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Für plakatreife Harmonie der Generationen auf einem Betrieb braucht es Arbeit

Vater und Sohn von Markus Maag zierten Werbeplakate. Die gezeigte Harmonie zwischen den Generationen kam nicht von selbst – sie ist das Resultat von Vorbereitung, Konflikten und Verzeihen.

Markus Maags Vater Andreas und sein Sohn sind Gesichter der Werbekampagne «Schweizer Bauern. Von hier, von Herzen». Die Harmonie zwischen den Generationen ist nicht gespielt. Doch so weit zu kommen, war ein ganzes Stück Arbeit.

Ein spontaner Entscheid

Markus Maag aus Wyssachen BE posiert ganz locker vor seinen Holunderbäumen. Mit Fotoshootings hat er bereits Erfahrung. «Meine Modelkarriere war aber schon vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat», scherzt er. Begonnen hat sie mit der Anfrage einer Kollegin vom Schweizer Bauernverband, ob er bei der neuen Werbekampagne mitmachen wolle. Kurzerhand schickte Markus Maag ein Foto von seiner Familie zurück, hatte es aber bereits wieder vergessen, als der landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) sich bei ihm meldete und fragte, ob er Interesse an der Teilnahme an der Kampagne habe.

Grossvater, Vater und Sohn

Das Fotoshooting mit den drei Generationen habe Spass gemacht. Doch auf dem Foto, das letztlich für die Kampagne «Schweizer Bauern. Von hier, von Herzen», ausgewählt wurde, sind nur sein Vater Andreas Maag und sein Sohn abgebildet. «Natürlich wäre es cool gewesen, wenn wir zu dritt drauf gewesen wären», sagt Markus Maag zur Auswahl. Aber es handle sich um Basismarketing für die Schweizer Landwirtschaft. Hätte er Werbung für seinen eigenen Betrieb machen wollen, wäre es anders.

Andreas Maag und sein Enkel auf der Werbekampagne. (Bild zVg)
Andreas Maag und sein Enkel auf der Werbekampagne. (Bild zVg)

Die nächste Generation

Das Zitat auf dem Plakat «Ich trage immer viel Verantwortung, auch für die nächste Generation», stammt zwar aus der Feder der Werbetexter, trotzdem stimmt es mit den Grundsätzen der Familie überein.

Markus Maag bewirtschaftet den Betrieb aber nicht nur im Hinblick auf eine Übergabe an die nächste Generation. Ob der Sohn oder eine seiner zwei Töchter den Bauernhof einmal übernehmen werde, stehe nämlich noch überhaupt nicht fest. Druck ausüben möchte er sicher nicht. Den Kindern stehe es frei, zu entscheiden, was sie mit ihrem Leben machen werden. «Im Moment steht im Vordergrund, dass ich mit dem Betrieb ein Einkommen erwirtschafte und weitere Tätigkeiten ausüben kann, die mir wichtig sind». Auf seine 50 %-Stelle als ÖLN-Berater möchte er nicht verzichten und genauso wenig auf die Zeit mit seiner Familie.

Intensive Vorbereitung

Markus Maag wirkt sehr zufrieden mit seinem Leben und der jetzigen Situation. Darauf haben er und seine Familie sehr gezielt hingearbeitet. Vor allem auf die Zusammenarbeit mit seinen Eltern Andreas und Ruth Maag hat er sich intensiv vorbereitet. «Natürlich war eine gewisse Angst vorhanden, dass es schwierig werden könnte, schliesslich kennt man genügend Beispiele, in denen die Zusammenarbeit der Generationen nicht gut funktioniert. Aber wir haben uns sehr intensiv damit auseinandergesetzt», sagt er. Bevor Maag den Betrieb im Frühjahr 2017 übernahm, wohnte er mit seiner Familie im zehn Kilometer entfernten Gondiswil BE. Er kam zwar fast jeden Tag auf den Betrieb, um zu arbeiten, hatte sich aber bewusst dafür entschieden, nicht dort zu wohnen. Erst wollte er sich Zeit für die Familie nehmen.

