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Emanzipierte Aargauer Landfrauen

Die Aargauer Landfrauen blickten anlässlich der Delegiertenversammlung zurück auf die Anfänge der Bewegung.

«Schliesse ab mit dem, was war, sei glücklich mit dem, was ist, und offen für das, was kommt.» Für Präsidentin Andrea Hochuli steht der Sinnspruch für Veränderungen, denen wir ständig ausgesetzt sind. Bei den Landfrauen ist der Mitgliederrückgang spürbar. Etliche Ortsvereine und Sektionen haben Mühe, den Vorstand zu besetzen, manche lösen sich auf. Andrea Hochuli ermunterte Amtsinhaberinnen, bei einem Rücktritt nicht einfach das Amt ab-, sondern das Wissen weiterzugeben. «Dann könnt ihr euch zurücklehnen und die Neuen ihren Weg gehen lassen.» Gleichzeitig Traditionen zu pflegen und am Puls der Zeit zu bleiben, sei zwar eine Gratwanderung. Die Landfrauen können das schaffen, ist sie jedoch überzeugt.

Personelle Wechsel

In zwei Bezirksverbänden gibt es Wechsel im Vorstand. In Kulm löst Tanja Bolliger Präsidentin Verena Kaspar ab, die das Amt 16 Jahre ausgeübt hat. Und in Laufenburg ersetzt Janine Bircher Anita Jegge im Vorstand. Myrtha Dössegger hat die Landfrauen elf Jahre im Vorstand des Bauernverbands Aargau (BVA) vertreten und tritt nun zurück. Sie hofft, dass Andrea Hochuli als ihre Nachfolgerin gewählt wird. Die direkte Vertretung im BVA-Vorstand sei wichtig, betonte auch Hochuli: «Der Bauernverband braucht uns, und wir brauchen den Bauernverband.» 30 Frauen aus dem Aargau haben 2023 die Fachprüfung Bäuerin bestanden, vier waren anwesend und erhielten ein Geschenk.

Ehrung für Fachprüfung: Flurina Bieri, Zeihen; Angelika Brunner, Gränichen; Lea Fischer, Geltwil; und Lara Kobler, Rothrist (v. l.).
Ehrung für Fachprüfung: Flurina Bieri, Zeihen; Angelika Brunner, Gränichen; Lea Fischer, Geltwil; und Lara Kobler, Rothrist (v. l.).

Wie alles begann

Catherine Morgenthaler hat an der Uni Basel eine Masterarbeit über die Anfänge der Landfrauenbewegung in der Schweiz geschrieben. Bei ihren Recherchen stiess sie auf vier Frauen, die eine Pionierrolle gespielt hatten, darunter die Aargauerin Lili Kohler-Burg (1893–1978). Sie hatte 1929 den Aargauischen Landfrauenverband gegründet und war 40 Jahre lang dessen Präsidentin. 1939 bis 1946 präsidierte Lili Kohler-Burg zudem den 1932 gegründeten Schweizerischen Landfrauenverband. Anliegen der Pionierinnen war es, den jungen Bäuerinnen eine Ausbildung zu ermöglichen.

Nebst diesem Zweck standen wirtschaftliche Gründe im Zentrum. Am Anfang ging es um die Direktvermarktung von Eiern, Grossabnehmer waren beispielsweise Spitäler. In diesem Zusammenhang stiess die Referentin in einer Landfrauenzeitung aus dem Jahr 1935 auf folgendes Zitat: «Es soll vorkommen, dass eine Kleinbäuerin aus ihrem Hühnerstall mehr lösen kann als ihr Mann aus dem Kuhstall.» In ihrer Arbeit kommt sie zum Schluss, dass die Landfrauen den politisch links verorteten Begriff «Emanzipation» zwar ablehnten, über ihre wirtschafts-, bildungs- und gesellschaftspolitischen Aktivitäten aber durchaus Emanzipation gelebt haben und das bis heute tun. Und es bleibt die Einsicht, dass sich die Verhältnisse rund um unbezahlte Arbeit und Wertschätzung damals wie heute teilweise ähneln.

Viel Lob und Ermunterung

In den Grussadressen gab es viel Lob. Franz Schaad, Gemeindeammann des Veranstaltungsorts Hägglingen, und Markus Weber als Vertreter von Landwirtschaft Aargau zollten dem Engagement der Bäuerinnen hohen Respekt. «Bei Ihnen laufen alle Fäden zusammen», umriss Weber den Aufgabenfächer der Bäuerinnen. An den Landfrauentagungen stelle sie stets eine positive Kraft fest, sagte Lisa Vogtvon der Liebegg. Gegen aussen komme dies leider zu wenig zum Ausdruck. «Treten Sie aus dem Hintergrund hervor und machen Sie sich sichtbar. Wir brauchen die Frauen auch an der Front.» Und BVA-Vizepräsidentin Colette Basler appellierte an die Frauen, ungeachtet der politischen Ausrichtung füreinander einzustehen. «Helft euch gegenseitig auf die Bühne.»