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Betreuung und Wellness: «Chalberweid» steht für Erholung pur

Vor drei Jahren zog Karin Montigel in ein Bauernhaus in der Natur und bietet dort Angebote für Wohlbehagen und Betreuung an. Immer mehr Menschen nutzen solche Dienstleistungen vom Bauernhof.

«Auf meinem Bauernhof, mitten in der Natur, findet der Gast Ruhe und Erholung, gute Luft und schöne Aussicht in familiärer Atmosphäre mit liebevoller und persönlicher Betreuung.» Dieser Satz steht auf dem Flyer von Karin Montigel, mit dem sie auf ihrem Hof Chalberweid in Utzigen BE betreutes Wohnen und Naturwellness anbietet. Dieser Satz beinhaltet das A und O ihres Angebots.

In der Ruhe liegt die Kraft

Jemand, der auf ihrem Hof ein paar Stunden schnuppert oder einen Tag verbringt, weiss nach dem Besuch, hier kann vom hektischen Alltag oder vom Lärm in einer dicht besiedelten Umgebung Abstand gewonnen werden. Dies liegt in erster Linie an der Gastgeberin, die eine sympathische Ruhe ausstrahlt. Sie erzählt abgeklärt über ihr ergreifendes Leben. Geduldig stellt sie die Voraussetzungen und Möglichkeiten für einen entspannten Aufenthalt auf ihrem Hof vor. Karin Montigel ist ausgebildete Arztgehilfin mit langjähriger Erfahrung in einer Hausarztpraxis. Später arbeitete sie in einem Heim für Menschen mit geistiger Behinderung. Sie wohnte und arbeitete in der Stadt oder in städtischem Gebiet. Doch ihr grösster Wunsch war seit jeher, auf einem Bauernhof zu leben.

Allerdings musste sie viele Jahre warten, bis der Traum wahr werden konnte. Sie verlor früh ihren Mann unter tragischen Umständen und zog ihre zwei Söhne alleine gross. Sie erfuhr, was es bedeutet, jeden Franken umzudrehen, bevor er ausgegeben werden konnte. Um sich und ihre Familie weiter zu bringen, nahm sie neben ihrer Haupttätigkeit Nebenbeschäftigungen an. So wie ihre Söhne älter wurden, verbesserte sich ihre finanzielle Situation. Ihr Bauernhoftraum, auf dem sie zudem betreutes Wohnen anbieten kann, schien näher zu kommen. Als ihre Eltern, derer sie sich jahrelang angenommen hatte, dement wurden und ins Pflegeheim ziehen mussten, zogen sie ins Alters- und Pflegeheim Utzigen. So kam die Tochter in engeren Kontakt mit dieser idyllisch am Rande des Emmentals gelegenen Gegend.

Weitere Betreuungsangebote vom Bauernhof

Die «Stiftung Landwirtschaft und Behinderte» bietet Menschen mit einer Beeinträchtigung, die nicht im Rahmen einer Dauerplatzierung vermittelt werden können, die Möglichkeit, Ferienwochen, Wochenenden oder einzelne Tage auf einem Bauernhof zu verbringen. Dabei können sie das Leben auf dem Bauernhof und innerhalb einer Bauernfamilie kennenlernen. Sie können im landwirtschaftlichen Alltag mithelfen, werden aber nicht dazu verpflichtet. Die Teilnehmer werden durch die Bauernfamilie betreut und begleitet.

