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Der Siebenschläfer bekam nasses Fell, aber trotzdem steht Erntewetter an

Der Monatswechsel hat regnerisches Wetter gebracht. Dass heisst aber keineswegs, dass sieben Wochen Regen ins Haus stehen – der Bauernregel des Siebenschläfertags zum Trotz.

Die Siebenschläfer-Regel ist wohl eine der bekanntesten Bauern- oder Wetterregeln. Sie besagt grundsätzlich, dass sich das Wetter am sogenannten Siebenschläfertag die nächsten sieben Wochen, also bis Mitte August, fortsetzt.

Nimmt man diese Regel wörtlich und überträgt das Wetter vom kalendarischen Siebenschläfertag, dem 27. Juni, auf die nächsten sieben Wochen, so ist die Trefferquote dieser Regel sehr gering.

Deutlich aussagekräftiger ist die Regel, wenn man statt eines einzelnen Kalendertages den Zeitraum der letzten Juni- und ersten Julitage betrachtet. Unter dieser Betrachtungsweise weist die Regel eine erstaunlich hohe Trefferquote auf; und die Grosswetterlage, die in den Tagen um den Monatswechsel dominiert, überwiegt zu rund 70 Prozent auch tatsächlich während der nächsten sieben Wochen.

Ein Blick zurück

Blickt man zurück auf die Tage um den Monatswechsel, so zeigt sich ein etwas betrübliches Bild. Ein hartnäckiges Tiefdruckgebiet befand sich im Raum zwischen Ostatlantik, der Biskaya und den Britischen Inseln. Um dieses Tief herum wurden relativ warme, aber instabile, energiereiche und feuchte Luftmassen aus Südwesten in die Schweiz geführt.

In Kombination mit dem Tagesgang und kleinräumigen Höhentiefs sorgte diese Luftmasse für unbeständiges Wetter und immer wieder kräftige Gewitter. Auch die Vorhersage, wann genau wo Regen fällt, ist bei dieser Wetterlage sehr schwierig. Durch die hohen Regenintensitäten bei Gewittern kann der Boden zudem auch weniger Regenwasser aufnehmen, und ein grosser Teil der Niederschläge fliesst direkt in den Abfluss. Teilweise kann dieser Oberflächenabfluss auch zu einer verstärkten Bodenerosion führen. Der Gewitterhagel führte zu Schäden an der Vegetation, und zum Heuen war das Wetter bei Weitem zu unbeständig.

Ein Wetterwechsel

Muss man sich jetzt auf einen heftigen Gewittersommer, der bis in den August andauert, einstellen? Nicht unbedingt. Denn kurz nach dem Monatswechsel zeichnete sich ab dem 5. Juli ein Wetterwechsel ab. Das grosse, nachhaltige Tief zwischen Atlantik und England wurde abgelöst durch das Azorenhoch, das sich ebenfalls zwischen Ostatlantik und England etabliert.

Dies führte dazu, dass sich auch der Wettercharakter komplett umstellte. Anstatt feuchtwarmer, «düppiger» und instabiler Luft erreichten Luftmassen aus Nordosten die Alpen. Diese Luft war deutlich trockener und in den unteren Schichten relativ kühl, was in einer stabilen Schichtung der Atmosphäre resultierte. Auch die Windrichtung drehte um 180 Grad: Anstelle von Südwestwind stellte sich eine Bisenströmung ein. Garantiert beständig und trocken sind auch diese Wetterlagen nicht immer – auch aus Norden oder Nordosten können Kaltfronten zu den Alpen ziehen. Da diese Luftmassen aber eher kühl und trocken sind, bringen sie meist nur wenig Regen und kaum heftige Gewitter mit sich.

Wie wird das Sommerwetter?

Doch welche Wetterlage setzt sich nun in den nächsten sieben Wochen durch? Das kann momentan nicht beantwortet werden. Mittelfristig deutet sich an, dass bis Ende der nächsten Woche eher die hochdruckbestimmte und trockene Variante die Überhand behält.

Obwohl der Siebenschläfertag selbst also eher nass ausgefallen ist, gibt es nun zumindest bis Mitte Juli gutes Erntewetter. Es ist jedoch nicht die erste Trockenphase diesen Sommer, und aus dieser Perspektive würden sich wohl nur wenige beklagen, wenn sich das Wetter auch dieses Jahr an die Siebenschläferregel hält – und entsprechend dem Muster der vergangenen Tage nach dieser Hochdruckphase auch wieder mal einen 180°-Grad-Dreher der Windrichtung bereithalten würde, der danach wieder etwas feuchtere Luft mit Niederschlägen heranführt.t