Die grössten Verluste gibts im Haushalt

Ein Drittel der in der Schweiz produzierten Lebensmittel werden nie gegessen. Sie verschwinden irgendwo auf dem Weg vom Feld zum Konsumenten - vor allem aber landen sie in den Haushalten im Abfall.

Gemäss Schätzungen sind in der Schweiz Endkonsumenten und Gastronomie hauptverantwortlich für Lebensmittelverschwendung - dem sogenannten Food Waste. Rund die Hälfte wird laut Foodwaste.ch in diesen Bereichen verursacht. Dies im Gegensatz zu den Entwicklungsländern, wo der grösste Teil bereits auf dem Feld resp. bei der Lagerung verloren geht. Solche Verluste werden als Food Losses bezeichnet.

Was ist Food Waste?

Was genau unter die Lebensmittelverluste fällt ist Ansichtssache. Eine generell gültige Definition existiert nicht. Denn nicht immer ist es so einfach wie im Fall, dass jemand das Poulet zu lange gelagert hat und es deshalb im Müll landet. Was ist, wenn Brotweizen wegen zu grosser Erntemengen zu Futterweizen deklassiert wird? Oder wenn die Hühnerfüsse in Europa nicht gegessen werden, anderswo hingegen eine Delikatesse sind? Die Abgrenzung ist in diesen Fällen schwer.

Die Plattform Foodwaste.ch bezeichnet als vermeidbaren Food Waste alles, "was essbar und gesundheitlich einwandfrei ist oder war, aber wegen Verderb, Verfall oder Qualitätsmängeln nicht von Menschen verzehrt werden kann." Dazu gehören auch Lebensmittel, die für den menschlichen Verzehr produziert wurden, aber als Futtermittel für Tiere enden. Anders sieht es aus, wenn die Ware bereits von Anfang an zu Futterzwecken angebaut wurde. Als unvermeidbar gelten hingegen Rüstabfälle oder Käserinden, aber auch Nahrungsmittel, die trotz korrekter Lagerung etwa von einem Krankheitserreger befallen werden.

Weniger Wertschätzung

Aber wieso werfen Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf und Jahr zehnmal mehr Lebensmittel weg als die Inderinnen und Inder? Lebensmittel sind in der Schweiz und Europa vergleichsweise günstig und machen einen deutlich geringeren Teil der Haushaltsausgaben aus als in anderen Teilen der Erde. In der Schweiz liegt der Lebensmittelanteil am Haushaltsbudget je nach Quelle bei tiefen 7 bis 10 Prozent.

So hat auch die Wertschätzung Lebensmitteln gegenüber abgenommen. Wer mal ein Joghurt, einen Salat oder etwas Aufschnitt wegwirft, spürt das nicht gleich im Portemonnaie. Dass aber in einem Jahr ein Vier-Personen-Haushalt im Schnitt über 2'000 Franken in den Müll wirft, dürfte den meisten zu denken geben.

Auch wegen der Arbeitsbelastung, dem stark verbreiteten Pendeln und der steigenden Mobilität wird seltener Wert auf eine genaue Haushaltsplanung gelegt. Gekauft wird tendenziell zu viel, die Lebensmittel darben im Kühlschrank vor sich hin - bis sie im Abfall landen.

Wissen nicht mehr vorhanden

Eine Rolle beim Food Waste dürfte auch die stärkere Entfernung vieler Endkonsumenten von der Produktion spielen. Das Wissen über den Umgang mit Lebensmitteln ist nicht mehr vorhanden, die Konsumentinnen und Konsumenten verlassen sich stark auf Vorgaben wie das Mindeshaltbarkeitsdatum.

Klar ist: Das Wegwerfen von Lebensmitteln ist nicht nur aus moralischer Sicht falsch, es verursacht auch Umweltbelastungen. Denn auch die weggeworfenen Lebensmittel müssen produziert werden und brauchen wichtige Ressourcen wie Boden und Wasser, aber auch Energie oder Pflanzenschutzmittel. Mal ganz abgesehen vom vielen Geld, das so in den Haushalten - ebenso wie die Lebensmittel - "verschwendet" wird.

Jonas Ingold, lid

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