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Bei Cannabis liegt das Heil in der richtigen Dosis

Die berauschende Wirkung von Cannabis ist bekannt. Aber richtig faszinierend wird es beim Einsatz dieser Heilpflanze in der Medizin. Oft dort, wo sonst nichts mehr hilft.

«Fast hätte ich gesagt, mein Lieblingspflänzchen.» Wenn der Apotheker Manfred Fankhauser über Cannabis spricht, wählt er seine Worte mit Bedacht. Denn Hanf, so der deutsche Name, wird seit Jahrtausenden als Nutz- und Heilpflanze verwendet, aber im Windschatten folgt immer die Wirkung als Rauschmittel.

Bei Cannabis liegt das Heil in der richtigen Dosis
Der Apotheker Manfred Fankhauser hat viel Erfahrung in der medizinischen Anwendung von THC- und CBD-Arzneimitteln.

Pioniere in der Hanf-Medizin

Über das kontroverse Thema sprach Manfred Fankhauser mit einer Kombination aus naturwissenschaftlicher Nüchternheit und Begeisterung am Januarkurs der Aargauer Landfrauen.

Er und sein Team von der Bahnhof-Apotheke in Langnau im Kanton Bern sind Pioniere und Spezialisten für die medizinische Anwendung von Cannabis und vom BAG autorisiert zur Vertreibung entsprechender Arzneimittel.

Schwerkranke erfüllte sich dank THC einen Traum

Ich nehme ein paar Mal pro Woche CBD-Tropen für mein allgemeines Wohlbefinden. Jetzt bin ich schwanger. Muss ich die Tropfen absetzen?

Manfred Fankhauser: Ja. CBD sollte man in diesem Fall sowohl als reine Substanz wie auch in frei verkäuflichen Präparaten nicht einnehmen. Zudem enthalten diese meist noch wenig THC, das man in der Schwangerschaft sowieso unbedingt vermeiden sollte.

Zu Fankhauser kommen keine Menschen mit Bagatellen. 80 Prozent sind Schmerzpatienten, häufig die Austherapierten, die nicht mehr weiter wissen. Oder Menschen, die in ihrer letzten Lebensphase Linderung von schweren Symptomen suchen. «Trotzdem erleben wir oft fantastische Wirkungen», sagt der Apotheker und nennt als Beispiel eine Patientin mit einer unheilbaren Nervenkrankheit im fortgeschrittenen Stadium. Die THC-Tropfen wirkten bei ihr so gut, dass sie sich ihren längst begrabenen Traum einer Auslandreise erfüllen konnte.

Hanf ist eine komplexe Pflanze mit gegen 600 Inhaltsstoffen. Die Hauptwirkstoffe sind Tetrahydrocannabinol (THC), das – in hoher Dosierung - berauschend wirkt, und das nicht berauschende Cannabidiol (CBD). «Ich kenne keine andere Substanz, die so vielseitig ist wie THC. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, auch wenn man nichts von Cannabis hält», sagt Manfred Fankhauser.

Kein Heilmittel gegen Krebs

Einige preisen Cannabis sogar als Wundermittel gegen Krebs. «Das ist es nicht», stellt der Apotheker klar. In erster Linie steigere der Wirkstoff die Lebensqualität und lindere Begleiterscheinungen.

Übelkeit und Erbrechen, insbesondere bei einer Chemotherapie, sind dementsprechend häufige Anwendungsbereiche von THC, ebenso Spastik und neurologische Erkrankungen.

Besteht bei der regelmässigen Einnahme von THC-Medikamenten das Risiko eines Rauschs oder einer Abhängigkeit?

Manfred Fankhauser: Die Angst vor einem Rausch ist bei der medizinischen Einnahme in 99 Prozent der Fälle unbegründet, da die Dosierung tief ist, und es besteht auch keine Suchtgefahr.

Der zweite Hauptwirkstoff von Cannabis, CBD, wird bei therapieresistenten Formen von Epilepsie, Angstzuständen, Schlafstörungen und Depressionen eingesetzt. Und bei ADHS kann Cannabidiol gemäss Fankhauser eine Alternative zu Ritalin sein, wenn auch weniger wirksam.

