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FFP2-Masken: Im Spital schützen sie vor Viren, im Stall vor Staub

Bei vielen Arbeiten auf dem Hof schützen Masken vor gesundheitsschädlichem Staub. Längst nicht jede Discounter-Maske eignet sich dafür. Ein Experte erklärt, worauf beim Kauf zu achten ist.

FFP2-Masken sind derzeit in und vor aller Munde. Sie schützen, anders als chirurgische Masken, nicht nur das Umfeld vor einer Infektion durch Coronaviren, sondern schützen auch den Träger. In Deutschland und Österreich ist das Tragen einer FFP2-Maske in gewissen öffentlichen Bereichen Pflicht, etwa im öffentlichen Verkehr. In der Schweiz ist eine solche Pflicht vorerst vom Tisch.

Staubbelastung beim Heuen

In der Landwirtschaft werden FFP2-Masken nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie getragen. «Atemschutzmasken kommen bei der Arbeit für den Eigenschutz zum Einsatz», sagt Elias Müller, Sicherheitsberater der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL).

Beispielsweise bei Arbeiten im Umfeld von gesundheitsschädigenden Stäuben und Partikeln empfiehlt die BUL das Tragen einer FFP2-Maske. Dazu gehört auch der Umgang mit Heu oder Stroh. Staubt es also beim Eintragen des frischen Heus in den Heustock, etwa mittels Gebläse, empfiehlt die BUL, eine entsprechende Maske anzuziehen. Dasselbe gilt beim Putzen des Hühnerstalls oder anderen Arbeiten in Räumen mit hoher Staubbelastung.

Je nach Grösse gelangen Staubteilchen unterschiedlich weit in die Atemwege hinein. Grobstäube mit einer Partikelgrösse über 10 μm – das ist in etwa ein Zehntel eines Sandkorns – werden durch Nasenhärchen und Schleimhäute in den oberen Atemwegen abgefangen. Feinstaubpartikel mit einer Grösse von 0,1 bis 2 μm können bis in die Lungenbläschen gelangen und stellen ein weitaus grösseres Problem dar. Feinstaub löst entzündliche Reaktionen in der Lunge aus. Dadurch entstehen chronische Entzündungen, die auch das Krebsrisiko erhöhen können.

Schäden und Allergien

«Die Zusammensetzung von Stäuben in der Landwirtschaft ist oft sehr komplex», sagt Elias Müller. Sie bestehen aus Pflanzenbestandteilen, Bakterien, Schimmelpilzen, Insektenresten, Milben oder Kotresten. Aber auch anorganische Anteile wie Erdreste, mineralische Dünger oder Reste aus Pflanzenschutzmitteln können den Weg in die Lunge finden. «Organische Stäube beinhalten das grösste Gesundheitsrisiko, da sie oftmals zu entzündlichen Reizerscheinungen im Körper oder gar zur Entwicklung von Allergien führen können», schreibt die BUL in einem Sicherheitsdossier.

Arbeiten in staubiger Umgebung können spontane Reizerscheinungen wie Husten oder laufende Nasen auslösen, die in der Regel rasch wieder verschwinden. Verstärken sich diese Reaktionen jedoch oder treten grippeähnliche Symptome auf, sollte man sich auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen, um Langzeitschäden zu vermeiden. Wiederholte starke Staubexposition kann jedoch auch dazu führen, dass der Körper plötzlich Allergien ausbildet, die in der Regel nicht reversibel sind.

Nicht jede schützt gleich gut

FFP steht für «Filtering Face Piece», also filtrierende Gesichtsmaske. Die Zahl hinter den drei Buchstaben steht für die Schutzklasse. Davon gibt es deren drei. Sie unterscheiden sich in der der Filterleistung und somit in deren Einsatzbereich.

  • FFP1-Masken: sind für Arbeitsumgebungen geeignet, in denen keine giftigen oder reizenden Stäube und Aerosole zu erwarten sind. Im Bauwesen oder in der Nahrungsmittelindustrie sind FFP1-Masken meist aus­reichend.
  • FFP2-Masken: werden in der Metallindustrie, im Bergbau oder auch in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie filtern gesundheitsschädliche oder erbgutverändernde Stoffe.
  • FFP3-Masken: filtern gar krebserregende oder radioaktive Stoffe. Sie kommen vorwiegend in der chemischen Industrie zum Einsatz.

Das CE-Zeichen zählt

Die Discounter Aldi und Lidl verscherbeln FFP2-Masken für weniger als einen Franken. Deren Zielgruppe ist klar: Leute, die sich im Alltag vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen wollen. Schützen diese Masken aber auch ausreichend für den Einsatz in der Landwirtschaft? «In der Schweiz sind im Zuge der Corona-Pandemie FFP2-Atemschutzmasken auf den Markt gekommen, die nicht der europäischen Norm entsprechen», sagt Elias Müller und mahnt zur Vorsicht.

Diese dürfen nicht als persönliche Schutzausrüstung für Arbeiten mit gesundheitsgefährdendem Staub verwendet werden. «Die FFP2-Maske muss eine CE-Kennzeichnung und eine Konformitätserklärung aufweisen, dann können diese Masken auch bedenkenlos für gewerbliche Zwecke verwendet werden», sagt Müller. Um dies sicher zu stellen, empfiehlt die BUL jedoch, Atemschutzmasken für den Arbeitseinsatz in einem Fachgeschäft zu kaufen.Fabio Giger

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