis +0,5° C Abweichung nur wenig über dem langjährigen Durchschnitt. Auch der Jahresniederschlag lag nur wenig über der klimatologischen Norm, auf der Alpennordseite betrug er verbreitet 100 bis 110 Prozent des langjährigen Durchschnitts, auf der Alpensüdseite war es sogar trockener als normal. Dies zeigt einmal mehr, dass ein Durchschnittswert oft nur eine begrenzte Aussagekraft hat. Betrachtet man den Jahresverlauf etwas genauer, so sieht das Bild nämlich deutlich anders aus. Das Jahr 2021 war geprägt von – häufig gegensätzlichen – Extremen.
Ein Jahr der Extreme
Vor allem der sehr nasse Sommer und der sehr kalte Frühling waren für die Landwirtschaft sehr schlecht. Dabei war der Sommer, vor allem der Juli, zum Teil der nasseste seit Messbeginn. Besonders extrem fiel dies im Reusstal, aber auch im westlichen Mittelland und am Hochrhein aus; am Alpennordhang sowie im Tessin fiel in einem Monat verbreitet über 400 mm Regen.
Auch der Mai fiel zumindest lokal sehr nass aus, der ganze Frühling wies die tiefste Durchschnittstemperatur seit 30 Jahren auf. In die gleiche Bresche schlagen Episoden während der kalten Jahreszeit: Auch der Winter war der nasseste seit 60 Jahren, im Januar brachte eine Kaltfront in der Ostschweiz lokal Neuschnee in Rekordmengen, und auch im November wurden stellenweise nochmals rekordverdächtige Neuschneemengen gemessen. Gleichzeitig gab es jedoch auch Phasen, in denen die Extreme in die andere Richtung ausschlugen: Vor dem kalten Frühling war der Februar verbreitet einer der wärmsten je beobachteten Februare. Auch der Juni fiel sehr warm aus, zudem brachte er aussergewöhnlich viele und ausgedehnte Hagelzüge mit sich. Die grossen Niederschlagsmengen wurden im Herbst wieder ausgeglichen, es war lokal der trockenste Herbst seit Messbeginn.
All diese Extreme in gegensätzliche Richtungen führten dazu, dass der Blick auf den Jahresdurchschnitt zwar unspektakulär ausfällt – im Endeffekt hatten die Extreme jedoch die deutlich grösseren Konsequenzen, daher wird das Jahr 2021 vielen wohl eher als extremes Jahr in Erinnerung bleiben.
Prognose ist unmöglich
Auch im Jahr 2022 ist es immer noch nicht möglich, eine seriöse Wetterprognose über Monate oder gar ein ganzes Jahr hinaus zu machen. Nachdem der Jahreswechsel selbst teils mit neuen Wärmerekorden über die Bühne gegangen ist, scheint sich nun im Januar doch wieder eine Wetterlage einzustellen, die eher dem klimatologischen Durchschnitt entspricht und somit wieder eher winterliche Witterung bringt. Doch bereits bei der Frage, wie lange diese winterliche Phase andauert, wird die Prognoseunsicherheit spätestens ab der Kalenderwoche 3 zu gross.
Sucht man in den vergangenen Monaten und Jahren nach einem Trend und geht davon aus, dass sich dieser Trend auch 2022 fortsetzen wird, so besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass auch das Jahr 2022 im Durchschnitt etwas wärmer als das klimatologische Mittel ausfallen wird und dass auch im neuen Jahr einige Wetterextreme auftreten.

