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Bei Rahel Beglinger treffen verschiedene Welten aufeinander

Rahel Beglinger aus dem glarnerischen Mollis hat als Älplerin, Bäuerin und Mutter ein ausgefülltes Leben. Ganz bewusst räumt sie sich dennoch Zeit ein, um in ihrem ursprünglich erlernten Beruf als Ergotherapeutin am Ball zu bleiben. Um das alles unter einen Hut zu bringen, muss die Organisation klappen.

Die Küchenmaschine rotiert auf der Ablage. Zäh kämpft sich der Knethaken durch den Teig. Kurz zuvor hat Rahel Beglinger Dinkelmehl, Hefe, Salz und Wasser in die entsprechende Schüssel gegeben. Nun steht die Bäuerin in der Küche in Mollis im Glarnerland und überwacht das Geschehen. «Ich backe unser Brot immer selber. Unter der Woche gibts Vollkornbrot, am Sonntag Zopf», erzählt sie. Das Dinkelmehl in der Teigschüssel stammt vom eigenen Acker. Grundsätzlich sind ihr regionale Qualitätsprodukte wichtig. Rahel Beglinger fasst zusammen: «Das macht die Land-wirtschaft ja aus.» Was sie nicht selber produziert, kauft sie dazu, wenn immer möglich ist dabei die Regionalität ein wichtiges Qualitätskriterium.

Im Sommer auf der Alp

Nicht nur das Brot, auch Butter und Käse werden selber produziert. Letztere hoch über dem Landwirtschaftsbetrieb in Mollis, auf der Nüenalp bei Filzbach. Diese bewirtschaftet Rahel zusammen mit ihrem Mann, Christian Beglinger. Sommer für Sommer verbringt sie als Älplerin dort oben. Täglich steht sie am Käsekessi. Weiter packt sie draussen mit an, zäunt, schaut nach den Tieren oder eliminiert Unkraut. Kurz: Sie ist überall da im Einsatz, wo es sie braucht. Rahel Beglinger hat als Älplerin, Bäuerin und Mutter ein ausgefülltes Leben. Ganz bewusst räumt sie sich aber dennoch Zeit ein, um in ihrem ursprünglich erlernten Beruf als Ergotherapeutin am Ball zu bleiben. Im Winter rückt die Landwirtschaft jeweils für zwei Tage in der Woche in den Hintergrund. Während dieser Tage arbeitet die Bäuerin als Ergotherapeutin. Es ist ihr wichtig, dass sie diesen Teil von sich weiter pflegt. Aktuell wirkt sie im Bereich der Neurologie. Hilft Menschen nach einem Schädelhirntrauma oder Schlaganfall ins Leben zurückzufinden und solchen mit Multiple Sklerose oder Parkinson eine möglichst gute Lebensqualität zu erhalten.

Zuhören ist wichtig

Mühe, eine temporäre Anstellung zu finden, hatte Rahel Beglinger bisher noch nie. Ihre diesjährige Stelle befindet sich in Zürich. Prallen da nicht manchmal Stadt und Land aufeinander? Natürlich gebe es Gespräche mit Arbeitskollegen, welche die Landwirtschaft und die Alp betreffen. Immer wieder werde sie auf die Tierhaltung, die Fleischproduktion aber auch auf den Einsatz von Pestiziden und Dünger angesprochen. «Eine nachhaltige Landwirtschaft ist auch für mich ein Thema», unterstreicht Rahel Beglinger. Oft folge beim Gegenüber Staunen. Immer dann, wenn sie erkläre, wie es in der Praxis auf einem Landwirtschaftsbetrieb läuft. Genauso wichtig findet sie aber, dass die Bauern diesen Menschen wirklich zuhören und dabei herausfinden, was ihre Anliegen sind und welche Ansprüche sie sich für ihre Ernährung wünschen. «Wir müssen uns bewusst werden: Das sind unsere Kunden. Wenn wir über ihre Köpfe hinwegproduzieren, landen wir in der Sackgasse. Aufklären, Zuhören und Nachdenken – und zwar beiderseits», so ihr Appell.

Organisation ist wichtig

Öffentlichkeitsarbeit liegt Rahel Beglinger am Herzen. Auf der Nüenalp bieten sie und ihr Mann daher Agrotourismus an. Es werden Gäste bewirtet, Käseseminare im Sommer und im Winter gar Skitouren durchgeführt. Immer wieder übernachten auch Gruppen auf ihrer Alp. «Wir möchten unsere Produkte verkaufen. Aber auch die Menschen für die Landwirtschaft sensibilisieren, ihnen zeigen, was wir mit viel Herzblut produzieren.»

Das Paar hat vier gemeinsame Kinder. Wie viele andere Eltern, welche die Sommer auf der Alp verbringen, kennt Rahel Beglinger daher die Herausforderung, die Alpwirtschaft mit schulpflichtigen Kindern zu kombinieren. «Während der Sommerferien geht alles reibungslos. Die Zeit davor und danach muss gut organisiert sein», so ihre Erkenntnis. Gute Organisation ist bei ihr aber auch im Winter nötig. Es ist der Bäuerin ein Anliegen, dass es daheim reibungslos läuft, während sie als Ergotherapeutin im Einsatz steht. Sie ist sich bewusst: «Ganz ohne Hilfe geht das nicht.» Zwei Lehrlinge bereichern aktuell den Betrieb. Im Sommer kommt zusätzlich Alppersonal zum Einsatz. Im Haushalt unterstützt einmal wöchentlich eine Reinigungskraft die Familie. «Diese leisteten wir uns, als ich im Winter wieder als Ergotherapeutin zu arbeiten begann», erinnert sich Rahel Beglinger. Das sei eine gute Investition, ist sie bis heute überzeugt. Denn die Hausarbeit ist für sie die grösste Last. Viel lieber ist sie draussen in der Natur oder bei den Tieren. Melkt Kühe oder tränkt Kälber. Von all ihren Berufen ist ihr die Alp am allerwichtigsten. «Ich bin mit Leib und Seele Älplerin. Alle anderen Dinge werden um die Alp herum organisiert»

Stelle fürs Leben gefunden

Eine Frage gilt es noch zu klären. Wie wird eine Ergotherapeutin zur Älplerin? Rahel Beglinger antwortet: «Ich war als Kind einmal auf einer Alp in den Ferien. Seither liess mich der Wunsch nicht mehr los, einmal eine ganze Saison hoch über dem Alltag zu verbringen.» Also bewarb sich die damals 24-Jährige für eine Alpstelle. «Ich dachte, wenn ich das jetzt nicht mache, bin ich im Hui 70 und habe die Gelegenheit verpasst!» Was sie damals noch nicht wusste: Sie reagierte just auf das Stellenangebot von Christian Beglinger, ihrem späteren Ehemann. Zwar klappte es aus beruflichen Gründen nicht sofort mit dem Alpsommer. «Dafür verbrachte ich fast jedes Wochenende dort oben», erzählt Rahel Beglinger und schmunzelt.

In der Zwischenzeit ist der Teig in der Schüssel genug aufgegangen. Rahel Beglinger formt die Brote, heizt den Ofen auf. 30 Minuten später wird der würzig-süssliche Duft von frischem Brot den Raum erfüllen. Für die Bäuerin ist aber noch lange nicht Feierabend. Kaum sind die Brote aus dem Ofen, tauscht sie die Kochschürze mit der Stallhose. Die Kühe müssen gemolken werden. Am Tag darauf aber, da wird sie wieder in ihre Rolle der Ergotherapeutin schlüpfen und mit dem Zug in Richtung Zürich fahren.

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