Wir haben etwas, das sonst niemand bieten kann

In seinem Gastbeitrag erklärt André Stalder, warum es für soziale Dienstleistungen auf Bauernhöfen eine nationale Branchenorganisation braucht.

Mit Betreuung im landwirtschaftlichen Umfeld (Carefarming) bieten wir sozial schwächeren, psychisch belasteten, schwer erziehbaren oder beeinträchtigten Menschen ein Umfeld, welches wohltuend für deren Psyche ist. Die fixe Tagesstruktur, Tiere und Aufgaben auf dem Hof ermöglichen es, soziale Bindungen und ein Verantwortungsbewusstsein innert kürzester Zeit entstehen zu lassen.

Positive Erlebnisse

Oft fühlt sich der betreute Gast von den Tieren angenommen und macht positive Erlebnisse, welche so, in ihrer Natürlichkeit, nur auf einem Bauernhof möglich sind. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal der Landwirtschaft, das gesehen, öffentlich bekannt und mehr anerkannt werden sollte.

Allein im Kanton Bern gibt es Schätzungen zufolge (offizielle Zahlen gibt es keine) etwa 400 Landwirtschaftsbetriebe, die betreutes Wohnen bereits praktizieren, meist mit Übernachtung. Doch es gibt auch Alternativen und damit viel Potenzial: Etwa Tagesbetreuung (weit verbreitet in Holland), Höfe als kleine Altersheime oder die Integration von Flüchtlingen.

Sind die sozialen Kompetenzen auf dem Hof hoch, der Umgang mit Leuten gut sowie Geduld, Zeit und Herzblut vorhanden, kann Carefarming für alle ein Gewinn sein: die soziale Bindung, das Verantwortungsbewusstsein und das familiäre Umfeld für den Gast, der kleine Zustupf für die Gastfamilie.

Alternative zum Heim

Zudem ist Carefarming eine preiswertere und gute Alternative zu Heimplatzierungen oder Arbeitsplätzen im zweiten Arbeitsmarkt. Es bringt für den Staat und für die ganze Gesellschaft positive Mehrwerte.

Doch ein Ausbau des Potenzials von Carefarming ist nur möglich, wenn alle Betreuungsplätze an einem Ort gefunden werden können. Deshalb hat Carefarming Schweiz zusammen mit den Familienplatzierungsorganisationen und Agridea den Verein Green Care Schweiz aufgebaut.

Neue Branchenorganisation

Er ist als Branchenorganisation bestrebt, die Betreuung in der Landwirtschaft sichtbar zu machen und eine Plattform zu erstellen, damit Betreuungsbetriebe gefunden werden. Green Care Schweiz hilft zudem bei der fairen Tarifsetzung und der Aus- und Weiterbildung. Gewisse Grundqualitäten sollten auf jedem Hof vorhanden sein, doch die Bäuerinnen und Bauern brauchen Möglichkeiten, sich Zusatzqualifikationen aneignen zu können.

Damit Green Care Schweiz entstehen konnte, haben viele Leute mit Herzblut mitgearbeitet. Nun bleibt zu hoffen, dass auch die letzten staatlichen sozialen Institutionen, die Kantone sowie zusätzliche landwirtschaftliche Organisationen den Mehrwert, das Potenzial und die Einzigartigkeit von Carefarming erkennen und unterstützen. Denn wir Carefarmer kennen die vielen Vorteile ja bereits.

Zur Person:

André Stalder ist Landwirt in Lützelflüh und im Vorstand der Branchenorganisation Green Care Schweiz.

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