Lobbyistin für die Natur

Die Baslerin Jessica Baumgartner ist unter anderem Geschäftsführerin von «Erlebnisraum Tafeljura».

Am diesjährigen Ebenraintag waren die «Baselbieter Apéro-Bäuerinnen» (BLBA) und «Erlebnisraum Tafeljura» (ET) Standnachbarn, und zwar mit dem gemeinsamen Thema «Zwetschgengerichte aus einheimischen Hochstammfrüchten». Am weit herum

bekannten «Oltiger Määrt» lernte ET-Geschäftsführerin Jessica Baumgartner die Präsidentin

der BLBA GmbH, Susanne 
Strub, kennen.


Die Frauen sahen schnell, dass sie sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen, nämlich für Gerichte und Getränke aus saisonalen, einheimischen Produkten. «Die Chemie zwischen Susanne und mir stimmte sofort, und wir kamen überein, uns am Ebenraintag gemeinsam für die Hochstammzwetschge zu engagieren», erzählt Jessica Baumgartner rückblickend.

Zwetschgen rüsten in geselliger Runde


An diesem Tag machte Erlebnisraum Tafeljura auch auf-merksam auf den Wettbewerb «Gesucht: die besten Zwetschgengerichte». Bis Ende September können Rezept-Kreationen eingereicht werden, seien es eigene oder solche von der Grossmutter. Eine Jury wird die drei besten auswählen. Diese werden nächstes Jahr während der Zwetschgenwochen gekocht und degustiert.


«Zurzeit ist die Zwetschge angesagt», sagt Jessica Baumgartner lachend. «Es ist sogar sichtbar an der Farbe meiner Bluse!»

Für Samstagnachmittag, 27. September 2014, lädt die Organisation ein zum Zwetschgenrüsten in geselliger Runde auf dem Höldihof in Buus bei der Bauernfamilie Caroline und Erich Schweizer. Zusammen fröhlich sein ist ein Aspekt. Ein weiterer ist, einen Beitrag zu leisten zur aufwendigen Herstellung von regionalen Produkten, die garantiert von landschaftsprägenden Hochstammbäumen aus dem Tafel­jura stammen.


Auf einmal waren die Kirschen zu klein


«Ich bin zwar kein Bauernkind», erzählt Jessica Baumgartner, «aber ein Bauerngrosskind.» Bis zu ihrem 8. Lebensjahr lebte sie mehrheitlich bei den Gross-eltern in Riehen BS. Grossvater war Bauer im Nebenerwerb. Auf dem Höflein standen Kern- und Steinobstbäume, es gab viele Sorten Beeren und ein grosses Stück Wald.

Die kleine Jessica half überall bei der Ernte, und das mit Begeisterung. Die Erzeugnisse konnten dem kleinen «en gros Märt» Riehen geliefert werden. Eines Tages kam der Chef dieses Markts zu den Grosseltern, zeigte ihnen das neue Obstmass und erläuterte, ihre Kirschen wären zu klein; sie könnten keine Früchte mehr liefern. Es scheint, Jessica Baumgartner sei heute noch entsetzt: «Die Kirschen, die wir sorgfältig mit Stiel gepflückt hatten, gingen einfach alle ins Fass.»


Jessica Baumgartner liess sich zur Primarlehrerin ausbilden und machte eine Zusatzausbildung als Musiklehrerin. Sie genoss das kulturelle Leben in der Stadt Basel, wollte aber zurück aufs Land. 1986 zog sie nach Maisprach, heiratete und gebar die Töchter Johanna (1988), die Umweltnaturwissenschaftlerin studiert, und Meret (1991), die Gärtnerin lernte. Sie winkt ab: «Nein, nein, ich habe meine Kinder nicht beeinflusst bei der Berufswahl.»


Anlässe für Kinder im Naturhistorischen Museum


Auch bei ihren Funktionen wolle sie nicht missionieren, sondern Menschen dazu bringen, Verständnis für unsere Umwelt aufzubringen. Neu ist sie engagiert im 2012 initiierten schweizweiten Projekt «Wieselnetz», das den Rückgang von Hermelin und Mauswiesel entgegenwirken und in drei Etappen ausgeführt werden soll. Die Liste der Naturorganisationen, bei denen sie mitwirkte oder noch mitmacht, ist beachtlich.


Ein wichtiger Teil ihres Berufslebens spielt sich ab am Naturhistorischen Museum Basel, wo sie seit 1998 Teilzeit arbeitet. Sie organisiert unter anderem Anlässe für Kindergärten und Schulklassen sowie Freizeitangebote für Eltern und Kinder. Zu dieser interessanten Stelle sei sie gekommen, weil sie anlässlich eines Besuchs mit der Jugendgruppe des Vogelschutzvereins gefragt habe, ob nicht ein Arbeitsplatz frei wäre für sie.

«Meine beruflichen Tätigkeiten gleichen einem Patchwork», sagt sie lachend, «und das kommt mir entgegen.» Sie sieht sich als Lobbyistin für die Natur, und da gebe es viele Wege.


Benildis Bentolila