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«Gahd nid, gits nid», sagt die Nidwaldner Bäuerin Martina Käslin

Die sechsfache Mutter und Bäuerin verbindet den traditionellen Alp- und Talbetrieb erfolgreich mit modernem Agrotourismus. Sie verwöhnt Gäste aus aller Welt.

Am Fusse des Stanserhorns, hoch auf einer Krete mit Blick auf Berge und den Vierwaldstättersee, steht das «pfHuisli». Es ist ein Ort zum «Pfuisä» – zum Schlafen und Verweilen. Ein lukrativer Nebenerwerb der achtköpfigen Bauernfamilie Martina und Andreas Käslin aus Ennetmoos NW, die sich damit ein erfolgreiches zweites Standbein aufgebaut hat.

Vom Seilwindehüttli zum Agrotourismus

Martina Käslin wuchs auf einem Bauernbetrieb in Schattdorf UR auf, liess sich zur Hauspflegerin ausbilden und arbeitete einige Jahre bei der Spitex. «Ich suchte eine neue Herausforderung. Gästebetreuung auf dem Hof, das alte Seilwindehüttli umbauen, das wäre was. Da könnte ich zu Hause tätig sein», waren ihre damaligen Gedanken.

Ihr Mann Andreas war anfangs skeptisch, besonders mit Blick auf die Bewilligungen. Schliesslich hatten die Wohnhaussanierung 2016 und der Stallneubau 2020 bereits viel Kraft gekostet.

Eigentlich wollten Sie langsam starten

«Gahd nid, gits nid» ist das Lebensmotto der sechsfachen Mutter. So plante sie mit dem Arbeitgeber ihres Mannes den Umbau des alten Seilwindehüttlis mit einer kleinen Küche, WC und Dusche plus ein weiteres kleines Gebäude zum Übernachten. «Wir waren sehr erstaunt, als die Raumplanung dem Projekt sofort zustimmte», freut sich Martina Käslin noch immer.

Seit Februar 2022 empfangen Käslins Gäste aus aller Welt. «Eigentlich wollten wir langsam in den Agrotourismus starten. Aber wir wurden ziemlich überrumpelt und waren von Anfang an sehr gut gebucht», strahlt Martina Käslin. Die Gästebetreuung bereitet ihr grosse Freude – auch, weil sie so eigene Produkte direkt vermarkten kann.

Als Mitglied des Vereins «Natürlich Nidwalden» ist es der Bauernfamilie ein grosses Anliegen, die Gäste auf regionale Produzenten aufmerksam zu machen. Neben Fleisch aus eigener Produktion bietet sie Selbstgemachtes wie Tannschösslihonig, Sirup, Zwiebel-Chutney, süsssaures Gemüse, Tee und Salz mit Zutaten aus Hof und Garten an. Vor allem während der Alpzeit wird sie dabei von ihrer Schwiegermutter unterstützt.

Martina Käslin beim Ernten der Malven für ihre Kräuterteemischung. (Bild: Erika Rebsamen)

Leidenschaft für Original-Braunvieh

Seit 2014 bewirtschaftet das Paar den sechzehn Hektaren grossen Betrieb «Halten» in Ennetmoos in den Bergzonen II und III. Käslins führen einen Milchwirtschaftsbetrieb mit Kälbermast ohne Kontingent: Die Milch geht direkt an die Mastkälber. Die grosse Leidenschaft der Familie gilt der Zucht von Original-Braunvieh-Kühen mit Hörnern.

«An den Viehschauen ist immer die ganze Familie dabei», erzählt die stolze Bäuerin. Das Fleisch wird für den Eigenbedarf genutzt oder an Metzgereien in der Umgebung verkauft. Da die Familie den Sommer auf der Alp verbringt, ist eine Direktvermarktung ab Hof beim Fleisch nicht möglich.

Neben den 12 Kühen gehören 15 Rinder, rund 15 Mastkälber, acht Geissen, 15 Hühner samt Hahn, drei Katzen sowie Meerschweinchen, Wachteln, Hasen und Schildkröten zum Hof.

Sommerzeit auf der Alp Dossen

Von Anfang Juni bis Mitte September zieht die Familie – samt sämtlichen Tieren (ausser den Schildkröten) – auf die Alp Dossen (Kernalp) in Wolfenschiessen NW. Auf 1600 bis 1900 Metern über dem Meer sömmern zusätzlich vier Schweine. Zum Betrieb gehören auch Ökowiesen in der Bergzone 3 in Wolfenschiessen und Wiesenberg.

