Redaktionsblog: Landwirtschaftsgrüsse aus Schottland

Schottische Hochlandrinder, Whisky, Kilts und viele innovative Betriebe: Tagebuch vom internationalen Agrarjournalisten-Kongress in Aberdeen.  

Letzten Donnerstag wurde Schottland von einer Invasion von Agrarjournalisten heimgesucht. 220 Vertreter der grünen Presse aus 37 Ländern (!) reisten in den Nordosten Schottlands. Genauer gesagt, nach Aberdeen, um am Kongress der internationalen Agrarjournalisten-Vereinigung (IFAJ) teilzunehmen. Das Glück, dabei zu sein, hatten auch meine Kollegin Julia Schwery und ich. Auf der Packliste standen neben Gummistiefel und Regenjacke auch Abendrobe. Hier ein kurzes Tagebuch:

Gerade erst im doch eher kalten Norden angekommen, steht die IFAJ-Delegiertenversammlung auf dem 
Programm. Wir unterstützen den Präsident der internationalen Agrarjournalisten, den wir bestens kennen: Markus Rediger - Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID steht der Vereinigung seit zwei Jahren vor. Insgesamt sieben Schweizer(innen) nehmen am Kongress teil. Damit ist unsere Delegation im Vergleich zur Landesgrösse gut vertreten. Die Rangliste wird mit über 40 Teilnehmern von den Amerikanern angeführt. Der erste Tag wird mit einem traditionellen Willkommensessen (inklusive Dudelsackmusik) abgerundet. Am nächsten Tag besuchen wir die Familie Mackie. Diese bzw. ihre Produkte sind nicht nur vielen schottischen, sondern auch englischen Konsumenten bestens bekannt, findet man sie doch in fast jedem Supermarkt. Unter dem Namen «Mackie`s of Scotland» stellt das Familienunternehmen aus der Milch der eigenen Kühe eine bekannte Glace her, die wir degustieren dürfen.

Produziert werden aber auch Eiswürfel (richtig gelesen!) und Kartoffelchips mit speziellen Geschmacksrichtungen. Zum Beispiel solche, die nach Haggis und Whisky schmecken. Ein beeindruckendes Unternehmen, das aber mit einem durchschnittlichen schottischen Bauernbetrieb nicht mehr viel zu tun hat. -Am Samstag besuchen wir unter anderem Philip Benzies und seinen 1400-Hektaren-Betrieb (Kartoffeln, Karotten und Getreide) - mein Bruder in der Schweiz pflanzt auf 20 Hektaren Gemüse an. Diese Dimensionen sind gewaltig. Der durchschnittliche Betrieb in Schottland ist übrigens 176 Hektaren gross. Obwohl heute grundsätzlich Gemüse auf dem Programm steht, haben die Organisatoren des Kongresses an alles gedacht.

Deshalb legen wir einen Zwischenstopp bei einer Weide voller Schottischer Hochlandrinder ein. Diese Tiere sind wahrlich lebende Sehenswürdigkeiten. Ein tolles Fotossujet, habe ich doch eine Schwäche für jene haarigen Wesen. Am Abend gibt es den gefühlten zehnten Whisky (in Schottland ohne E geschrieben!) und schottische Volkstänze. Viele Männer tragen Kilt - ein attraktives Bild!

Ein Highlight folgt am Sonntagabend: Ministerpräsident Alex Salmond beehrt uns. Er ist einer der treibenden Kräfte hinter dem schottischen Referendum, über das nächste Woche abgestimmt wird - und das in England wie Schottland zur Zeit die Zeitungsspalten dominiert. Auch am Kongress ist es immer wieder ein Thema.

Salmond ist auf jeden Fall ein feuriger Redner mit viel Charisma und beweist, dass weniger manchmal mehr ist. Eine Weisheit, von der sich manch Schweizer Redner eine Scheibe abschneiden könnte.