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Beim Thema Reinigungsmittel ist weniger mehr – aus verschiedenen Gründen

Die Auswahl an Reinigungsmitteln ist riesig. Die Liebegger Fachfrau Ursula Richner sagt, was es wirklich braucht. Denn oft werde ein zu starkes Mittel eingesetzt, obwohl es ökologische Alternativen gibt oder auch ohne Chemie saubere Resultate möglich sind.

Kochen und Putzen gehören zum Alltag. Das Kochen wird zelebriert, über das Putzen hingegen redet kaum jemand. Dabei braucht es in diesem Bereich genauso Kompetenzen. Einige Patzer zeigen sich sofort, wenn beispielsweise ein scharfes Reinigungsmittel dauerhaft Spuren hinterlässt. Andere Fehler lassen sich ein Leben lang durchziehen und schaden dabei der Umwelt, dem Material und den Menschen.

Oft zu starke Mittel

Die häufigsten Fehler lassen sich zusammenfassen unter dem Motto «zu viel»: zu starke Mittel, zu viele Zusatzstoffe, zu hohe Dosierung. «Weniger ist mehr», lautet darum der Grundsatz von Ursula Richner, Fachspezialistin für Hauswirtschaft am LZ Liebegg in Gränichen.

Im Kursformat «kurz und bündig» lieferte sie alltagstaugliche Informationen zum Thema Reinigungsmittel.

Bevor einen die Putzwut packt, lohnt sich ein Gedanke zu den eigenen Standards. Wie sauber will ich es haben? Im Operationssaal eines Spitals muss es klinisch rein sein. Aber im Familienhaushalt mit gesunden Menschen spricht wenig fürs Desinfizieren. «Zu Hause mit Javelwasser die Böden aufnehmen macht kaum Sinn», sagt Ursula Richner. Wer sich beim Putzen nicht bremsen muss, sondern eher Motivation braucht, startet am besten mit dem Gedanken an die Vorteile: Sauber und schön ist es danach. Vielleicht kommt zur Belohnung ein Blumensträusschen auf den Tisch. Zudem erhält sorgfältige Pflege den Wert und die Gebrauchseigenschaften von Gegenständen, lohnt sich also auch ökonomisch.

«Ein neutraler Reiniger reicht in vielen Fällen.»

Gemäss Ursula Richner vom LZ Liebegg werden häufig zu starke Mittel verwendet.

Aber was gehört in den Putzschrank? Das Angebot an Reinigungsmitteln ist riesig. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind Tenside. Sie setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab, emulgieren fettige Substanzen und unterstützen generell die Wirkung von Säuren und Alkalien. Tenside werden in der Kläranlage gut abgebaut. Die meisten Farb- und Duftstoffe hingegen nur schwer. Sie sind in den allermeisten Reinigungsmitteln enthalten, ohne dass sie die Reinigungswirkung beeinflussen – höchstens das Kaufverhalten der Menschen. Zum Kauf locken auch permanente Aktionsangebote. Ursula Richner rät zu Skepsis: «Bevor ihr etwas Neues kauft, macht euch Gedanken, ob und wofür ihr es braucht. Bei Reinigungsmitteln dürft ihr ruhig beim Bekannten und Bewährten bleiben.»

Wichtige Info fehlt meistens auf der Etikette

Etiketten auf Reinigungsmitteln sind umfangreich, und doch fehlt meistens eine wichtige Information: der pH-Wert. Denn ein neutraler Reiniger mit pH-Wert zwischen 6 und 8 ist für Ursula Richner die erste Wahl im Putzschrank: «Ein neutraler Reiniger reicht in vielen Fällen aus. Damit kann ich sehr viel machen: abwaschen, Böden und Fenster reinigen.»

Der neutrale Reiniger braucht ab und zu Verstärkung, so beim hiesigen kalkhaltigen Wasser in Form von Säure. «Aber nicht bei jedem Reinigungsvorgang, sondern vielleicht einmal pro Woche.» Und bei stark fettigen Verschmutzungen, etwa im Backofen und bei Backblechen, und anderen organischen Ablagerungen hilft ein alkalischer Reiniger.

Korrekter Umgang mit Putzmitteln

Spray mit Reinigungsmittel nicht grossflächig versprühen, sondern direkt auf den Lappen, damit das Mittel nicht in die Atemwege gelangt. Reinigungsmittel nie trocken, sondern mit Wasser verdünnt anwenden. Duschwände vor dem Auftragen des Reinigungsmittels abspülen. Dosierungsvorschriften einhalten und dabei auch die Wasserhärte beachten. Packungen mit sparsamem Ausguss bevorzugen. Sich vorgängig über das zu reinigende Material informieren, um das passende Reinigungsmittel zu wählen und Schäden am Material zu verhindern.

Oft gibt es ökologische Varianten

Oft gibt es umweltschonende Alternativen beim Putzen. Dank Mikrofasertüchern geht es häufig ganz ohne Reiniger. Mikrofaser wird feucht verwendet und darf nicht mit Weichspüler gewaschen werden, dieser setzt die Reinigungswirkung herab. Aufgepasst: Bei Brillen und anderen Glasimitaten aus Kunststoff könnte es Kratzer geben. Mikrofasertücher haben den Nachteil, dass sie bei jedem Waschgang Kunststofffasern verlieren und an die Umwelt abgeben. Allerdings in geringem Umfang, so dass der Vorteil des eingesparten Reinigungsmittels nach Ansicht von Expert(innen) überwiegt.

Wenn es schnell gehen muss, wird zum starken Putzmittel gegriffen. Ein milderes Mittel bringt die gewünschte Wirkung genauso, wenn es Zeit zum Einwirken hat. Das lässt sich mit etwas Planung vor Putzbeginn einrichten. Gute Dienste leisten auch altbewährte Hausmittel. Ein Beispiel: Eine Trinkflasche lässt sich innen gründlich reinigen, indem sie mit Wasser und einem Kaffeelöffel Backpulver gefüllt und so einige Stunden stehen gelassen wird. Das hilft ebenso bei Pfannen mit Angebranntem. Wobei auch Haus-mittel fachgerecht angewendet werden müssen; Essig auf Chromstahl beispielsweise kann durchaus Schaden anrichten.

Tipp für den Putzalltag

Und zum Schluss noch ein Alltagstipp von Ursula Richner: Glasspray setzt sie nicht nur für Glas ein, sondern auch für Türgriffe, Lichtschalter und Ähnliches und sogar für die Toilette. «Glasspray auf eine Windeleinlage sprühen, die sind dünn und saugfähig, Fläche damit abreiben und fertig. Es braucht kein Nachspülen und trocknet schnell.»

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