«Die steilen Planggen werden einmal gemäht und das Heu wird mit dem Helikopter ausgeflogen», erklärt Martina Käslin. Eine harte, aufwendige Arbeit, die jedoch vom Bund und Kanton unterstützt wird. Mit dem vergangenen Alpsommer zeigt sie sich trotz grosser Hitze zufrieden: «Das Wasser wurde zwar knapp und wir mussten zusätzliche Leitungen für Trinkwasser legen. Aber wir hatten immer genug und gehen ohnehin sehr sorgsam mit diesem kostbaren Gut um.»

Ihre Kinder lieben die Landwirtschaft

Nach den Sommerferien kehrt Martina Käslin mit den drei jüngeren, schulpflichtigen Kindern (Kira, Jael und Elin) für die Schulzeit in das Tal zurück. Die drei älteren Kinder sind bereits im Handwerk tätig: Lara hat Schreinerin gelernt und besucht im Januar die Bäuerinnenschule, Beno ist im dritten Lehrjahr als Zimmermann und Sina im ersten Lehrjahr als Landwirtin. Alle helfen in ihrer Freizeit tatkräftig und voller Freude auf der Alp und dem Hof mit.

Wer den Betrieb einmal übernehmen wird, ist noch offen. «Wir machen keinen Druck. Jedes Kind soll seine Zukunft selbst bestimmen», betont Martina Käslin.

Andreas Käslin hat den Hof damals sehr früh von seinem Vater übernommen, da dieser immer auswärts gearbeitet hat. Auch Andreas arbeitet im Winter in einer Holzbaufirma. Dank flexibler Arbeitszeiten melkt er morgens noch die Kühe, bevor er zur Arbeit fährt; die restliche Stallarbeit übernimmt die Bäuerin mithilfe ihrer Kinder.

Wunderbare Aussicht auf Ennetmoos, die Berge und Vierwaldstättersee. (Bild: Erika Rebsamen)

Winzern lernen im Wallis

Als Ausgleich zum intensiven Alltag massiert Martina Käslin leidenschaftlich gerne zu Hause für Familie und Freunde. Zudem geniesst sie das E-Bike-Fahren über Stock und Stein oder – wenn möglich – kurze Wellness-Auszeiten mit ihrem Mann.

«Andreas zieht es zwar nicht oft weg von zu Hause. Und wenn, dann am liebsten dorthin, wo es Kühe im Stall gibt, um mit den Berufskollegen zu fachsimpeln», schmunzelt sie.

«Einmal fuhr ich, den Kindern zuliebe, ans Meer. Jedoch war ich die Einzige, die von den Strandferien begeistert war: Zu Hause und auf der Alp gefällt es den Kindern einfach am besten.»

Kommt selten vor: «ghirme» am schönen Plätzli. Vielleicht mit Gedanken schon im Wallis am Keltern? (Bild: Erika Rebsamen)

Möchte die nächste Generation mal den Betrieb übernehmen, wäre es für Käslins selbstverständlich, dass sie Platz machen und vom Betrieb wegziehen würden. Einen persönlichen Traum möchte sich die 44-Jährige aber noch erfüllen: «Ich würde sehr gerne einmal für längere Zeit ins Wallis reisen, um den Weinbau, die Lese und das Keltern von Grund auf kennenzulernen.»

5 Fragen – 5 Antworten

Ihr Rezept für Entspannung?

Ein Glas Rotwein am Abend, eine Velotour oder ein Spaziergang

Welches Kompliment freut Sie?

Wenn meine Gäste den Ort, die regionalen Produkte und die Gastfreundschaft schätzen.

Welche Tätigkeiten im Alltag erachten Sie als sinnlos?

Wäscheberg tilgen, einkaufen und Kühlschrank füllen.

Wohin würden Sie gerne einmal reisen?

Auf die Malediven.

Worüber haben Sie sich in den letzten 24 Stunden geärgert?

Meine Zivis haben mir gutwilligerweise alle Kürbisse geerntet, sie waren noch nicht reif. (schmunzelt)

Betriebsspiegel

Name: Martina und Andreas Käslin-Gisler

Ort: Halten 2, Ennetmoos NW und Alp Dossen, Wolfenschiessen

Betrieb: Zucht Original Braunvieh

Alpbetrieb: ca. 120 Tage Sömmerung

Ökowiesen 8 ha (Planggen)

Viehbestand: 12 OB-Kühe, 15 Rinder, jährlich ca. 30 Mastkälber, 8 Ziegen, 15 Hühner, 3 Katzen, Hasen, Meerschweinchen, Wachteln, und mehrere Schildkröten

Fläche: 6 ha Bergzone 2 (Talbetrieb), 10 ha Pacht Bergzone 3, 42 ha (Alpbetrieb) 30 Normalstoss

Nebenerwerb: Agrotourismus (Übernachten und Gastronomie im pfHuisli)

Arbeit als Holzbauarbeiter 60–100 %

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