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«Die Branche muss attraktiver werden», findet ABLA-Präsident Paul Sommer

Paul Sommer, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter (Abla), fordert zeitgemässe Arbeitsbedingungen. An der Generalversammlung wurde Mirjam Schmidig neu in den Vorstand gewählt.

«Die Klugen kommen, bevor es Krach gibt», sagt Paul Sommer. Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Berufsverbände landwirtschaftlicher Angestellter (Abla) berät er Arbeitnehmende. Für Mitglieder ist die Erstberatung kostenlos. Diese Dienstleistung ist gefragt, dicke Luft zwischen Chef und Mitarbeitenden ist alles andere als selten.

Rund 35 000 familienfremde Arbeitskräfte gibt es in der Schweizer Landwirtschaft. Ein schöner Pool an Mitgliedern für den Dachverband, der ihre Interessen vertritt, möchte man meinen. Tatsächlich zählt die Abla aber nur 130 Mitglieder. Die grosse Mehrheit fährt Trittbrett.

«Je weniger geregelt ist, desto schwieriger wird es im Streitfall.»

Bei Abla-Präsident Paul Sommer landen arbeitsrechtliche Problemfälle.

Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich, die Ressourcen sind beschränkt. «Für die Arbeitnehmer wäre ein Fünfliber Mitgliederbeitrag pro Monat nicht alle Welt, der Verband könnte damit aber viel leisten», sagt Paul Sommer. «Denn die Abla nützt allen. Selbst der Schweizerische Bauernverband ist froh über uns.»

So zum Beispiel bei den jährlichen Verhandlungen zum Richtlohn; die Gewerkschafter am Tisch hätten meist wenig Kenntnis von der Landwirtschaft und würden extreme Forderungen stellen. Das bringe ebenso wenig wie die Taktik auf Arbeitgeberseite, sich gegen jegliche Veränderungen zu stellen.

Arbeit im Strafvollzug

Der Meisterlandwirt kennt beide Seiten, er ist gleichzeitig Angestellter und auch Vorgesetzter. Als Leiter des Landwirtschaftsbetriebs der Justiz- und Vollzugsanstalt (JVA) Lenzburg ist er beim Staat angestellt, führt sieben Mitarbeitende sowie zwei bis drei Lernende. Dazu kommen rund 30 Personen aus dem Strafvollzug, die in der Landwirtschaft und Gärtnerei arbeiten.

Für Paul Sommer steht fest: «Die Landwirtschaft muss künftig ein attraktiveres Arbeitsumfeld bieten.» Löhne wie in der Baubranche seien nicht realistisch, aber etwas zeitgemässer bezüglich Lohn, Arbeitszeit und Ferien müsste die Landwirtschaft werden. «Dann ist sie auch nicht mehr die bevorzugte Fokusbranche bei den Kontrollen zum Arbeitsschutz.»

«Die Zeiten, in denen die Arbeit bei Angestellten an erster Stelle kam, ist vorbei», weiss Paul Sommer. Familie und Freizeit, Lohn, Arbeit – in dieser Reihenfolge würden die Prioritäten heute gesetzt. «Der Chef schaut nicht auf die Stunden. Von den Arbeitnehmenden kann er das aber nicht verlangen.»

Ziel ist unter 50 Stunden

Die Abla sieht als Ziel in der Landwirtschaft eine Wochenarbeitszeit von unter 50 Stunden. Nur so bleibe die Branche konkurrenzfähig. «Ein guter Familienanschluss trägt bei den Angestellten viel zur Zufriedenheit bei», ergänzt Paul Sommer. Aber gerade das würde heute nicht mehr automatisch geboten. Immer häufiger würden Betriebsleiterfamilien Wert auf ein privates Familienleben legen.

Aber wenn kürzere Arbeitszeiten und mehr Lohn für Mitarbeitende einfach nicht drin liegen, wie manche Arbeitgeber argumentieren? «Solche Betriebe gibt es», kommentiert der Abla-Präsident Paul Sommer, «aber die werden auch ein Nachfolgeproblem haben und sollten sich rasch mit der Betriebsorganisation auseinandersetzen». Für andere gebe es durchaus Lösungsansätze, zum Beispiel der Ausgleich von saisonalen Spitzen mittels Jahresarbeitszeit. Derzeit revidieren verschiedene Kanton ihre Normalarbeitsverträge oder haben das jüngst gemacht. Er ist nicht mit allen zufrieden, besonders die häufigen «kann»-Formulierungen sind ihm ein Dorn im Auge.

Gericht im Zweifel für Arbeitnehmer

Aus seiner Beratungstätigkeit weiss Paul Sommer: Es braucht klare Abmachungen, und zwar von Anfang an. Noch immer sieht er Arbeitsverhältnisse ohne schriftliche Regelungen, auch die Arbeitszeiterfassung sparen sich viele. Das sei im Moment zwar einfach, «aber je weniger geregelt ist, desto schwieriger wird es bei Differenzen.» Der Arbeitgeber solle bedenken, dass das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der Arbeitnehmenden entscheide.

Abla mit neuer Vorstandsfrau

An der Generalversammlung am Samstag in Mühleberg BE wurde die 26-jährige Mirjam Schmidig aus Schwyz in den Vorstand der Abla gewählt. Sie ersetzt Therese Gfeller, die zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Dem Präsidenten Paul Sommer wurde für seine langjährige Tätigkeit im Verband ein Geschenk überreicht. Die Abla ist die Dachorganisation der kantonalen Berufsverbände der landwirtschaft-lichen Angestellten. Sie vertritt die Interessen der Arbeit-nehmer, berät zum Arbeitsrecht bei Differenzen mitdem Arbeitgeber und gibt Auskunft zu Anstellungsfragen. Neue Mitglieder sind willkommen. Weitere Informationen: www.abla.ch

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