Auch der «Verein Carefarming Schweiz» bietet Betreuungsdienstleistungen im ländlichen Raum an. Auf der Website heisst es: «Immer mehr Menschen, die Betreuung oder Begleitung benötigen, entscheiden sich für familienintegrierte Plätze im ländlichen Raum. Sei es kurz-, mittel- oder langfristig, jung oder alt, Kind oder Erwachsene.» Der Verein ist keine Vermittlungsstelle, sondern hat sich zum Ziel gesetzt, die Mitglieder miteinander zu vernetzen und sich gegenseitig zu helfen. Es werden Tagungen organisiert für die Weiterbildung und die Qualitätssicherung

Passt ideal für den Betrieb

Der Gedanke, sich in dieser «unverdorbenen» Landschaft einnisten zu können, feuerte Karin Montigel an. Sie drang tiefer in das Thema Landwirtschaft ein und stiess beim Inforama auf die Kursangebote: Naturwellness auf dem Bauernhof und Kräuterakademie. «Ich sagte mir», erinnert sie sich, «das würde sich ideal für mein Betriebskonzept eignen: Einerseits ein kleiner Hof mit Fleischproduktion, andererseits ein Angebot für betreutes Wohnen von älteren oder geistig behinderten Personen sowie Ferienbetten.» Sie hatte das Glück, 2013 den Hof Chalberweid kaufen zu können. Dieser war über drei Jahre weder bewohnt noch bewirtschaftet worden. Sie erzählt vom Aufräumen, dem Abriss der verschiedenen Gebäude, der Fassung der neuen Quelle und der Konstruktion der rund 400 Meter langen Privatstrasse, wo sie überall kräftig mithalf. Zudem erledigte ihr Partner Andreas Joss vom Nachbarhof Springhubel viele Arbeiten.

Schliesslich entwarf sie die Pläne für ihr prächtiges neues Bauernhaus aus Holz und konnte vor drei Jahren dort einziehen. Zusammen mit ihrem Partner hält sie heute einen Gemeinschaftsbetrieb mit Zebus, Schafen und Forellen. Die Produkte verkaufen sie ab Hof.

Das Haus umfasst neben ihrer grosszügig gestalteten Wohnung mehrere Zimmer mit separaten Nasszellen. Diese Räume sind geschmackvoll eingerichtet. Die Hausbesitzerin mischt wie in ihren privaten Wohnräumen Antikes mit Neuem und Modernes mit Traditionellem. Egal auf welcher Seite man aus dem Fenster schaut – die Aussicht ist einzigartig. Die Umgebung ist hell, freundlich und keineswegs bedrückend.

In die Familie integriert

Die Gäste fühlen sich wohl. Als Beispiel diene die geistig behinderte 60-jährige Frau, die normalerweise im Heim wohnt. An «Angehörigen-Wochenenden» wird sie von einer Tante betreut. Als diese ausfiel, sprang Karin Montigel ein: Sie holte die Frau am Samstagmorgen im Heim ab und brachte sie am Sonntagabend zurück. Die Dame hatte ihr Zimmer, durfte sich in den Familienräumen aufhalten und nahm mit der Gastgeberin und Besuchern die Mahlzeiten ein. Auf Wunsch ging die Bäuerin mit ihr spazieren. Weil die Frau stundenlang am Stubentisch Bilderbücher anschaute, fragte Karin Montigel, ob sie ihr beim Kochen helfen möchte. Die Antwort war kurz und klar: «Nein, hier arbeite ich nicht, ich habe frei! Ich muss die ganze Woche in der Küche arbeiten.»

Wie im Flyer geschrieben, fühlt man sich auf der Chalberweid in erster Linie dank des angenehmen, ruhigen Umgangs der Besitzerin wohl. Als Zweites kommt die romantische Landschaft hinzu, die sich auf 860 Meter über Meer immer wieder in ein anderes Licht setzt. Hier wird es trotz der Abgeschiedenheit nicht langweilig. So empfiehlt sich auch ein Ferienaufenthalt oder eine Auszeit, um beispielsweise ein Buch zu schreiben, eine Prüfungsarbeit vorzubereiten oder sich von einer Krankheit zu erholen. Karin Montigel bietet zudem in einem separaten Raum Gesundheitsmassage an. Zurzeit in Arbeit sind ein Badeweiher und eine Sauna. Sie hofft, diese Angebote bis im Herbst zu verwirklichen und damit ihr Naturwellness-Angebot zu vervollständigen.

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