Ich stehe in unserem fast fertig gebauten Laufstall und bin tief beeindruckt. Die Bauarbeiten sind in der Endphase, schon bald dürfen unsere Kühe endlich ihr neues Zuhause beziehen. Ein emotionaler Moment, dem wir alle mit grosser Freude, aber auch mit etwas Respekt entgegenschauen.
Die können was, die Bauarbeiter
Was uns in den vergangenen sieben Monaten an Handwerkskunst vor Augen geführt wurde, ist schlicht grossartig! Ich hatte schon immer grossen Respekt vor Menschen, die etwas mit ihren Händen erschaffen können. Aber nun das Entstehen eines solchen Projektes hautnah miterleben zu dürfen, macht mich noch viel ehrfürchtiger. Letzte Woche feierten wir «Ufrichti». Die vielen zufriedenen Gesichter zu sehen beim nochmaligen Betrachten ihres gemeinsamen Werkes, hat mich sehr berührt. Da war zu Recht so viel Stolz, aber auch Herzblut spürbar. Ich will nie mehr von irgendjemandem hören, ihr Nachwuchs habe «nur» einen handwerklichen Beruf erlernt. Und ebenso wenig braucht sich ein Handwerker je zu rechtfertigen, dass er halt nicht studiert hat. Liebe Büezer, wir brauchen euch!
Das Geld kommt dann schon irgendwie von alleine
Als unsere Kinder noch klein waren, boten wir einige Male ein dreiwöchiges Sozialpraktikum für junge Gymnasiastinnen an. Um es kurz zu machen, es waren nicht alle gleich motiviert. Ich sehe noch deutlich vor Augen, wie sich eine der jungen Frauen vor Grauen schüttelte, als sie frischen Salat aus dem Garten waschen musste und dabei ein paar «Ohregrübler» im Wasser mitschwammen. Was sie nach der Maturaprüfung weiter machen wollte, hatte sie noch keine Ahnung. «Eifach öppis studiere», erklärte sie mir sehr überzeugt. Auf meine nächste Frage, wie sie denn ihr eigenes Geld verdienen möchte, antwortete sie mit leichtem Schulterzucken: «Das hani mir no nie überleit». Dass sie später niemals selbst einen Haushalt führen und dafür Angestellte haben wird, dies jedoch wusste sie schon sehr genau.
Nebst der richtigen Maschine, braucht es auch ein Rezept
Bei uns war da gerade Erdbeerzeit und unsere Praktikantin liebte Erdbeerfrappé über alles. Bevor sie abreiste, fragte sie mich, wo ich denn diesen Frappé-Mixer gekauft hätte. Dass das Kennen des Rezepts zum Gelingen eines Gerichts wesentlich wichtiger ist als das Rührwerk, diese Aufklärung war ich ihr irgendwie schuldig, fand ich. Ob es mir gelang, sie wenigstens ein bisschen zum Kochen zu motivieren, da bleibe ich jedoch eher etwas skeptisch. «Aber äbe, sie wott ja de studiere». Manchmal wüsste ich sehr gerne, was aus ihr geworden ist.
Der Beruf muss mit Vollblut ausgeübt werden
Um es richtig zu stellen: Ich habe selbstverständlich nichts gegen Gstudierte. Auch die brauchen wir unbedingt, keine Frage. Aber ich habe etwas gegen Halbblut-Studenten, die an der Uni die Zeit absitzen, nur weil das Vorweisen eines Studienabschlusses zum guten Ton gehört. Denn dies sind in der realen Arbeitswelt nicht die Vorgesetzten, die wir wirklich brauchen können. Als die Berufswahl auch bei unseren Kindern zum Thema wurde, war für uns eines klar: ob Berufslehre oder Studium, Hauptsache sie machen es mit Begeisterung, Herz- und eben Vollblut.

