Dieses Bild stammt vom 26. April 1978. Es zeigt meine Eltern Hans und Agatha auf unserem damaligen Pachthof in Flühlen, Gemeinde Luthern. Es sollte das letzte Mal sein, dass wir unser Vieh auf die Frühlingsweide liessen. Die Kündigung der Pacht per 15. März 1979 war eingetroffen. Ein paar Tage vorher meinte ein Nachbar in der Käserei zu mir: «Jetzt ist es definitiv, dass ihr den Hof verlassen müsst.» Ich war sprachlos. Auf dem Heimweg ärgerte ich mich über meinen Vater, denn etwas so Wichtiges hätte er mir auch selber sagen können.
Kein Mann der vielen Worte
Gross war meine Überraschung allerdings nicht, denn das Verhältnis zwischen meinem Vater und dem Verpächter hatte sich spürbar verschlechtert. «Jetzt bricht auf unserem Pachthof der letzte Sommer an, aber ab März 1979 werde ich meinen eigenen Weg gehen», lauteten meine Überlegungen. Mein Vater war nie ein Mann der vielen Worte. Geboren 1919, besuchte er sechs Klassen der Primarschule Schwarzenberg.
Dann verlangte sein Vater von der Schulpflege, dass der gerade 12-jährige Hans (mein Vater hiess wie ich) die Schule verlassen müsse, um bei seinem ältesten Bruder auf seinem Bergbauernhof und auf der Alp zu arbeiten. Das wurde bewilligt. Im Frühling 1939 wurde er als Zwanzigjähriger in die Artillerie-Rekrutenschule Frauenfeld eingezogen. Nach der Rekrutenschule, ab September 1939, schloss sich für den Rekruten Hans Rüssli nahtlos der Aktivdienst an und der dauerte mit kurzen Unterbrüchen bis April 1945.
Sparsamkeit als Tugend
1947 heiratete mein Vater Agatha Krummenacher, meine Mutter. Sie pachteten einen Hof am Sonnenberg in der Nähe von Luzern. Fleiss und Sparsamkeit trugen beide als Tugenden tief in sich verankert. Auch ich war sparsam und hatte als 14-jähriger Bub bereits 700 Franken auf meinem Sparheft gespart, damals eine beträchtliche Summe.
Ich fuhr den Schulweg von sechs Kilometern täglich viermal mit meinem Dreigangvelo. Mein Kollege Kurt begleitete mich manchmal mit seinem Töffli. Auf die Frage, warum ich denn kein Töffli habe, entgegnete ich, das sei teuer. Das stimme nicht, antwortete er. Für 700 Franken gäbe es sogar ein neues Töffli. Und so fuhr ich im Frühling 1970 mit meinem Velo ins 15 Kilometer entfernte Willisau und hob auf der Bank 700 Franken ab.
Das Töffli kam und ging
Beim Velo- und Töffliladen Stöckli bestellte ich ein neues Pony-Töffli, welches nach einem Monat eintraf. Voller Freude fuhr ich damit nach Hause. Statt sich zu freuen, verhörte mich mein Vater. Er wollte erst nicht glauben, dass die Bank mir einfach so 700 Franken ausgehändigt hatte. Dann verlangte er, dass ich das Töffli zum Händler bringe, und die 700 Franken müsse dieser zurückzahlen. Der Händler weigerte sich. Das ging nicht in Vaters Kopf. Bald war die ganze Verwandtschaft wegen meiner Frechheit, ein Töffli zu kaufen, alarmiert.
Das Ende der Story war, dass ein Onkel von mir auftauchte, mir 700 Franken in die Hand drückte, mich ermahnte, dieses Geld sofort auf mein Sparheft einzuzahlen, dieser sich auf mein Töffli setzte und davonfuhr. Ich setzte mich auf mein altes Velo, fuhr zur Bank und zahlte das Geld wieder ein. Und bis zum Ende der Schulzeit strampelte ich als Einziger in der Klasse mit dem Velo zur Schule.