Es gibt keine tödliche Dosis

Als grossen Vorteil von Cannabis-Wirkstoffen nennt der Apotheker das Fehlen von lebensbedrohlichen Nebenwirkungen. «Es gibt keine tödliche Dosis im Gegensatz zu vielen anderen Substanzen.» Kiffen sei Konsum in Überdosierung. «Bei der medizinischen Anwendung ist die Dosierung viel tiefer, dort sind Nebenwirkungen selten und das Risiko von Rauschzuständen sehr gering.»

Die Kosten der Cannabis-Therapie sind hoch

Ich möchte gegen meine Beschwerden THC-Produkte ausprobieren, mein Arzt ist aber gegen solche Produkte.

Manfred Fankhauser: Am besten probieren skeptische Ärzte diese Therapieform aus und beurteilen sie dann nach ihrer Wirkung. Interessierte Ärzte bedient unser Team von der Bahnhof-Apotheke in Langnau gerne mit Informationen. Es gibt Studien zu verschiedenen Einsatzgebieten und wir verfügen über eine breite Erfahrung im praktischen Einsatz.

Ein Nachteil der Cannabis-Therapie sind die hohen Kosten von 200 bis 800 Franken pro Monat, teils deutlich höher. Sie fällt nicht unter die Pflichtleistungen der Krankenkassen, diese bezahlen nur nach einer Kostengutsprache. Der Apotheker beobachte jedoch eine steigende Akzeptanz bei den Krankenkassen und auch bei Ärzten.

Der Zugang zu THC- und CBD-haltigen Medikamenten erfolgt über einen Arzt und eine autorisierte Apotheke. THC-Medikamente dürfen bisher nur mit Genehmigung des BAG verschrieben werden, ab Mitte Jahr fällt diese Hürde weg.

Viel Unseriöses auf dem Markt

Daneben gibt es zahlreiche CBD-Präparate rezeptfrei zu kaufen, vom Öl bis zum Fruchtgummi. «CBD hat viele positive Wirkungen. Es ist aber kein Wundermittel», kommentiert Manfred Fankhauser. Problematisch sei die fehlende Kontrolle, auf dem freien Markt werde viel Unseriöses verkauft. Und er verweist auf Wechselwirkungen von CBD mit anderen Medikamenten; es kann beispielsweise die Wirkung von Blutverdünner lebensbedrohlich verstärken. «CBD-Präparate sollten darum aus meiner Sicht nur von Fachpersonen abgegeben werden.»

Bei Cannabis liegt das Heil in der richtigen Dosis
Hanf mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent darf heute in der Schweiz legal angebaut werden.

Hanf mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent darf in der Schweiz legal angebaut werden, einige Landwirte produzieren ihn mittlerweile als Ackerkultur.

In meinem Garten habe ich einige Hanfpflanzen aus dem Gartencenter. Kann ich die Blätter und Blüten bedenkenlos in meine Kräuterteemischung geben?

Manfred Fankhauser: Wie bei allen CBD-Produkten ist zu beachten, dass der Wirkstoff mit anderen Medikamenten eine Wechselwirkung eingehen kann, hier empfiehlt sich die Beratung durch eine Fachperson. Beim Konsum von sehr hohen Mengen können auch legale Cannabispflanzen mit einem THC-Gehalt von unter 1 Prozent eine berauschende Wirkung haben. Übrigens: Damit CBD seine Wirkung entfaltet, braucht es neben Wärme auch Fett, also beispielsweise etwas Milch im Tee.

Lebensmittel wie Hanfmehl, Hanfsamen oder Hanfnussöl gelten mit ihren essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen als Powerfood. Sie unterstehen aber einer Deklarationspflicht. Wer sein Hofladen-Sortiment mit entsprechenden Produkten anreichern möchte, muss sich darum vorgängig gut informieren.

Bahnhof-Apotheke Langnau: www.panakeia.ch

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