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Definitiver Zuckerrübenpreis erneut über Richtpreis

Die Interprofession Zucker hat den definitiven Preis 2018 auf 44 Fr. pro Tonne Zuckerrüben und damit einen Franken über dem angestrebten Preis festgelegt.

Historisch tiefe Zuckerpreise, schlechte Erträge, tiefe Zuckergehalte, Resistenzprobleme, Rübenkrankheiten und massive Probleme mit der Bahnlogistik – im vergangenen Jahr hatte die Zuckerbranche mit äusserst schwierigen Bedingungen zu kämpfen. Das verunsichert die Pflanzer, was sich in der Anbaubereitschaft in diesem Jahr widerspiegelt: Rund 1000 Hektaren Rüben weniger werden angebaut als noch im Jahr davor. Doch die Zuckerwirtschaft zeigt sich beharrlich. Um den Anbau weiter zu fördern, setzt sie auf Kontinuität und stabile Übernahmebedingungen.

Einen Franken mehr im Hosensack

Die Interprofession Zucker hat in der laufenden Woche den definitiven Rübenpreis bekannt gegeben. Dieser wurde für 2018 gegenüber dem angestrebten Richtpreis um einen Franken auf Fr. 44.– pro Tonne Rüben erhöht. Auf die Auszahlung einer variablen Komponente müsse jedoch verzichtet werden. «Grundsätzlich streben wir einen Rübenpreis von Fr. 60.– inklusive Zuschläge an. Angesichts der schlechten Erträge und tiefen Zuckerpreise im vergangenen Jahr können wir diesen leider nicht erreichen», so Josef Meyer, Präsident des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ), auf Anfrage.

Auflösung von Reserven

Der Rübenpreis könne allerdings mit Reserven gestützt werden. So haben die Schweizer Zucker AG (SZU) sowie die SVZ in Erwartung von Marktturbulenzen 2004 einen Fonds angelegt. Jährlich werden vier Millionen Franken aus dem EU-Zuckermarktfonds zur Unterstützung des Rübenpreises aufgelöst.

Auch der Bund springt ein. Im letzten Jahr wurde der Einzelkulturbeitrag für Zuckerrüben auf Fr. 2100.– pro Hektare angehoben und bleibt bis 2021 in dieser Höhe erhalten. Eingeführt wurde zudem ein Mindestzoll von Fr. 70.– pro Tonne beim Zuckerimport in diesem Jahr.

Logistikprobleme bereinigt

Die SZU arbeite zudem daran, verschiedene Verbesserungsmassnahmen im Bereich Logistik und Datenverarbeitung umzusetzen. Im vergangenen Jahr entstanden – wegen der Umlagerung der Transportentschädigung von Fr. 2.–/t in den Rübenpreis und der Einführung neuer Übernahmemodelle – Unterschiede zwischen den bilateral ausgehandelten Transporttarifen für Genossenschaften und der festgelegten Transportentschädigung für den individuellen Transport. Um die Differenzen zu verkleinern, wird laut Interprofession der Grundbeitrag für den Transport beim individuellen Transport von Fr. 1.40 neu auf Fr. 1.90 erhöht. 2020 soll eine weitere Anpassung der Tarife erfolgen: Der Grundbeitrag steigt dann auf Fr. 2.– und die Entschädigung pro Kilometer sollen angepasst werden. Im Gegenzug müssten die Pflanzer allerdings in allen Übernahmemodellen die Frachtkosten für den Fremdbesatz ab zehn Prozent selbst übernehmen. In den nächsten Monaten soll laut Mitteilung ein einheitliches Übernahmemodell erarbeitet werden.

Stabiler Richtpreis für 2019

Für 2019 und 2020 einigen sich SZU und SVZ auf einen unveränderten Grund- und Richtpreis von Fr. 44.– pro Tonne Rüben. Die Treueprämie wird auf Fr. 2.– pro Tonne steigen, sofern die
Voraussetzungen erfüllt sind. Zudem soll die Spätablieferungsprämie auf Kosten der Frühablieferungsprämie gestärkt werden, da in den letzten Jahren die Bereitschaft für späte Ablieferung der Rüben abgenommen hat. Ab 2020 erhalten Frühlieferungen nur noch bis zum 26. September einen Zuschlag. Dafür stiegen die Prämien für Spätlieferungen im Dezember.

Wirtschaftlichste Kultur

Die Interprofession strebe weiterhin eine Produktion von
265 00 Tonnen Zucker an. Die Nachfrage und die Flächen dafür seien vorhanden. Mit den stabilen Rübenpreisen und dem erhöhten Einzelkulturbeitrag sei die Rübe wirtschaftlich attraktiv und eine wertvolle Frühlingskultur in der Fruchtfolge. Laut einer Agroscope-Auswertung 2018 können mit der Rübe sogar die höchsten Deckungsbeiträge im Ackerbau (Fr. 5486.–) erwirtschaftet werden. Höher fällt nur noch die Kartoffel aus.

Interprofession Zucker verhandelt jährliche Richtpreise

Aufgrund der politischen Ausgangslage, dem Absatz und der markttechnischen Möglichkeiten werden jährlich die Rübenpreise und Produktionsmengen zwischen Zuckerindustrie und Zuckerrübenproduzenten ausgehandelt. Die Übernahmebedingungen werden jährlich durch die Interprofession Zucker verhandelt.

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