Transparenz von Anfang an

Bevor er zusammen mit seiner Frau Anja und den drei Kindern zurück auf den Betrieb gezogen ist, besuchte er mit seiner Frau ein Coaching für die Übergabe. «Es ist hilfreich, wenn sich jemand von aussen den Betrieb und die Abläufe anschaut», findet Maag. Durch das Coaching bekamen sie wichtige Tipps. «Beispielsweise protokollierten wir jedes Übernahmegespräch, das meine Eltern, meine Frau und ich zusammen führten», erklärt er. Falls es dann zu Uneinigkeiten komme, könne im Nachhinein immer nachgeschaut werden, was besprochen und welche Entscheidungen gefällt worden waren.

Ausserdem sagt Maag: «Ich habe keine Entscheidung nur dem Frieden zuliebe gefällt. So würde man Konflikten nur kurzfristig aus dem Weg gehen. Irgendwann holen sie einen dann doch ein und es wird noch schwieriger, eine Lösung zu finden.»

Konflikte sind unvermeidbar

Kurz nach der Betriebsübergabe war es ihm sehr wichtig klarzustellen, wer das Sagen hat. Mittlerweile sieht er das lockerer: Wenn man eine Arbeit auf zwei Arten machen könne, dann entscheide einmal er, ein anderes Mal sein Vater.

«Die Jahre vor und nach der Übernahme waren emotional stark aufgeladen und man hat sich gegenseitig verletzt», sagt Maag rückblickend. So als er und seine Frau entschieden, seinen Eltern das lebenslange Wohnrecht nicht zu geben. Seine Argumentation leuchtet ein: So-ange das Zusammenleben der Familien gut klappt, gib es keinen Grund, dass die Eltern wegziehen sollten. Wäre es aber problematisch geworden, wäre es für alle besser gewesen, Distanz zu schaffen. Heute finden auch Maags Eltern die Entscheidung gut. Das Wichtigste, sagt Markus Maag, sei es, einander zu verzeihen. Konflikte sind unvermeidbar, aber irgendwann muss man damit abschliessen können. «Nur so kann es funktionieren», sagt Maag.

Neue Ideen, altes Wissen

«Ich bin meinem Vater sehr dankbar, für das, was er aus dem Betrieb gemacht hat», sagt Markus Maag. Beispielsweise habe er die Gebäude in einem sehr guten Zustand übergeben und niemand wisse so viel über den Betrieb wie der Vater. Seit der Übernahme hat Maag aber die Betriebsstrategie geändert. «Ich habe meinem Vater immer gesagt, ich ändere die Dinge auf dem Betrieb nicht, weil du es schlecht gemacht hast, sondern, weil es für mich besser passt.» Maag hat 40 Aren Holunder gepflanzt, dessen Blüten er an ­Ricola liefert. Zudem baut er ­Urdinkel an, dafür keine Kartoffeln und Futterrüben mehr. 2019 wurde von Milch- auf Mutterkühe umgestellt. Seit 2020 wird der Betrieb nach Bio-Richtlinien geführt und im Moment der Schweinestall zu einem Junghennen-Aufzuchtstall umgebaut. Das Beherbergen von Gästen auf dem Bauernhof hat er von seinen Eltern übernommen und ausgebaut. Schulklassen, die in Maags Ferienhaus «Melli» ins Lager kommen, können Aktivitäten auf dem Bauernhof buchen. «Uns ist es ein grosses Anliegen, vor allem den Kindern und Jugendlichen aus der Stadt die Landwirtschaft näherzubringen».

Die Werbekampagne des Bauernverbands zeigt also durchaus die Realität. Einerseits liegt der Familie die Vermittlung zwischen Landwirten und Konsumenten sehr am Herzen, andererseits stimmt auf ihrem Betrieb auch der Umgang zwischen den Generationen.

Betriebsspiegel Maagfarm

Betriebsleiterfamilie: Markus und Anja Maag mit drei Kindern

Ort: Wyssachen BE

Landw. Nutzfläche: 15 ha, davon 0,4 ha Holunder, 1 ha Urdinkel, 50 Hochstammobstbäume 7,6 ha Dauergrünland, 6 ha Kunstwiese

Viehbestand: 16 Mutterkühe, bald 4000 Junghennen

Vermarktung: Holunder (Ricola), Junghennen (Hosberg AG), Fleisch (Natura-Beef)

Weitere Betriebszweige: Ferienhaus «Melli» mit 40 Betten

Website: www.maagfarm.ch

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