Ja, mi düecht scho!» Ich liebe diese besondere Zeit mit allem Drum und Dran. Es gibt für mich keinen besseren Seelenwärmer als leise flackerndes Kerzenlicht an kalten, finsteren Wintertagen. Besser, ich verrate nicht, wie lange jeweils mein allabendlicher Kerzenlösch-Rundgang dauert – «aber Cherze müesse eifach sy – u zwar viu» – und dies nicht nur im Advent!
Schade, wenn Weihnachten nur Hektik und Stress bedeutet
Was bedeutet uns denn Weihnachten heute noch? Freuen wir uns darüber? Oder überwiegt das bedrückende Gefühl von Hektik und Stress rund um Geschenke und den eigenen Anspruch, die lieben Verwandten mit dem perfekten Menü zu beeindrucken? Denn nach dem sagenhaften Chateaubriand mit der selbstgemachten Sauce béarnaise der Schwägerin im letzen Jahr «chani mi hür doch nid lah lumpe?» Ich koche gerne und für lieben Besuch auch sehr gerne aufwendig. Aber wenn die Zeit knapp ist oder einfach schlicht die Energie fehlt, dann lässt es sich ganz ohne Gesichtsverlust auch bei einem Fondue oder nur einem schönen Glas Wein gemütlich beisammen sein. Denn vor allem darum sollte es gerade am Fest der Liebe doch eigentlich gehen. Sich Zeit zu nehmen für Nähe und gute Gespräche mit lieben Menschen.
Mit offenen Augen erkennt man ein Stück Weihnachten das ganze Jahr über
Weihnachten erlebe ich übers ganze Jahr immer wieder. Man muss nur die Augen offenhalten. Wenn die Nachbarin bei der betagten Frau jeden Morgen reinschaut, um nachzusehen, ob sie gefrühstückt hat. Wenn die Freundin spontan anruft, und mich nach meinem Befinden fragt, weil sie beim letzten Treffen spürte, dass irgendwo der Schuh drückt. Wenn der Buschauffeur für jeden Gast ein liebes Wort und ein Lächeln bereit hält und nicht vergisst, der einsamen, alten Frau auf dem Balkon zuzuwinken, die dort jeden Tag freudig auf diesen Moment des Nichtvergessenseins wartet – dann sind dies für mich wunderschöne, gelebte Weihnachtsmomente.
Eine kleine Geschichte
Neulich sagte jemand: «Ich weiss eigentlich gar nicht, was das Leben für einen Sinn hat und was ich hier soll. Wenn ich so ein Goethe wäre oder ein Einstein – aber ich bin in jeder Hinsicht ein Durchschnittsmensch.» «Hast du schon einmal Puzzle gelegt»? fragte die Freundin zurück. «Klar, sogar 3000 Teile!» «Ist es da einmal vorgekommen, dass ein Puzzleteil verloren gegangen ist?» «Ja, ein blaues Stück fehlte, ein Teil vom Himmel. Alle sehen fast gleich aus. Zwei Wochen hatte ich am Puzzle gearbeitet und dann war es nicht vollständig.» «Nun stelle dir einmal vor, die ganze Welt mit allem Leben wäre ein Riesenpuzzle, zu dem jeder Mensch an seinem Platz etwas zur Vollkommenheit beiträgt. Dann würde, wenn es dich nicht gäbe, der Welt an einer Stelle etwas Wesentliches fehlen – vielleicht ein Stück Himmel?» (Autor unbekannt).
Ich wünsche euch allen von Herzen entspannte Weihnachtstage – mit oder ohne 5-Gang-Menü –, und liebe Menschen, die euch spüren lassen, dass ihr für sie etwas ganz Besonderes seid. Fangen wir doch gleich selber damit an – einfach so – für ein bisschen Weihnachten, nicht nur im Dezember!

